Über Tod und Trauer

Warum sprechen wir eigentlich so selten über den Tod? Nun, vielleicht ist das gar nicht so schwer zu erklären. Menschen zu verlieren oder selber verloren zu gehen, ist ein erschreckender Gedanke. Wir wissen nicht, ob etwas auf uns zukommt oder ob einfach alles vorbei ist. Wie dem auch sei, hier ist es definitiv erstmal vorbei. Bleiben wir zurück, ohne einen geliebten Menschen, scheint der Schmerz unerträglich. Und auch die bedrückende Stille rund um den Tod wird deutlich. Niemand weiß, was man denn nun sagen soll. Niemand weiß, wie man am besten mit dem Tod umgeht. Was hilft oder wie man unterstützt. Und wenn man doch etwas sagt und da ist, wird es nach einer Weile vielleicht zu viel. Menschen, die schon mal um eine geliebte Person getrauert haben, kennen vielleicht den Satz: „Irgendwann muss aber auch mal wieder gut sein.“ Trauer ist nicht für immer erlaubt. Das Leben geht weiter, man muss das Alte hinter sich lassen, weiter machen und andere nicht zu viel belasten. Es ist leicher, Tod und Schmerz zu verdrängen. Das Problem ist nur, verdrängt man, kommt die Trauer hundertfach zurück. Sie will raus und lässt einen nicht los. Und je weniger Raum wir für sie haben, desto schlimmer wird das Ganze. Denn Trauer verändert sich mit der Zeit, aber „es ist nicht irgendwann mal wider gut.“ Verlieren wir jemanden, bleibt die Trauer. Es wird nicht wieder gut. Das Leben kann trotzdem gut sein, aber die Trauer gehört nun mal dazu.

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Mein Vietnam

Über Instagram habe ich vor kurzem Hien kennengelernt. Sie hat mir die Sichtung ihres Filmdebüts erlaubt, in welchem sie ihre Eltern, die aus Vietnam geflohen sind und nun schon lange in Deutschland leben, porträtiert und gerne möchte ich dieses heute vorstellen, damit ihr alle diese schöne und wichtige Doku seht ❤ Ich habe Hien interviewt über die Beweggründe des Films, ihre Geschichte und warum der Film vielleicht vielen eine neue Perspektive bzw. eine, in der sie sich endlich auch gesehen fühlen, bietet.

https://ffmop.de

@meinvietnamfilm

@heyheyhien

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Ich schweige nicht mehr

Dies ist ein Gastbeitrag von Aysa Seen.

Aysa bloggt unter https://pocstories.com/about-2/ sowie @pocstories_ // FotoCredit : Alice Rajasombat

In diesem Bericht geht es um sexualisierte Gewalt. Wenn ihr euch dazu gerade nicht bereit fühlt, lest ihn vielleicht später.

Danke Aysa, für das Teilen deiner Erfahrungen ❤

Ich schweige nicht mehr. Meine traumatische Erfahrung mit Vergewaltigung

Ich hatte es provoziert. Ich habe nichts getan. Es ist meine Schuld. Das hätte ich nie tun dürfen. Diese Sätze haben mich jahrelang verfolgt.

Vergewaltigung ist leider ein soziales Problem, das sich auf alle Gesellschaften auswirkt. 

Laut der Statista-Studie, „im Jahr 2019 wurden auf 100.000 Einwohner in Deutschland 11,4 Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff im besonders schweren Fall einschließlich mit Todesfolge polizeilich registriert.“ 

Die Zahlen sind nur ein Hinweis, wie viele Menschen schweigen, trauen sich nicht eine Anzeige zu erstatten?

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Über Diskurse, Tone Policing und politische Forderungen

Puh, das ist ein schwieriges Thema. Ich bewege mich ja viel in den sozialen Netzwerken, also ok, nur in einem und was wir alle wissen und merken: Der Ton ist rau. Diskurse und Deutungshoheit hart umkämpft. Dies ist in vielerlei Hinsicht richtig und wichtig. Menschen vergreifen sich im Ton, wenn sie wütend sind. Und vor allem die, die nie gehört werden, die unterdrückt werden, sollten wir hören. GERADE wenn sie wütend sind. Tone Policing ist dabei ein Phänomen, dass beschreibt, wenn Menschen, die etwas Diskriminierendes gesagt haben darauf aufmerksam geamacht werden, dass man das ja auch mal nett sagen könnte und dass man dann reden kann. Damit wehrt man die eigene Verantwortung oft ab, anstelle einer angemessenen Entschuldigung oder eines Zuhörens. Das ist nicht ok und sollte benannt werden. Genauso wie Derailing oder Whataboutism – das meint, den Vorwurf gegen sich damit zu ignorieren, dass man andere Themen aufmacht oder plötzlich über sich selbst spricht.

