Da ist doch noch was. Von wegen Liebe und so.

Irgendwie küsst mich momentan niemand, da Quarantäne, aber wenigstens die Muse küsst mich ab und zu. Das will ich gerne nutzen und ein bisschen etwas über meine Beziehungen schreiben und Dating und all den ganzen Kram. Mein Leben lang hab ich mich immer ziemlich dafür nieder gemacht, dass mich diese Themen so interessieren. Dating, Liebe, Beziehungen, Freundschaften. Ich hab den Grund gesucht, warum ich nicht über Biochemie oder etwas klares Sachliches nachdenken kann? Denn das ist doch besser. Emotionales ist doch für das Klischee von irgendwie „Frausein“, oder? Ja, das hab ich immer gedacht, bloß keinem Klischee entsprechen, denn das ist schlecht. Feminst*in sein heißt, stark, unabhängig, cool, tough- dabei weiß ich ja, dass ich das bin, aber eben auch nicht. Dass ich viel weinen und auch traurig sein kann. Aber eben auch sehr fröhlich. Aber ich dachte immer, ich kann nur eins davon sein. Fröhlich und tough z.b. – dann finden die Leute einen cool. Aber naja, in den letzten Jahren und Monaten habe ich rausgefunden (hurrah!) das man sich gar nicht entscheiden muss. Dass fröhlich und traurig sein keine Widersprüche sind, sondern einfach unterschiedliche menschliche Gefühle, die ich in mir vereinen darf. Und dass ich nicht über Biochemie nachdenke, aber über viele Dinge und Politik und allerlei, aber eben auch über Liebe und das das kein Widerspruch ist. Frauen können auch über Marx UND Liebe schreiben.. ok, ich schreibe nicht über Marx, aber ich könnte und alle coolen Dissertations Marx Dudes könnten halt auch eher mal auch über Liebe schreiben und nachdenken. Naja egal. Beim Thema bleiben.

Eh ok, also was hat das jetzt mit Dating, Liebe und sowas zu tun? Ich glaube, das mein Bild von Liebe bzw. das gesellschaftliche mir in meiner Liebe ganz schön geschadet hat. Darüber will ich schreiben. Aber Obacht: Ich bin ja bekanntlich eine Hete (nicht unbedingt freiwillig) und date somit zumeist Cis-Männer (bisher, you never know) und deshalb schreibe ich über diese Erfahrungen. Auch die mit struktureller Männlichkeit (das soll heißen, kein bioloigistischer Quatsch ala Männer haben die und die Chromosomen und können deshalb nicht verbindlich sein oder sie müssen halt jagen, weil eh, wir haben halt Laptops und Drohnen, aber die Steinzeit ist halt noch total präsent), sondern im Sinne von: Wir leben (leider) in einer größtenteils binär (zweigeschlechtlich) eingeteilten Gesellschaft und werden halt in bestimmte Richtungen sozialisiert. Das birgt Probleme. Vor allem für Cis-Männer und für einen selbst, wenn man mit Cis-Männern schlafen und kuscheln und Beziehungen führen will. Natürlich sollte man das alles nicht zu sehr affirmieren, also bejahen, denn dann kommen wir ja nie aus den „Mann“ und „Frau“ Klischees heraus und übergehen immer weiter andere Identitäten, aber gleichzeitig finde ich es wichtig, Strukturen zu benennen, um sie zu verändern. Natürlich kann vieles, das benannt werden soll in allen Beziehungen vorkommen und Verhaltensmuster auch von nicht Cis-Männern angenommen werden. Trotzdem geht es mir um die Bilder und Auswirkungen von männlicher Sozialisation und von Männlichkeit bzw. Verhalten, das sich aus diesem Bild speist.

Immer wenn ich aber etwas kritisches über „Männlichkeit“ poste, schreit ein Instagram Dude: „Ey, ich mach auch schlechte Erfahrungen und leide unter Dating.“ Eh ja, schön, bzw. nicht schön für dich. I am sorry, aber darum gehts halt gerade nicht? Das ist nämlich häufig männliche Fragilität, die erstmal abwehren will, dass man auch etwas falsch machen könnte. Das man auch Opfer ist und nicht Täter. Sorry, überspitzte Wörter. Sagen wir lieber auch „betroffen“. Man will auch gesehen werden. Kann ich verstehen, aber vielleicht nicht jetzt und hier? Vielleicht ist man gerade als Person nicht gemeint? Vielleicht hat man eine gesellschaftlich so privilegierte Stellung, dass man sich kurz mal zurücknehmen kann? Dass man eigenen Orte schafft, in denen man über seine Dating Erfahrungen redet? Das man Frauen und INT* Personen den Raum gibt zu sprechen, ohne zu brüllen? Naja das eine kleine Anmerkung am Rande.

