Was sieht man eigentlich, wenn man nach vorne schaut?

Die Leute sagen viel. Sie sagen, dass man das Alte los lassen soll. Dass man nach vorne schauen muss. Dass nichts Neues kommt, wenn man noch am Alten hängt. Dass man die Hoffnung nie aufgeben soll. Das bessere Dinge kommen werden, als die die zurück liegen. Dass man los lassen muss.

Nun frage ich mich aber, wie macht man das, wenn man Anfang 30 ist, an einer Depression leidet und leider generell einen großen Mangel an Urvertrauen hat, da jaja ihr wisst schon, schwierige Familiengeschichte, Trennungen, Scheidungen, Tod, Weltschmerz. All sowas macht Depressionen. Und die machen es schwer, nach vorne zu sehen. Man sieht da nichts. Ich bin leider auf der Seite der Menschen, die nach dem Motto leben: „You get better and better at everything and then you die.“ Nicht besonders fröhlich, ich weiß. Aber so ist es eben. Ich arbeite an meinem Kopf, an meiner Vergangenheit, an meinen Trennungen, an übergriffigen Tinder Erfahrungen und zerrütteten Freundschaften, an Verlust, an allem. Und es wird besser. Schon. Immer ein bisschen. Freundschaften werden stabiler, der Job ist gut… Aber dann wird es leider wieder schlimm. Denn dann kommt eine Trennung oder ein Streit und das fragile System  kann nicht mehr nach vorne schauen. Nur noch nach hinten- sieht jede Trennung vor dem inneren Auge immer und immer wieder. Da gibt es kein vorne mehr. Da ist alles dunkel und hoffnungslos.

Und dann frage ich mich, was sehen die Menschen, wenn sie nach vorne schauen? Ich versuche, meinen Opa zu sehen. Mein Opa ist 86, er hat sich mit 78 noch mal verliebt und an seinem 80 Geburtstag noch mal geheiratet. So aus Liebe und so. Seine Frau ist übrigens 82, also denkt nichts falsches. Und das war eine schöne Hochzeit. Nicht, dass das das Einzige wäre, das einem Hoffnungen macht. Heiraten. Bäh (dieses bäh schreibe ich übrigens nur um cooler zu wirken. Ich will zwar wirklich nicht heiraten, aber auch wenn es nichts gibt, was der moderne unabhängige Mensch weniger gern hört, bei mir ist es so: Ich will einfach nur jemanden der*die mich liebt. Für immer! So jetzt ist es raus. Plopp, gesagt.) Was sieht man eigentlich, wenn man nach vorne schaut? weiterlesen

Internalisierte Misogynie

Hä? Was ist das? Ich sag es mal so: Es ist der die Ablehnung von Frauen!/weiblich identifizierten Menschen/weiblich gelesenen Menschen gegen Dinge, die in unserer Gesellschaft als „weiblich!“ gedeutet werden. Hier ein paar Beispiele: romantische Filme, Sehnsucht, Gefühle, Rosa, Pferde, Schminke, nackte Haut, kurze Röcke, rote Lippen, Rundungen, zunehmen, abnehmen, Schüchternheit, romantische Wünsche, hohe Schuhe, Weinen, Unsicherheit, nicht Autofahren wollen oder können, Weichheit usw. usw. Natürlich ist das alles nichts, was irgendwie wirklich weiblich wäre. Unsere Gesellschaft teilt sich größtenteils immer noch in Mann! und Frau! – und auch wenn viele davon ausgehen, die aufmerksame Leser*in weiß, was wir als „männlich!“ oder „weiblich!“ lesen, ist natürlich gesellschaftlich gemacht und nicht angeboren. Kein Gen bringt mich dazu, Rosa zu mögen oder Pferde cool zu finden (tu ich ja auch gar nicht. Obwohl sie sehr feine seidige Nasen haben. Die sind süß!)