Trotzdem fällt mir oft auf, dass Diskriminierungen gegeneinander ausgespielt werden, Inhalte sowie politische Ziele verloren gehen und Diskurse nicht mehr geführt werden. So frage ich mich, ob wir noch von Tone Policing sprechen können, wenn jemand z.B. sexistisch/rassistisch/ableistisch etc. diskriminiert wird, dann aber Personen z.B. mit transfeindlichen Wörtern beleidigt und das dann gehört werden muss, weil alles andere Tone Policing ist. So gab es auch einen Fall in einem Cafe (müssen wir jetzt namentlich nicht größer drauf eingehen), in welchem der Besitzer eben dieses Cafes rassistische Wörter postete. Zurecht wurden Menschen wütend und es gab einen Shitstorm. Nach einigen Stunden und mehreren Stories wurde aber deutlich, dass diese Person sich gerade in der Psychiatrie aufhält und anscheinend unter einer akuten Psychose litt. In dieser Zeit können Halluzinationen, Wahnvorstellungen und auch Störungen im Denken auftreten. (https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/psychosen/verlauf/) Ich fand es sehr eindeutig, dass diese Person gerade nicht wirklich wusste, was sie tut und jenseits einer Verantwortlichkeit stand, die sie vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder hätte übernehmen können. Doch auch als darauf aufmerksam gemacht wurde, kam das Argument des Tone Policing, das sei ein Nazi, den man zur Rechenschaft ziehen müsse. Nun stehen sich aber zwei Probleme gegenüber. Das mangelnde Wissen und die Tabuisierung sowie Diskriminerung von Menschen mit (vor allem starken) psychischen Erkrankungen und Rassismus. Natürlich ist es alles andere als ok, wenn jemand rassistische Wörter postet, aber manchmal muss eben doch auch der Kontext angesehen werden. Es ist ein Unterschied, ob jemand in vollem Bewusstsein dafür plädiert, dass rassistische Wörter okay sind oder ob jemand akut psychotisch nicht mehr weiß, was er*sie tut. Ich denke, dass da ein „simpler“ Shitstorm nicht reicht, sondern wir uns inhaltlich damit auseinandersetzen müssen, was bestimmte Krankheiten mit Menschen machen, was Rassismus auslöst und wie wir damit umgehen können, wenn beides aufeinandertrifft. So wäre eine Kritik, die den Kontext mit einbezieht und sich Gedanken macht sicherlich hilfreicher als ein simples „ekelhaftes Nazischwein“ zu posten. Natürlich muss die Person sich später mit ihren Aussagen auseinandersetzen und sich Kritik sowie Wut stellen, aber mit der Ignoranz des Kontextes wird auch die Diskriminierung psychisch Erkrankter weiter voran getrieben. Auch hier müssen Fragen der Intersektionalität beachtet werden. Ich glaube nicht, dass es uns sonst gesellschaftlich weiterbringt.

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Über BDSM, Choker, Lingerie, Vanilla und das „sich mit sich selbst wohl fühlen“

Vor einigen Monaten habe ich bereits eine Kooperation mit https://amoreze.com/ gemacht. Das Atelier stellt sehr schöne Bralettes sowie Harnesses, Choker und weitere Accesoires her. Also ist das hier auch etwas Werbung bzw. Support (unbezahlt- habe nur Harness und Bralett geschenkt bekommen und mein erster Influenza Rabattcode: littlefeminist20), aber auch ein spannendes Interview über ihre Arbeit, Körperbilder, Sexualität, Kink, BDSM, Fifty Shades of Grey, toxische Beziehungen, Aneignung usw. Als ich vor einien Monaten ein Bralett mit einem Choker gepostet habe, gab es bei Instagram eine Diskussion, ob dies Aneignung ist. Vor allem wenn man ihn als modisches Assecoire trägt. Ich habe mit den Macherinnen von Amoreze darüber gesprochen und mich gefragt, wie es denn ist, wenn man Dinge erstmal ausprobieren will, sich einer Szene annähert oder ob Tabubruch und Mainstream einer Szene zu Gute kommen können. Natürlich könnt ihr gerne mit diskutieren.

