We need more than Allyship

Allyship meint eine Verbündete* zu sein. Mit Menschen die Diskriminierung erfahren. Allyship meint, die eigenen Priviliegien zu hinterfragen und diese zu nutzen, um Menschen zu unterstützen, um Dinge zu ändern. So erwarte ich zum Beispiel von einem Cis-Mann, dass er sich mit Sexismus und Misogynie auseinandersetzt, dass er nicht übergriffig handelt, dass er vorsichtig und durchdacht, dass er machtkritisch ist. Das versuche ich auch selbst anderen Menschen gegenüber. Wenn sie z.B. von Rassismus, Ableiismus, Transfeindlichkeit etc. betroffen sind. Ich achte auf meine Sprache, ich versuche meine Position zu hinterfragen, ich versuche auf diskriminierende Aussagen zu reagieren, Raum abzugeben. Ich setze mich gegen rassistische Kostüme ein (nicht als Meinungsdiktatur, liebe Feuilleton*isten! Sondern weil es eben human decency ist. Weil man sich nur mal die Geschichte ansehen muss, um zu verstehen), ich versuche Projekte zu unterstützen und Raum abzugeben. Ich kann nichts für meine Hautfarbe. Aber meine Haurfarbe erzählt eine Geschichte und für diese kann ich Verantwortung übernehmen. Kann dafür kämpfen, dass Hautfarbe irgendwann keine Kategorie mehr darstellt.

Momentan aber wird Instagram von Beiträgen über Allyship und White Privilege überflutet. Das finde ich richtig und wichtig. Ich finde es gut, dass das alles im Mainstream ankommt. Trotzdem merke ich, dass es mich beschäftigt, dass es neben race und gender einiges vergessen wird. Z.B. class und politics. Manchmal habe ich den Eindruck, es gibt einen regelrechten Wettbewerb, wer jetzt eigentlich „the best white person“ ist. Wer am meisten fair trade kauft, am meisten für ein lokales Projekt gespendet hat, wer am wenigsten Milchprodukte isst, wer auf den meisten Demos war und wer am besten Rassismus in seinem Umfeld anspricht.

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Und versteht mich nicht falsch, ich finde das wichtig. Dass man versucht, in seinem Leben verantwortungsvoll zu handeln. Aber ich frage mich doch, warum wir alles beim Individuum ansetzen? Warum wir in einer neoliberalen Logik gefangen bleiben, dass jede*r alles alleine schaffen und machen und teilen und richtig konsumieren muss. Warum schließen wir keine Forderungen an? Wenn ich einer Person privat etwas spende (z.B. für eine Transition) dann ist das punktuell für eine Person super. Ist es eine Organisation, dann ist es für mehrere Leute gut. Aber strukturell ändert das leider nichts an der beschissenen Lage von trans Personen, die keine Unterstützung finden. Die pathologisert werden und finanziell sowie strukturell benachteiligt werden. Warum protestieren wir hier nicht mehr für neue Gesetzte, für eine Reform des sogenannte „TSG“? Wir übernehmen finanzielle Aufgaben des Staates. Wir erleichtern den Staat und die Menschen, die eh auch wenig Kohle haben, denn ehrlich gesagt, sind die meisten Leute, die sich mit Allyship auseinandersetzen, eben keine super reichen Systemprofiteure leider, kümmern sich mit ihren wenigen Ressourcen. Wir schieben unser weniges Geld hin und her, anstatt zu sagen: Stopp! Hier muss sich strukturell etwas ändern.

Natürlich sagen das auch viele. Aber auf den großen Demos, in meinem Instagram Feed, habe ich nicht das Gefühl, viele konkrete Forderungen zu sehen. Wenn Black Lives uns wirklich wichtig sind, dann brauchen wir Priviliegienhinterfragung, aber auch Veränderungen in der Flüchtlingspolitik. Wir müssen nicht nur Fair Trade kaufen (was sich auch wenige leisten können), sondern wir brauchen andere Produktionsbedingugnen. Wenn sich unsere Forderungen darin erschöpfen, dass wir selbst individuell alles richtig machen und andere anklagen, die das nicht tun, wenn wir LGBTIQ* friendly auf unser Produkt schreiben, aber keine wirkliche strukturelle Veränderung anstreben (z.B. bei der Vergabe von Jobs, bei Bezahlung, bei Anti-Diskriminierungsgesetzen etc.), dann wird sich meiner Meinung nach nicht viel ändern.

