Meine Erfahrung als Schwarze Frau in Deutschland

Um verschiedene Erfahrungen sowie Geschichten und Perspektiven sichtbar zu machen, veröffentliche ich regelmäßig Gast*artikel. Aïssa aka. @peopleracializadas hat mich vor einiger Zeit angeschrieben, da sie die ihre Erfahrung als Schwarze Frau in Deutschland teilen wollte. Entstanden ist ein kurzer, aber sehr eindrücklicher Artikel über das Aufwachsen in der Provinz, aber auch über rassistische Erfahrungen in Berlin, die niemand so recht sehen mag. 

Aïssa schreibt selbst einen tollen Blog, den ihr euch auf jeden Fall ansehen solltet:

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Aber nun erstmal zu ihren Erfahrungen (TW N-Wort/Rassismus/Schwarz wird übrigens hier groß geschrieben, um darauf aufmerksam zu machen, dass es sich um eine gesellschaftlich entworfene Kategorie handelt, nicht um eine Hautfarbe):
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Share your Platform!

Um wirklich intersektional feministisch zu arbeiten, ist es wichtig, die eigene Platform zu teilen und verschiedene Stimmen sichtbar werden zu lassen. Deshalb möchte ich regelmäßig die Arbeit von anderen Feminist*innen vorstellen.

Nach Souzan AlSabah folgt nun ein weiteres Interview mit Regina Adjoa (@reginadjoa), die zu vielen verschiedenen Bereichen politische Bildung anbietet. Sie schreibt u.a. über Körper, Diskriminierung, Rassismus, Kolonialgeschichte, Sexismus und Menschenrechte. Und das alles untermalt sie mit wunderschönen Bildern. Aber lest selbst ❤

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Möchtest du dich erstmal kurz vorstellen?

Ich bin Regina, 24 Jahre alt und gebürtige Hamburgerin mit ghanaischer Familiengeschichte. Vor sechs Jahren bin ich fürs Studium der Geschichts- und Sozialwissenschaften nach Berlin gezogen und habe danach den Master Global History begonnen. Frisch zurück aus meinem Auslandssemester in London, schreibe ich jetzt meine Masterarbeit. Neben dem Studium und Studijobs arbeite ich seit einigen Jahren freiberuflich als Fotografin und war zwei Jahre lang semi-professionelle Tänzerin und Tanzlehrerin.

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Chai mit Chale Shoushou

Letzte Woche habe ich mit Souzan AlSabah telefoniert. Souzan macht tolle Sachen und hat aufregende Geschichten zu erzählen. Über Feminismus, über Syrien, über ihre Arbeit, über ihr Leben. Sie ist Expert*in auf vielen Gebieten, ist tätig als systemische Therapeutin, Sexualpädagogin und Empowermenttrainerin. Seit 2008 arbeitet sie zudem im Bereich intersektionale Gesundheits- und Präventionsarbeit, vor allem mit Frauen* und Mädchen*. 2012 gründete sie mit anderen Frauen* das Frauen* und Mädchen* Gesundheitszentrum Holla e.V. Der Schwerpunkt dort liegt auf der Schnittstelle Sexismus & (anti-muslimischer) Rassismus. Holla bietet intersektionale und machtkritische Gesundheitsarbeit, Prävention und Beratung auch nach dem Erleben von (sexualisierter) Gewalt an. Zudem sind sie bundesweite Vorreiterinnen* in moderner Sexualaufklärung; z.B. durch die Arbeit zum „Mythos Jungfernhäutchen“.

In ihrem neuen Projekt, dem youtube Kanal @chaimitchaleshoushou spricht sie über Liebe, Sexualität, Beziehungen und Rassismus. Über Mythen und Vorurteile. Über Intersektionalität. Denn in dem großen Bereich der intersektionalen Gesundheitsarbeit, der auch die intersektionale Sexualpädagogik mit einbezieht, ist Souzan seit über zehn Jahren bundesweite Vorreiterin. Die Erfahrungen aus dieser Zeit fließen in ihre Videos ein.

Chale kommt übrigens aus dem arabischen und bedeutet Tante, bzw. erwachsene Bezugsperson, eine ältere (coole tolle) Frau. Das finde ich ein sehr schönes Bild. Einen Chai mit der coolen Tante trinken und über alles reden, worüber man mit Erwachsenen normalerweise nicht sprechen kann. Und deshalb möchte ich nun auch gern einen (wenn auch nur virtuellen, da Quarantäne) Chai mit Souzan trinken und ihr ein paar Fragen stellen. 

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Corona braucht nicht nur Solidarität.

Ich muss ja zugeben, ich merke meine Privilegien in der Corona Krise. Andere merken, dass sie keine oder nur sehr wenige haben. Auch wenn ich gerade sehr abgesichtert bin, weiß ich doch von meiner Arbeit als Sozialpädagog*in (viele Sozialpädagog*innen sind gerade sehr belastet!!) von vielen Fällen häuslicher Gewalt, von Situationen, die sich gerade zuspitzen und von Frauenhäusern, die aus allen Nähten platzen. Immer, aber momentan so richtig.