Ich bin auf jedes Mal sehr aufgeregt, etwas von Amoreze anzuprobieren und habe mich noch nie so wohl und schön in etwas gefühlt, das nicht viel bedeckt ❤ Ihre Ansichten zu Sexualität zu lesen fand ich auch sehr spannend, als los gehts:

  1. Wollt ihr euch erstmal kurz vorstellen?

Wir sind Anca und Adelina, zwei Frauen mit rumänischem Familienhintergrund, die in der Großstadt Berlin ihren Träumen nachjagen. Anca ist von Bukarest nach Berlin gezogen, weil sie sich in die Freiheit dieser Stadt, der multikulturellen Hauptstadt Europas, verliebt hat. Berlin ist voll von Offenheit, Kreativität und Wandel. Adelina ist der deutschen Kleinstadt entflohen, um sich dem Wahnsinn der Stadt hinzugeben.Da es keine „Amoreze Boutique“ gibt, verkauften wir schon damals in Berlin gern über kleine persönliche Treffen und so haben wir beide uns kennengelernt.So führte das eine zum Anderen. Mittlerweile sind wir super gute Freundinnen geworden, inspirieren uns gegenseitig und arbeiten gemeinsam an Amoreze. Zusammen designen wir Harness, Choker und Bralettes und fertigen diese vor Ort und von Hand selbstständig her.

Mila Playsuit / https://amoreze.com/collections/elastic-body-harnesses

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Was passiert eigentlich nach sexualiserter Gewalt

TW!

Heute gibt es kein besonders schönes, aber ein wichtiges Thema von dem leider viele Menschen betroffen sind. Auch wenn wir nicht viel darüber sprechen, da es in unserer Gesellschaft scham- sowie schuldbehaftet ist, erleben doch viele sexualiserte Gewalt. Dieser Artikel soll helfen, sich selbst oder andere Betroffene unterstützen zu können, indem man sich informiert was genau nach einem Übergriff passieren kann und wo es welche Hilfen sowie rechtlichen Grundlagen gibt.

Ich halte es für sinnvoll von sexualisierter Gewalt zu sprechen, anstatt von sexueller Gewalt oder von Missbrauch, da Missbrauch impliziert, es gäbe einen richtigen Gebrauch von Menschen und der Begriff sexuell vergisst, dass auch emotionale Gewalt eine Rolle spielt, es nicht immer zu sexuellen Handlugen kommen muss, sondern auch Worte oder ein Umgang mit z.B. Schutzbefohlenen sexualisiert sein kann oder sexuelle Aspekte nicht immer die Hauptmotivation Ausübender sind, sondern auch die generelle Ausführung von Gewalt und Macht. (Sexualisierte Gewalt: gewaltinfo.at)

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NO TERFS ON MY TURF

Heute gibt es mal wieder ein Interview. Dr. Michaela Dudley ist LGBTIQA*-Aktivistin, Feministin, Berlinerin und arbeitet als Kaberettistin, Kolumnistin und Keynote -Rednerin. Ich habe mit ihr über Meinungsfreiheit, J.K. Rowling, Feminismus und Martha P. Johnson gesprochen. Read it, if you like ❤

1. Möchtest Du Dich erstmals vorstellen? 

Ich bin eine Frau ohne Menstruationshintergrund, aber mit Herzblut. In der Regel. Als Berliner trans* Frau mit afroamerikanischen Wurzeln, Jg. 1961, bin ich eine Doktorin der Jurisprudenz (US). Allerdings bin ich anderweitig tätig, und zwar als Kolumnistin, Kabarettistin und Keynote-Rednerin. In meiner Eigenschaft als Kolumnistin schreibe ich für das LGBTQ-Magazin SIEGESSÄULE und für die TAZ, aber auch als Gastredakteurin für MISSY und für den TAGESSPIEGEL. Überdies habe ich eine Kolumne bei VEGANVERLAG.DE. Als Kabarettistin bringe ich ich mein Programm „EINE EINGEFLEISCHT VEGANE DOMINA ZIEHT VOM LEDER“ normalerweise über die Kleinstkunstbühnen. Es ist eine „sadomaßlose“ Sozialsatire mit eigenen Chansons. Seit der ernstzunehmenden Corona-Krise bin ich überhaupt froh, einige Fernsehauftritte absolvieren zu können. Zudem referiere ich über Diversity und berate diesbezüglich Unternehmen wie die Deutsche Bahn und den Mitteldeutschen Rundfunk.