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We need more than Allyship

Allyship meint eine Verbündete* zu sein. Mit Menschen die Diskriminierung erfahren. Allyship meint, die eigenen Priviliegien zu hinterfragen und diese zu nutzen, um Menschen zu unterstützen, um Dinge zu ändern. So erwarte ich zum Beispiel von einem Cis-Mann, dass er sich mit Sexismus und Misogynie auseinandersetzt, dass er nicht übergriffig handelt, dass er vorsichtig und durchdacht, dass er machtkritisch ist. Das versuche ich auch selbst anderen Menschen gegenüber. Wenn sie z.B. von Rassismus, Ableiismus, Transfeindlichkeit etc. betroffen sind. Ich achte auf meine Sprache, ich versuche meine Position zu hinterfragen, ich versuche auf diskriminierende Aussagen zu reagieren, Raum abzugeben. Ich setze mich gegen rassistische Kostüme ein (nicht als Meinungsdiktatur, liebe Feuilleton*isten! Sondern weil es eben human decency ist. Weil man sich nur mal die Geschichte ansehen muss, um zu verstehen), ich versuche Projekte zu unterstützen und Raum abzugeben. Ich kann nichts für meine Hautfarbe. Aber meine Haurfarbe erzählt eine Geschichte und für diese kann ich Verantwortung übernehmen. Kann dafür kämpfen, dass Hautfarbe irgendwann keine Kategorie mehr darstellt.

Momentan aber wird Instagram von Beiträgen über Allyship und White Privilege überflutet. Das finde ich richtig und wichtig. Ich finde es gut, dass das alles im Mainstream ankommt. Trotzdem merke ich, dass es mich beschäftigt, dass es neben race und gender einiges vergessen wird. Z.B. class und politics. Manchmal habe ich den Eindruck, es gibt einen regelrechten Wettbewerb, wer jetzt eigentlich „the best white person“ ist. Wer am meisten fair trade kauft, am meisten für ein lokales Projekt gespendet hat, wer am wenigsten Milchprodukte isst, wer auf den meisten Demos war und wer am besten Rassismus in seinem Umfeld anspricht. We need more than Allyship weiterlesen

Wie ich Anfing mein Schwarzsein zu embracen

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Gast*beitrag von Jennifer Muzuana (Text und Bilder) 

Ich war damals zehn Jahre alt als mich die Lehrerin der neuen Klasse
vorstellte. Ich sei: Jennifer aus Mosambik, neu in Deutschland und könne
noch kein Deutsch sprechen. Plötzlich glühten meine Wangen und meine
Knie wurden weich, weil alle weiß waren und ich nicht. Meine
Sitznachbarin war ein Mädchen. Aus Faszination und Bewunderung wagte
ich mich langsam und unauffällig mit Fingerspitzengefühl ihr sanftes
schönes langes und glänzendes Haar anzufassen. Scheinbar war es garnicht
so unauffällig, denn sie drehte sich irritiert um und schaute mich fragend
an. Mir wurde heiß. Man hätte es mir ansehen können wenn ich nicht
Schwarz gewesen wäre. Ich war die einzige Schwarze in der Klasse und ich
fühlte mich so, als ob es mir an Allem mangeln würde. Ich fühlte mich nicht
schön und ich fühlte mich auch nicht Intelligent.

Glattes langes Haar hatte ich bis dahin nur im Fernsehen zu sehen
bekommen, bei den brasilianischen Frauen aus den Telenovelas, die jeden
Abend bei uns liefen. Diese ausschließlich weißen Frauen waren reich,
schön, gebildet und intelligent und kleideten sich nur in die feinsten
Designerklamotten. Um uns auch so schön zu fühlen und langes Haar zu
haben wie die weißen Frauen aus den Novelas zerfaserten meine Cousine
und ich riesige Bananenblätter auseinander und banden sie uns um den
Kopf.

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Über Einsamkeit

Einsamkeit bezeichnet meist die Empfindung, von anderen Menschen getrennt und abgeschieden zu sein, aber gilt auch als Sammelbegriff für besonders dünn besiedelte und meist abgelegene Gegenden.[1] Oft wird mit Einsamkeit eine negativ konnotierte Normabweichung oder ein Mangel verbunden, mitunter werden damit aber auch positive Aspekte in Zusammenhang gebracht, beispielsweise im Sinne einer geistigen Erholungsstrategie, die Gedanken ordnen oder Kreativität entwickeln bzw. fördern kann.“ (Wikipadia- beste Quelle! Stand: 7. Klasse und jetzt)