Es gibt eine Menge Solidarität während Corona. Es gibt aber auch eine Menge rechter Idioten, die wie immer Verschwörungstheorien ins Netz hauen, es gibt den Staat, der sich darauf verlässt, dass Ehrenamtliche einspringen, dass gespendet wird. Auch ich spende momentan und bin in der Organisation für nachbarschaftliche Hilfe beteilgt. Das ist ja auch schön von wegen Solidargemeinschaft und Zusammenhalt und Unterstützung, aber eigentlich kann es nicht sein, dass Menschen mit Fluchtgeschichte in Lagern ohne Versorgung hängen, Gewalt und Corona ausgesetzt sind und der Staat nichts tut und es keine Möglichkeit gibt, außer Spenden und Petitionen. Es kann auch nicht sein, dass wir Pflegekräften applaudieren, aber nicht für bessere Bazahlung kämpfen.

Diese Krise zeigt, wer den Luxus hat sich zu schützen, wer sicher finanziert ist, wer als wichtig gilt und wer nicht. All diese Unterschiede sind immer da und deutlich, können aber normalerweise leichter ignoriert werden. Nun habe ich häufig gehört, dass momentan nicht die Zeit für politische Forderungen, sondern ausschließlich für Solidarität sei. Excuse me? Natürlich ist auch gerade jetzt (und immer) Zeit für politische Forderungen. Gerade wenn Menschen so viel mehr leiden als andere. Wenn manche ewige Überstunden und andere ewige Minusstunden machen müssen, wenn viele noch mehr darunter leiden, dass es zu wenig Therapieplätze gibt und sie keine Unterstützung finden, wenn Menschen, ihren Job verlieren oder ihren Laden/ihr Geschäft/ihr Cafe bald schließen müssen, also existenziell bedroht sind. Wenn Freiberufliche ihre Miete nicht mal mehr zahlen können, wenn Menschen sich verschulden. Wenn es keine Schutzräume für Menschen gibt, die von Gewalt betroffen sind. Wenn die Grenzen geschlossen werden. Wenn Menschenrechte beschnitten werden. Wenn die Polizei eine Menge Freiheit bekommt- z.B. für racial profiling (das heißt, unter rassistischen Gesichtspunkten zu kontrollieren). Corona braucht nicht nur Solidarität. weiterlesen

Da ist doch noch was. Von wegen Liebe und so.

Irgendwie küsst mich momentan niemand, da Quarantäne, aber wenigstens die Muse küsst mich ab und zu. Das will ich gerne nutzen und ein bisschen etwas über meine Beziehungen schreiben und Dating und all den ganzen Kram. Mein Leben lang hab ich mich immer ziemlich dafür nieder gemacht, dass mich diese Themen so interessieren. Dating, Liebe, Beziehungen, Freundschaften. Ich hab den Grund gesucht, warum ich nicht über Biochemie oder etwas klares Sachliches nachdenken kann? Denn das ist doch besser. Emotionales ist doch für das Klischee von irgendwie „Frausein“, oder? Ja, das hab ich immer gedacht, bloß keinem Klischee entsprechen, denn das ist schlecht. Feminst*in sein heißt, stark, unabhängig, cool, tough- dabei weiß ich ja, dass ich das bin, aber eben auch nicht. Dass ich viel weinen und auch traurig sein kann. Aber eben auch sehr fröhlich. Aber ich dachte immer, ich kann nur eins davon sein. Fröhlich und tough z.b. – dann finden die Leute einen cool. Aber naja, in den letzten Jahren und Monaten habe ich rausgefunden (hurrah!) das man sich gar nicht entscheiden muss. Dass fröhlich und traurig sein keine Widersprüche sind, sondern einfach unterschiedliche menschliche Gefühle, die ich in mir vereinen darf. Und dass ich nicht über Biochemie nachdenke, aber über viele Dinge und Politik und allerlei, aber eben auch über Liebe und das das kein Widerspruch ist. Frauen können auch über Marx UND Liebe schreiben.. ok, ich schreibe nicht über Marx, aber ich könnte und alle coolen Dissertations Marx Dudes könnten halt auch eher mal auch über Liebe schreiben und nachdenken. Naja egal. Beim Thema bleiben.

Eh ok, also was hat das jetzt mit Dating, Liebe und sowas zu tun? Ich glaube, das mein Bild von Liebe bzw. das gesellschaftliche mir in meiner Liebe ganz schön geschadet hat. Darüber will ich schreiben. Aber Obacht: Ich bin ja bekanntlich eine Hete (nicht unbedingt freiwillig) und date somit zumeist Cis-Männer (bisher, you never know) und deshalb schreibe ich über diese Erfahrungen. Auch die mit struktureller Männlichkeit (das soll heißen, kein bioloigistischer Quatsch ala Männer haben die und die Chromosomen und können deshalb nicht verbindlich sein oder sie müssen halt jagen, weil eh, wir haben halt Laptops und Drohnen, aber die Steinzeit ist halt noch total präsent), sondern im Sinne von: Wir leben (leider) in einer größtenteils binär (zweigeschlechtlich) eingeteilten Gesellschaft und werden halt in bestimmte Richtungen sozialisiert. Das birgt Probleme. Vor allem für Cis-Männer und für einen selbst, wenn man mit Cis-Männern schlafen und kuscheln und Beziehungen führen will. Natürlich sollte man das alles nicht zu sehr affirmieren, also bejahen, denn dann kommen wir ja nie aus den „Mann“ und „Frau“ Klischees heraus und übergehen immer weiter andere Identitäten, aber gleichzeitig finde ich es wichtig, Strukturen zu benennen, um sie zu verändern. Natürlich kann vieles, das benannt werden soll in allen Beziehungen vorkommen und Verhaltensmuster auch von nicht Cis-Männern angenommen werden. Trotzdem geht es mir um die Bilder und Auswirkungen von männlicher Sozialisation und von Männlichkeit bzw. Verhalten, das sich aus diesem Bild speist.