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Black Solidarity Cologne. Ein Interview.

Gerne möchte ich meine Plattform teilen und verschiedene Perspektiven sichtbar machen. Heute gibt es deshalb ein Interview mit @blacksolidaritycologne ❤

Wollt ihr euch kurz vorstellen – euch und eure Initiative/Gruppe/Idee?

Wir sind Quish (she|her) und Zumba (he|his), wir sind beide BPoC und
leben beide in Köln und betreiben das Projekt Black Solidarity Cologne
auf Instagram. Ich (Quish) bin überwiegend für den Inhalt verantwortlich
und Zumba ist mein stiller „Mann“ im Hintergrund der mich unterstützt
wenn ich ihn brauche, er sucht zum die Bilder für unsere Posts aus oder
erstellt Bilder aus meinen Ideen wie bei dem Post über den Begriff
„weiße Minderheit“

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A little flirt guide (for yourself)

Auch wenn mein Therapeut, der zugegebenermaßen einfach aus dem Alter für Online-Dating raus ist, mir jedes Mal sagt, dass das doch alles nicht so schwer sein kann, das mit dem Dating, weil man doch schnell weiß, ob die andere Person eine Beziehung oder Sex will, weiß ich, dass das heutzutage nicht so richtig leicht ist. Also erstens gibt es eine Menge zwischen verbindlicher monogamer Zweierbeziehung und „nur Sex“ und: It`s a jungle out there! Wirklich. Alles geht super schnell, Matches hier und da und auch alles schnell wieder vorbei. Ich persönlich finde es schwierig, da nicht verloren zu gehen. Deshalb mache ich mir regelmäßig Checklisten. Was will ich und wann gehe ich warum auf ein Date?! Da es ja doch einigen Menschen auch so geht, teile ich das ganze heute mal. Vielleicht hilft es ja, vielleicht nicht. Aber schauen wir 🙂

MAX
@maxhellskitchen

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A Little Flirt Guide (for dudes)

Ich war auf vielen Dates. Einige waren sehr schön. Einige so gar nicht. Ich hatte ein paar Beziehungen. Manche waren sehr schön, andere so gar nicht. Die, die nicht schön waren hatten eins gemeinsam: Sexismus! Übergriffigkeit und mackrige Scheiße. Und da wenige Cis-Männer sich von sich aus mit ihrem eigenen Verhalten auseinandersetzen wollen, zumindest nicht auf einer Ebene, die über ein bisschen Theorie-Blabla, ich bin Feminist, mmh, Sexismus schlimm schlimm, ja klar, hinausgeht und wirklich versuchen, sich mit eigenen Verhaltensmustern und Emotionen (!) auseinanderzusetzen, mache ich das mal. Um den Prozess etwas anzukurbeln. Ist nicht meine Aufgabe, aber well.. bisschen Menschen auf Verantwortungen aufmerksam machen, kann ja nicht schaden. Vielleicht haben wir dann alle schönere Dates. Wäre ja was. Deshalb folgt nun ein Flirt-Guide für hetero cis-Männer. Andere dürfen den natürlich auch lesen, aber ich wende mich tatsächlich an cis-Männer, die trans oder cis Frauen (also Frauen, aber vielleicht auch INTA*) daten, also Menschen, die unter Sexismus leiden und eben etwas mit Dudes zu tun haben, datingwise. Auch hier soll gesagt sein, dass jedes beschriebene Verhalten in allen Datingkontexten vorkommen kann, auch wenn es keine Cis-hetero-Personen sind- patriarchal erlernte Verhaltensweisen und neoliberale Autonomiedogmen gibt es überall. Naja. Trotzdem sehe ich die Quelle und die meisten Widerstände gegen Veränderung in männlich erlernten Verhaltensmustern. Könnte übrigens alles etwas wütend werden. I hope you don`t mind. Paar gute Tipps gibt es auch, denke ich 🙂

Also here it comes: A Little Flirt Guide (for dudes) weiterlesen