Einsamkeit ist nicht cool. Es ist nicht hip. Nicht sexy. Der coole hippe Mensch ist nicht einsam, sondern auf einer Party. Am Knutschen. Oder mit eine*r/m Partner*in auf einer fancy Schaukel in Panama und macht ein Instagram Video, wie er*sie lachend über eine Klippe schwingt. Oder mit Freund*innen Aperol trinkt oder ein Projekt startet oder was gut aussehendes (und wahrscheinlich schmeckendes, aber nicht so wichtig) kocht. Einsamkeit ist Mangel. Einsamkeit bedeutet nicht gut genug sein. Einsamkeit gibt es gar nicht. Glaube ich. Zumindest denke ich, dass sonst niemand einsam ist. Dass niemand anderes model-leibigen Schauspieler*innen bei Netflix zusieht wie sie aufregende Dinge tun und sich selbst dabei unzureichend fühlt. Die ganze Nacht und die nächste und die danach und so weiter. Dass niemand sonst sich auch unter Menschen plötzlich abgeschieden fühlt, dass niemand sonst ein Loch in sich hat, dass auch auf der Panama Klippen Schaukel nicht weg geht. Über Einsamkeit weiterlesen

Meine Erfahrung als Schwarze Frau in Deutschland

Um verschiedene Erfahrungen sowie Geschichten und Perspektiven sichtbar zu machen, veröffentliche ich regelmäßig Gast*artikel. Aïssa aka. @peopleracializadas hat mich vor einiger Zeit angeschrieben, da sie die ihre Erfahrung als Schwarze Frau in Deutschland teilen wollte. Entstanden ist ein kurzer, aber sehr eindrücklicher Artikel über das Aufwachsen in der Provinz, aber auch über rassistische Erfahrungen in Berlin, die niemand so recht sehen mag. 

Aïssa schreibt selbst einen tollen Blog, den ihr euch auf jeden Fall ansehen solltet:

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Aber nun erstmal zu ihren Erfahrungen (TW N-Wort/Rassismus/Schwarz wird übrigens hier groß geschrieben, um darauf aufmerksam zu machen, dass es sich um eine gesellschaftlich entworfene Kategorie handelt, nicht um eine Hautfarbe):
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Share your Platform!

Um wirklich intersektional feministisch zu arbeiten, ist es wichtig, die eigene Platform zu teilen und verschiedene Stimmen sichtbar werden zu lassen. Deshalb möchte ich regelmäßig die Arbeit von anderen Feminist*innen vorstellen.

Nach Souzan AlSabah folgt nun ein weiteres Interview mit Regina Adjoa (@reginadjoa), die zu vielen verschiedenen Bereichen politische Bildung anbietet. Sie schreibt u.a. über Körper, Diskriminierung, Rassismus, Kolonialgeschichte, Sexismus und Menschenrechte. Und das alles untermalt sie mit wunderschönen Bildern. Aber lest selbst ❤

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Möchtest du dich erstmal kurz vorstellen?

Ich bin Regina, 24 Jahre alt und gebürtige Hamburgerin mit ghanaischer Familiengeschichte. Vor sechs Jahren bin ich fürs Studium der Geschichts- und Sozialwissenschaften nach Berlin gezogen und habe danach den Master Global History begonnen. Frisch zurück aus meinem Auslandssemester in London, schreibe ich jetzt meine Masterarbeit. Neben dem Studium und Studijobs arbeite ich seit einigen Jahren freiberuflich als Fotografin und war zwei Jahre lang semi-professionelle Tänzerin und Tanzlehrerin.

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Chai mit Chale Shoushou

Letzte Woche habe ich mit Souzan AlSabah telefoniert. Souzan macht tolle Sachen und hat aufregende Geschichten zu erzählen. Über Feminismus, über Syrien, über ihre Arbeit, über ihr Leben. Sie ist Expert*in auf vielen Gebieten, ist tätig als systemische Therapeutin, Sexualpädagogin und Empowermenttrainerin. Seit 2008 arbeitet sie zudem im Bereich intersektionale Gesundheits- und Präventionsarbeit, vor allem mit Frauen* und Mädchen*. 2012 gründete sie mit anderen Frauen* das Frauen* und Mädchen* Gesundheitszentrum Holla e.V. Der Schwerpunkt dort liegt auf der Schnittstelle Sexismus & (anti-muslimischer) Rassismus. Holla bietet intersektionale und machtkritische Gesundheitsarbeit, Prävention und Beratung auch nach dem Erleben von (sexualisierter) Gewalt an. Zudem sind sie bundesweite Vorreiterinnen* in moderner Sexualaufklärung; z.B. durch die Arbeit zum „Mythos Jungfernhäutchen“.

