Über Einsamkeit

Einsamkeit bezeichnet meist die Empfindung, von anderen Menschen getrennt und abgeschieden zu sein, aber gilt auch als Sammelbegriff für besonders dünn besiedelte und meist abgelegene Gegenden.[1] Oft wird mit Einsamkeit eine negativ konnotierte Normabweichung oder ein Mangel verbunden, mitunter werden damit aber auch positive Aspekte in Zusammenhang gebracht, beispielsweise im Sinne einer geistigen Erholungsstrategie, die Gedanken ordnen oder Kreativität entwickeln bzw. fördern kann.“ (Wikipadia- beste Quelle! Stand: 7. Klasse und jetzt)

Einsamkeit ist nicht cool. Es ist nicht hip. Nicht sexy. Der coole hippe Mensch ist nicht einsam, sondern auf einer Party. Am Knutschen. Oder mit eine*r/m Partner*in auf einer fancy Schaukel in Panama und macht ein Instagram Video, wie er*sie lachend über eine Klippe schwingt. Oder mit Freund*innen Aperol trinkt oder ein Projekt startet oder was gut aussehendes (und wahrscheinlich schmeckendes, aber nicht so wichtig) kocht. Einsamkeit ist Mangel. Einsamkeit bedeutet nicht gut genug sein. Einsamkeit gibt es gar nicht. Glaube ich. Zumindest denke ich, dass sonst niemand einsam ist. Dass niemand anderes model-leibigen Schauspieler*innen bei Netflix zusieht wie sie aufregende Dinge tun und sich selbst dabei unzureichend fühlt. Die ganze Nacht und die nächste und die danach und so weiter. Dass niemand sonst sich auch unter Menschen plötzlich abgeschieden fühlt, dass niemand sonst ein Loch in sich hat, dass auch auf der Panama Klippen Schaukel nicht weg geht.

Vor Einsamkeit rennt man besser weg. Einsamkeit lässt man besser nicht zu. Denn sie tut weh. Auf ziemlich fiese Art sogar. Sie tut weh, wenn man wirklich alleine ist, aber auch wenn man bei jemanden im Arm liegt und das getrennt sein Gefühl sich nicht ändert. Dass Loch sich nicht schließt und man sich in ständigem Mangel durch die Welt irren sieht. Ich vermeide Einsamkeit durch Dates, durch schlechte Affairen, durch Menschen, die mir nicht gut tun. All das macht aber noch mehr Einsamkeit. Noch ein größeres Mangel-Gefühl. Sich selbst mangelhaft fühlen, weil man einsam ist. Sich darin bestätigt fühlen, dass die eigene Einsamkeit eine ständige Bestätigung der eigenen Mangelhaftigkeit ist. Sowas mache ich. Denn ich will die Stille nicht hören. Ich will die Einsamkeit nicht hören. Nicht schmecken, nicht sehen, nicht fühlen. Ich will sie übertünchen mit Ablenkung und Hoffnung und etwas neuem.

Ist auch ok. Ich denke, man darf sich von der Einsamkeit ablenken. Aber weg gehen tut sie davon eben nicht. Sie geht nicht davon weg, dass man sie ignoriert und immer wieder leise stellt. Ich glaube, manchmal muss man die Stille hören. Ich glaube, ich will nicht mehr weg rennen. Ich will keine Nachrichten mehr mit Menschen schreiben, ok Männern, die eigentich gar nicht so toll und nett sind, weil ich meine, dass eh nichts besseres kommt oder es so wenigstens ein kleines Gefühl von „Zusammensein“ gibt. Ich will über Einsamkeit reden. Jede*r fühlt sich ab und zu einsam. Viele sehr oft. Viele fast ihr ganzes Leben. Unser ganzes Leben besteht aus Abschnitten, aus Trennungen- kleine oder große. Jobs, Freundschaften, Beziehungen, Städte, Wohnungen, Eltern, der Tod- wir kommen und gehen. Menschen, die viele viele solcher Trennungen durchgemacht haben, fühlen sich vielleicht noch etwas einsamer als andere. Oder Menschen deren Bedürfnisse nicht gesehen wurden. Wir alle sind unterschiedlich einsam. Aber wir sind es alle von zeit zu Zeit.

Vielleicht wären wir auch etwas weniger einsam, wenn wir die Einsamkeit nicht andauernd wegdenken und wegschieben würden. Wenn wir nicht alle immer dazu angehalten wären, ein perfektes Bild von uns zu zeigen, einen Menschen, dem es an nichts mangelt. Der selbstbewusst, stark, unabhängig, nicht bedürftig und immer entspannt ist. Ich bin das alles nicht. Oder nur ein wenig. Aber ich bin bedürftug und abhängig. Genau wie alle anderen Menschen. Ich brauche feste Bindungen, ich brauche Bestätigung und Liebe – in all meinen Beziehungen. Nicht nur romantisch gesprochen jetzt. Ich will nicht mehr unabhängig und niemals einsam sein.

Naja, so habe ich für mich beschlossen, dass ich der Einsamkeit etwas mehr ins Auge sehen möchte. Ich will nicht mehr wegrennen. Ich will da durch. Ich will kein Bild von mir zeichnen. Ich will mich nicht verbiegen und verändern. Ich will bedürftig und mangelhaft sein dürfen. Ich bin ergänzugsbedürftig. Alle Menschen sind ergänzungsbedürftig. Und ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der das ok ist und Perfektion sowie allumfasende Autonomie nicht mehr das Credo sind. Deshalb versuche ich, mich nicht mehr so viel abzulenken, nicht mehr so viel wegzurennen, mehr zu akzeptieren, mich mehr anzunehmen in meinem Mangel, der vielleicht nicht so mangelhaft ist.

Fertig. Ciao. ❤

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2 Gedanken zu „Über Einsamkeit“

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