Individuell können wir Alltagsrassimus, diskriminierende Sprache, Übergriffe vermeiden, bekämpfen. Vielleicht können wir auch darauf achten, wen wir einstellen. Aber schon diese kleine Machtposition haben sehr wenige. Wir sollten unsere Handlungen und Positionen hinterfragen. Aber wir müssen eben auch die Gründe ändern, warum Menschen arm sind. Warum sie keine Wohnungen und Jobs finden, warum sie vom Gesundheitssystem ausgelassen werden. Wir können spenden, aber wir müssen die Gründe ändern, warum wir überhaupt spenden müssen. Warum Schwarze Mesnschen in den USA auf Grund von Armut keine gesundheitliche Versorgung erhalten, warum Menschen im Mittelmeer ertrinken oder Leute hier strukturelle Diskriminierung erfahren. Das alles passiert nicht auf Grund eines Individuums, sondern auf Grund eines Staatssystems, das sich nicht darum schert. An Strukturen, die davon Leben, dass manche Menschen ausgebeutet werden. Dass Menschen leiden und für andere Reichtum ermöglichen.

Also zusammenfassend möchte ich eigentlich nur sagen, dass ich Allyship für unerlässlich halte. Dass dieser einen Beitrag leisten kann, dass Dinge sich langsam ändern, aber dass wir eine Menge vergessen und da nicht stehen bleiben dürfen. Wenn sich Arbeitsbedingugnen nicht ändern, wenn sich Strukturen nicht ändern, wird sich keine bessere Gesellschaft einstellen. Wenn wir vegan Essen wollen, brauchen wir Subventionen veganer Produkte, sodass Menschen sich diese leisten können. Wenn wir fair konsumieren wollen, muss jedes Produkt fair hergestellt worden sein. Wenn wir Leben schützen wollen, brauchen wir eine Abschaffung des Grenzschutzes- das Individuum kann das nicht leisten. Das Individuum muss in der Masse Forderungen stellen. Wenn wir uns gegenseitig zerfleischen, wenn wir etwas falsch machen oder sagen, dann juckt dass die Trumps der Welt herzlich wenig. Die lachen sich ins Fäustchen, wenn wir alle an uns selbst arbeiten und uns selbst fertig machen, wenn wir doch mal irgendwas nicht hinbekommen.

Wir brauchen beides: spezifische Lösungen für verschiedene Identitäten, aber auch die Betrachtung und Veränderung des größeren Rahmens. Wir dürfen die Klassenfrage nicht vergessen, nicht vergessen, wo strukturelle Ungleichiet entsteht. Sie zeigt sich in Race und Gender. Und eben auch in unterschieldichen Klassen und unterschiedlicher Aufteilung von Reichtum, Armut und Macht – in Arbeit und Löhnen. Nicht beim Individuum.

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Zum Abschluss also noch ein paar ganz konkrete Forderungen von https://www.unteilbar.org/sogehtsolidarisch/ :

  • Bessere Arbeitsbedingungen und gute Löhne für alle. Gleiche Rechte und Schutzbedingungen für migrantische Arbeiter*innen
  • Geschlechtergerechte Verteilung von Sorgearbeit
  • Kostenlose Gesundheitsversorgung für alle und Rücknahme der Privatisierungen
  • Sicherer und guter Wohnraum für alle: Unabhängig von Geldbeutel und Aufenthaltsstatus
  • Demokratisierung der Wirtschaft und mehr Mitbestimmung in den Betrieben
  • Eine Steuerpolitik, bei der die wirtschaftlich Starken und Vermögenden die Kosten der Krise tragen
  • Sozial und ökologisch gerechte Konjunkturprogramme
  • Schuldenerlasse und Unterstützung der von der Krise besonders hart getroffenen Länder
  • Für das Recht auf Schutz und Asyl – Auflösung menschenrechtswidriger Unterbringungen – Aufnahme der Geflüchteten aus den griechischen Lagern jetzt – Solidarität kennt keine Grenzen!
  • Menschenrechte müssen weltweit der Maßstab für die Bewältigung der Krise sein
  • Einen gesellschaftlichen Pakt gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsterrorismus

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2 Gedanken zu „We need more than Allyship“

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