In ihrem neuen Projekt, dem youtube Kanal @chaimitchaleshoushou spricht sie über Liebe, Sexualität, Beziehungen und Rassismus. Über Mythen und Vorurteile. Über Intersektionalität. Denn in dem großen Bereich der intersektionalen Gesundheitsarbeit, der auch die intersektionale Sexualpädagogik mit einbezieht, ist Souzan seit über zehn Jahren bundesweite Vorreiterin. Die Erfahrungen aus dieser Zeit fließen in ihre Videos ein.

Chale kommt übrigens aus dem arabischen und bedeutet Tante, bzw. erwachsene Bezugsperson, eine ältere (coole tolle) Frau. Das finde ich ein sehr schönes Bild. Einen Chai mit der coolen Tante trinken und über alles reden, worüber man mit Erwachsenen normalerweise nicht sprechen kann. Und deshalb möchte ich nun auch gern einen (wenn auch nur virtuellen, da Quarantäne) Chai mit Souzan trinken und ihr ein paar Fragen stellen. 

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Corona braucht nicht nur Solidarität.

Ich muss ja zugeben, ich merke meine Privilegien in der Corona Krise. Andere merken, dass sie keine oder nur sehr wenige haben. Auch wenn ich gerade sehr abgesichtert bin, weiß ich doch von meiner Arbeit als Sozialpädagog*in (viele Sozialpädagog*innen sind gerade sehr belastet!!) von vielen Fällen häuslicher Gewalt, von Situationen, die sich gerade zuspitzen und von Frauenhäusern, die aus allen Nähten platzen. Immer, aber momentan so richtig.

Es gibt eine Menge Solidarität während Corona. Es gibt aber auch eine Menge rechter Idioten, die wie immer Verschwörungstheorien ins Netz hauen, es gibt den Staat, der sich darauf verlässt, dass Ehrenamtliche einspringen, dass gespendet wird. Auch ich spende momentan und bin in der Organisation für nachbarschaftliche Hilfe beteilgt. Das ist ja auch schön von wegen Solidargemeinschaft und Zusammenhalt und Unterstützung, aber eigentlich kann es nicht sein, dass Menschen mit Fluchtgeschichte in Lagern ohne Versorgung hängen, Gewalt und Corona ausgesetzt sind und der Staat nichts tut und es keine Möglichkeit gibt, außer Spenden und Petitionen. Es kann auch nicht sein, dass wir Pflegekräften applaudieren, aber nicht für bessere Bazahlung kämpfen.

Diese Krise zeigt, wer den Luxus hat sich zu schützen, wer sicher finanziert ist, wer als wichtig gilt und wer nicht. All diese Unterschiede sind immer da und deutlich, können aber normalerweise leichter ignoriert werden. Nun habe ich häufig gehört, dass momentan nicht die Zeit für politische Forderungen, sondern ausschließlich für Solidarität sei. Excuse me? Natürlich ist auch gerade jetzt (und immer) Zeit für politische Forderungen. Gerade wenn Menschen so viel mehr leiden als andere. Wenn manche ewige Überstunden und andere ewige Minusstunden machen müssen, wenn viele noch mehr darunter leiden, dass es zu wenig Therapieplätze gibt und sie keine Unterstützung finden, wenn Menschen, ihren Job verlieren oder ihren Laden/ihr Geschäft/ihr Cafe bald schließen müssen, also existenziell bedroht sind. Wenn Freiberufliche ihre Miete nicht mal mehr zahlen können, wenn Menschen sich verschulden. Wenn es keine Schutzräume für Menschen gibt, die von Gewalt betroffen sind. Wenn die Grenzen geschlossen werden. Wenn Menschenrechte beschnitten werden. Wenn die Polizei eine Menge Freiheit bekommt- z.B. für racial profiling (das heißt, unter rassistischen Gesichtspunkten zu kontrollieren). Corona braucht nicht nur Solidarität. weiterlesen

Da ist doch noch was. Von wegen Liebe und so.

