NO TERFS ON MY TURF

Heute gibt es mal wieder ein Interview. Dr. Michaela Dudley ist LGBTIQA*-Aktivistin, Feministin, Berlinerin und arbeitet als Kaberettistin, Kolumnistin und Keynote -Rednerin. Ich habe mit ihr über Meinungsfreiheit, J.K. Rowling, Feminismus und Martha P. Johnson gesprochen. Read it, if you like ❤

1. Möchtest Du Dich erstmals vorstellen? 

Ich bin eine Frau ohne Menstruationshintergrund, aber mit Herzblut. In der Regel. Als Berliner trans* Frau mit afroamerikanischen Wurzeln, Jg. 1961, bin ich eine Doktorin der Jurisprudenz (US). Allerdings bin ich anderweitig tätig, und zwar als Kolumnistin, Kabarettistin und Keynote-Rednerin. In meiner Eigenschaft als Kolumnistin schreibe ich für das LGBTQ-Magazin SIEGESSÄULE und für die TAZ, aber auch als Gastredakteurin für MISSY und für den TAGESSPIEGEL. Überdies habe ich eine Kolumne bei VEGANVERLAG.DE. Als Kabarettistin bringe ich ich mein Programm „EINE EINGEFLEISCHT VEGANE DOMINA ZIEHT VOM LEDER“ normalerweise über die Kleinstkunstbühnen. Es ist eine „sadomaßlose“ Sozialsatire mit eigenen Chansons. Seit der ernstzunehmenden Corona-Krise bin ich überhaupt froh, einige Fernsehauftritte absolvieren zu können. Zudem referiere ich über Diversity und berate diesbezüglich Unternehmen wie die Deutsche Bahn und den Mitteldeutschen Rundfunk.

2. Was bedeutet für Dich Feminismus?

Feminismus strebt, schlicht und ergreifend, die Befreiung aus dem patriarchalen Joch an. Dabei tritt Feminismus für die Emanzipierung sämtlicher Menschen jeglichen Geschlechtes bzw. Jeglicher Gender-Identifizierung vom Sexismus. Im praktischen Sinne können wir den Sexismus durchaus als ein Übel verstehen, das auf dem ungleichen sozialen Status von Frauen und Männern basiert, wenn wir das mal mit der binären Brille betrachten. Und diese Ungleichhei führt bekanntlich zur systematischen Benachteiligung der Frauen.

Sarah Zucker
@thesarahshow

3. Wie verarbeitest Du diesen in Deiner Kunst? 

Die Domina, die ich in meinem Programm spiele, ist gleichsam eine Umerziehungsberechtigte. Sie agiert vielmehr als Engelin der Gerechtigkeit. So richtet sie ihren Zorn auf die Bankster, die Demagogen, die Konjunkturritter. Die Teufel, die das heteronormative Patriarchat seit eh und je hervorbringt. Ja, das ist ziemlich plakativ, aber auch punktgenau. Buchstäblich auf Anhieb macht sie klar, dass sie partout nicht nach dem Drehbuch der Kerle hantiert. Nein, sie ist nicht dafür da, um sie zu beglücken. Allerdings wartet sie auch mit Selbstironie und Selbstreflexion auf. Dürfte eine Feministin überhaupt als Domina im Dessous auftreten? Ihr Fazit ist ein Ja mit Ausrufezeichen! Denn sie entscheidet, wo es langgeht, ohne die Fantasien der Männer auch nur annähernd zu erfüllen.

4. In der Fernsehsendung Kulturzeit (17. Juni 2020) https://www.3sat.de/kultur/kulturzeit/gespraech-mit-michaela-dudley-100.html hast Du der Schriftstellerin J.K. Rowling heftig Konter gegeben, und zwar wegen ihrer Äußerungen über trans* Frauen. Auch neulich in der TAZ (26. September 2020) https://taz.de/Transgender-mit-Leib-und-Seele/!5714351/ hast Du sie sehr wortgewandt kritisiert.

