Romantic Love. Gedanken zu Oblomow.

(Ich habe in diesem Artikel auf das Gender* verzichtet, da es vor allem um die Betrachtung einer Cis-Beziehung innerhalb gesellschaftlich heteronormativ gesetzter Normen geht- trotzdem soll natürlich niemand ausgeschlossen sein vorab darauf aufmerksam gemacht werden, dass das Geschlechttrotzdem als Konstrukt gesehen wird .)

Wenn ich an meine Jugend und damit an die letzte langjährige Beziehung meiner Mutter denke, fällt mir vor allem ein Bild ein. Ein Mann auf seiner Couch, ein Fernseher, Essen um die Couch verteilt und wüste Beschimpfungen. Mein Mitbewohner, dem ich letztens davon erzählte, erinnerte dies an Iwan A. Gontscharows Roman Oblomow, eine Erzählung über einen russischen Adligen, der faul, resigniert und verzweifelt auf seinem Bett liegt und das angrenzende Gut verfallen lässt bis die Kühe davonlaufen. Dass meine Mutter und ihr Freund (nennen wir ihn nun auch einfach Oblomow) gemeinsam einen Pferdehof führten, den meine Mutter mit Lohnarbeit finanzierte und um den sich Oblomov derweil kümmern sollte, macht das Bild nur noch passender. Wie im Roman kümmerte sich auch mein Oblomow immer weniger um den Hof, ließ den Putz von der Wand blättern und wendete sich immer weiter seiner Couch und somit seiner Depression und seinem ewigen Lamentieren über den Verlust seines Lebens zu. (Keine Sorge, alle Pferde sind noch da.) Psychiatrische Hilfe wies er ab, mit dem Verweis, dass keine Psychiater*in ihm etwas sagen könne, was er nicht eh schon wüsste und sich bereits angelesen hätte. Genie und Intelligenz machen eben traurig. Romantic Love. Gedanken zu Oblomow. weiterlesen