Irgendwie küsst mich momentan niemand, da Quarantäne, aber wenigstens die Muse küsst mich ab und zu. Das will ich gerne nutzen und ein bisschen etwas über meine Beziehungen schreiben und Dating und all den ganzen Kram. Mein Leben lang hab ich mich immer ziemlich dafür nieder gemacht, dass mich diese Themen so interessieren. Dating, Liebe, Beziehungen, Freundschaften. Ich hab den Grund gesucht, warum ich nicht über Biochemie oder etwas klares Sachliches nachdenken kann? Denn das ist doch besser. Emotionales ist doch für das Klischee von irgendwie „Frausein“, oder? Ja, das hab ich immer gedacht, bloß keinem Klischee entsprechen, denn das ist schlecht. Feminst*in sein heißt, stark, unabhängig, cool, tough- dabei weiß ich ja, dass ich das bin, aber eben auch nicht. Dass ich viel weinen und auch traurig sein kann. Aber eben auch sehr fröhlich. Aber ich dachte immer, ich kann nur eins davon sein. Fröhlich und tough z.b. – dann finden die Leute einen cool. Aber naja, in den letzten Jahren und Monaten habe ich rausgefunden (hurrah!) das man sich gar nicht entscheiden muss. Dass fröhlich und traurig sein keine Widersprüche sind, sondern einfach unterschiedliche menschliche Gefühle, die ich in mir vereinen darf. Und dass ich nicht über Biochemie nachdenke, aber über viele Dinge und Politik und allerlei, aber eben auch über Liebe und das das kein Widerspruch ist. Frauen können auch über Marx UND Liebe schreiben.. ok, ich schreibe nicht über Marx, aber ich könnte und alle coolen Dissertations Marx Dudes könnten halt auch eher mal auch über Liebe schreiben und nachdenken. Naja egal. Beim Thema bleiben.

Eh ok, also was hat das jetzt mit Dating, Liebe und sowas zu tun? Ich glaube, das mein Bild von Liebe bzw. das gesellschaftliche mir in meiner Liebe ganz schön geschadet hat. Darüber will ich schreiben. Aber Obacht: Ich bin ja bekanntlich eine Hete (nicht unbedingt freiwillig) und date somit zumeist Cis-Männer (bisher, you never know) und deshalb schreibe ich über diese Erfahrungen. Auch die mit struktureller Männlichkeit (das soll heißen, kein bioloigistischer Quatsch ala Männer haben die und die Chromosomen und können deshalb nicht verbindlich sein oder sie müssen halt jagen, weil eh, wir haben halt Laptops und Drohnen, aber die Steinzeit ist halt noch total präsent), sondern im Sinne von: Wir leben (leider) in einer größtenteils binär (zweigeschlechtlich) eingeteilten Gesellschaft und werden halt in bestimmte Richtungen sozialisiert. Das birgt Probleme. Vor allem für Cis-Männer und für einen selbst, wenn man mit Cis-Männern schlafen und kuscheln und Beziehungen führen will. Natürlich sollte man das alles nicht zu sehr affirmieren, also bejahen, denn dann kommen wir ja nie aus den „Mann“ und „Frau“ Klischees heraus und übergehen immer weiter andere Identitäten, aber gleichzeitig finde ich es wichtig, Strukturen zu benennen, um sie zu verändern. Natürlich kann vieles, das benannt werden soll in allen Beziehungen vorkommen und Verhaltensmuster auch von nicht Cis-Männern angenommen werden. Trotzdem geht es mir um die Bilder und Auswirkungen von männlicher Sozialisation und von Männlichkeit bzw. Verhalten, das sich aus diesem Bild speist.

Immer wenn ich aber etwas kritisches über „Männlichkeit“ poste, schreit ein Instagram Dude: „Ey, ich mach auch schlechte Erfahrungen und leide unter Dating.“ Eh ja, schön, bzw. nicht schön für dich. I am sorry, aber darum gehts halt gerade nicht? Das ist nämlich häufig männliche Fragilität, die erstmal abwehren will, dass man auch etwas falsch machen könnte. Das man auch Opfer ist und nicht Täter. Sorry, überspitzte Wörter. Sagen wir lieber auch „betroffen“. Man will auch gesehen werden. Kann ich verstehen, aber vielleicht nicht jetzt und hier? Vielleicht ist man gerade als Person nicht gemeint? Vielleicht hat man eine gesellschaftlich so privilegierte Stellung, dass man sich kurz mal zurücknehmen kann? Dass man eigenen Orte schafft, in denen man über seine Dating Erfahrungen redet? Das man Frauen und INT* Personen den Raum gibt zu sprechen, ohne zu brüllen? Naja das eine kleine Anmerkung am Rande.

Jetzt geht es aber los mit meinem Liebesleben. Ich habe es euch mal mehr oder weniger chronologisch (ok, eher etwas durcheinander) zusammengefasst:

Da ist doch noch was. Von wegen Liebe und so. weiterlesen