Weil Joanne K für „Karen“ Rowling mit ihrem transphoben Taten und Traktaten nicht aufhört. Die Hexendichterin macht einem Besenritt im Tiefflug und richtet dabei ihren Terror unprovoziert auf trans* Frauen. Ihre Tweets und auch ein paar ihrer mit dem Pseudonym Robert Galbraith verfassten Krimis bedient transphoben Stereotypen von gefährlichen, geistesgestörten Menschen. Mit dem Pseudonym Robert Galbraith ehrt sie übrigens den berüchtigten, gleichnamigen Verfechter der Konversionstherapie für Homosexuelle.

5. Was bedeutet für Dich die Meinungsfreiheit?

Die Meinungsfreiheit ist für mich ein hohes Gut. Als gelernte Juristin, als aktive Journalistin, als Künstlerin. Überhaupt als Mensch. In einer Demokratie ist die Meinungsfreiheit unerlässlich. Gleichwohl ist sie nicht absolut. Hass ist keine Meinung, Hass ist nicht durch das Grundgesetz geschützt. Dabei will ich nicht behaupten, dass Rowlings Tiraden den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen. Doch auch ihre „verfassungskonforme Hetze“ ist gefährlich. Mit ihren solchen Ansichten und ihrem Noch-Ansehen gibt sie den Hassenden noch mehr Gründe dafür, sich dazu berechtigt zu fühlen, trans* Personen zu misgendern, mobben und auch ermorden. Es ist allerdings nicht Zensur, wenn ich für eine diesbezügliche Sensibilisierung plädiere: Parallel zur Meinungsfreiheit müsste auch die Meinungsverantwortung greifen.

6. Ein Vorbild von dir ist Martha P. Johnson (1945 – 1992). In der Kulturzeit hast Du sie wortwörtlich besungen, als 24. August 2020 ihr 75. Geburtstag gefeiert wurde https://www.3sat.de/kultur/kulturzeit/marsha-p-johnson-102.html In der SIEGESSÄULE, in Performances und in Vorträgen thematisierst Du sie regelmäßig. Weshalb ist sie für Dich so wichtig?

Marsha ist für uns alle wichtig. Für manche war sie eine Hure, für mich eine Heilige. Die afroamerikanische trans* Frau und Feministin, die zur Initialzündung der modernen Gay-Rights-Bewegung den ersten Stein der Stonewall-Rebellion von 1969 warf, war im Grunde die erste wirklich intersektionelle Aktivistin. Man begegnete ihren Vorteilen allerdings mit Vorurteilen, auch und gerade innerhalb der bürgerrechtlichen, sowie queeren und feministischen Kreise. Sie wurde von der eigenen Revolution marginalisiert.

6. Wie können wir feministische Kämpfe vereinen?

Ein intersektioneller Ansatz ist unerlässlich, wie von Marsha P. Johnson verkörpert. Rassismus, LGBTQ-Feindlichkeit und Sexismus können und müssen alle gleichzeitig bekämpft werden. Wer die Solidarität mit anderen Unterdrückten verweigert, lässt die Marginalisierung der MitbürgerInnen weiterhin voranschreiten und kommt selbst nicht ans Ziel.

7. Wie stehst Du zu Trans-Exclusionary Radical Feminists?

Ein Lied von mir heißt „NO TERFS ON MY TURF“. Denn TERFS gefährden meines Erachtens sowohl den Zusammenhalt in der LGBTQ-Community als auch die Solidarität unter FeministInnen. TERFS sind übrigens keine SexualtheoretikerInnen, sondern soziale TerroristInnen, deren „Ängste“ eine Agenda der Ausgrenzung bilden.

RobertSurname
@RobertSurname

Danke für dieses Interview ❤ 🙂

Lest mehr von Michaela unter:


Instagram/ @dr.michaela.dudley
http://www.diva-in-diversity.com
http://www.michaela-dudley.de

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