Immer wenn ich aber etwas kritisches über „Männlichkeit“ poste, schreit ein Instagram Dude: „Ey, ich mach auch schlechte Erfahrungen und leide unter Dating.“ Eh ja, schön, bzw. nicht schön für dich. I am sorry, aber darum gehts halt gerade nicht? Das ist nämlich häufig männliche Fragilität, die erstmal abwehren will, dass man auch etwas falsch machen könnte. Das man auch Opfer ist und nicht Täter. Sorry, überspitzte Wörter. Sagen wir lieber auch „betroffen“. Man will auch gesehen werden. Kann ich verstehen, aber vielleicht nicht jetzt und hier? Vielleicht ist man gerade als Person nicht gemeint? Vielleicht hat man eine gesellschaftlich so privilegierte Stellung, dass man sich kurz mal zurücknehmen kann? Dass man eigenen Orte schafft, in denen man über seine Dating Erfahrungen redet? Das man Frauen und INT* Personen den Raum gibt zu sprechen, ohne zu brüllen? Naja das eine kleine Anmerkung am Rande.

Jetzt geht es aber los mit meinem Liebesleben. Ich habe es euch mal mehr oder weniger chronologisch (ok, eher etwas durcheinander) zusammengefasst:

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Single, depressiv und Corona

Ich weiß, es gibt gerade und immer wirklich schlimmere Probleme. Es gibt Menschen, die kein Obdach haben, die von häuslicher Gewalt bedroht sind, die zur Risikogruppe gehören, die vergessen an irgendeiner Grenze festhängen, die jeden Tag unter schlimmen Bedingungen arbeiten müssen…usw. usw. Corona macht alle Probleme noch sichtbarer. Doch um weiter Aktivismus betreiben zu können, um das eigenen Leben noch etwas im Griff zu haben, um irgendwie überhaupt auf die Probleme anderer aufmerksam machen oder helfen zu können, muss man eben auch ein bisschen auf sich schauen.

Und ich kann euch sagen, dass ist momentan mit Depressionen und sich einsam fühlend an manchen Tagen ganz schön schwer. Ich fühle mich wie bei „Täglich grüßt das Murmeltier“ in einem ewigen Loop gefangen. Keine Ereignisse auf die man sich freut, kein Körperkontakt (obwohl ich wenigstens in der WG mal jemanden nach einem Drücker fragen kann), keinen Sex – mit krassen Einsamkeitsgefühlen ist das alleine manchmal auch nicht so schön- ich muss danach meistens heulen, geil…. keine Person, bei der man mal ein paar Nächte unterschlupfen kann, alle anderen düsen zu ihren Beziehungen, keine Dates in Aussicht für einen selbst, keine Tagesstruktur, immer das einsame gleiche Bett, Serien alle schon geschaut, knabbernde Einsamkeitsgefühle, die immer immer größer und manchmal unerträglich werden, das schlechte Gewissen, weil man eigentlich so viele Privilegien und so Viel Glück hat und trotzdem eigentlich gar nicht mehr existieren möchte, Körperschmerzen, auf und ab der Emotionen …uff.. usw. usw.

Und Single sein ist nichts schlimmes, nichts worunter man leiden muss, aber etwas worunter man leiden darf. Man darf happy Single sein, aber man darf eben, auch als Feminist*in, darunter leiden, dass man keine schöne romantische Beziehung hat. Es darf auch mal so und mal so sein. It is okay. Man kann trotzdem stark und cool sein. Oder schwach und cool.

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Weißsein

Endlich gibt es den ersten Gast*beitrag ❤

Nanda María / @mmmarest hat einen Artikel, ein Gedicht, einen Essay, einen Text verfasst über das Weißsein und dessen Bedeutung. Ich freue mich sehr sehr darüber und hoffe, ihr lest alle fleißig- und denkt mit und nach und um ggf. 🙂

Foto am 10.02.20 um 15.51 #2

Ich frage mich, wie ich ein Referat über „weißsein“ halten kann, wenn ich mich noch nicht zu 100% dekonstruiert habe? Obwohl ich braun und Migrantin bin, habe ich wegen des Erziehungssystems ein „weißsein“ in mir. Das heißt, dass ich assimiliert wurde und das ist ein Effekt des Kolonialismus. Weißsein weiterlesen