Jetzt geht es aber los mit meinem Liebesleben. Ich habe es euch mal mehr oder weniger chronologisch (ok, eher etwas durcheinander) zusammengefasst:


Ich glaube, dass Liebe eine schwierige Sache ist (ihr dürft mich gern zitieren). Es ist eine komische Mischung aus Erfahrungen, Kindheitsgeschichte, Sozialisation, Gesellschaft, schlimmen Konzepten, Sex, schönen Gefühlen, Disney und so. Alles, was ich über die Liebe weiß, finde ich irgendwie falsch. Dass es den/die/xie eine gibt. Dass es eine blöde Ersatzreligion ist, die abgeschafft gehört. Dass es Magie ist. Dass es nur Hormone sind. Dass es Quatsch ist. Dass es das eine Ziel im Leben ist. Das eine ist mir zu viel und das andere zu wenig.

Als ich jünger war, habe ich nicht an die Liebe geglaubt. Meine Eltern hatten sich früh getrennt, ich war in den schlimmsten Rosenkrieg verwickelt, den man sich als 6-jährige vorstellen kann. Dann hatte meine Mutter einen agressiven Freund und mein Vater eine aggressive Freundin. Oi. Also es war nicht alles schlimm, aber vieles und eine schöne Liebe hab ich nicht so kennengelernt. Deshalb war mir schon mit 7 klar: ich werde nie heiraten. Never! Man lässt sich eh scheiden. Sinnlos.

Als dann mein Vater starb, der meine wichtigste Bezugsperson im Leben war, ging alles in Chaos unter. Ich war zudem 13 und mitten in der Pubertät. Klar, wollte ich auch gern einen Freund. Hat die Bravo mir auch gesagt. Aber ich war auch wirklich schrecklich einsam und wollte gerne eine schöne Beziehung, damit alles wieder schöner wird. Hat leider nicht geklappt. Stattdessen war meine Einführung in die Liebeswelt katastrophal. Ich will gar nicht so sehr darauf eingehen, aber mein erster Freund hat mir mir Schluss gemacht, weil er im Playboy gelesen hat, dass Männer sich irgendwann mit Frauen langweilen und lieber viele geile Frauen sehen wollen, als nur eine. Hallo Liebe. So läuft das also. Nach vielen sehr unangenehmen Begegnungen, habe ich mit 16 beschlossen, nie wieder einen Mann zu küssen, es sei denn, er ist toll und besonders.

Ich habe 3 Jahre niemanden geküsst.

Dann hatte ich meinen ersten richtigen Freund. Nennen wir ihn Herakles (ich dachte ich nehme Namen aus der griechischen Mythologie. Die sind ja ebenso problematisch mit Liebes- und Beziehungsmustern besetzt wie mein Leben). Herakles war richtig cool. Ich kann es nicht anders sagen. Also klar auch n bisschen nervig manchmal hier und da, aber wer ist das nicht. Aber es war einfach. Es war schön. Wir mochten uns beide richtig gern. Wir waren einfach zusammen. Wir haben tagelang am Fluss gelegen, Lagerfeuer gemacht, gekifft, gekocht, gelacht, Sex entdeckt. Es gab keine second guesses. Es gab keine Suche nach jemand besseren. Kein Tinder in der Hosentasche. Ok, das gab es damals auch nicht, aber ich bin mir sicher, wir hätten es nicht benutzt. Wir wollten einander. Wir waren mega verliebt und haben uns irgendwann geliebt und hatten trotzdem noch Freundschaften und Parties und Studium. Ich hab mich nicht in Frage gestellt gefühlt, nicht nicht gut genug (wenn dann nur aufgrund anderer Unsicherheiten, nicht weil er mir das Gefühl gegeben hat) – es war auch da manchmal nicht leicht, ich hatte schwere Depressionen- aber die Beziehung war wirklich ganz kitschig große Liebe. Sodass man manchmal so glücklich war, dass alles geglitzert hat und die Luft gesirrt.

Aber ok, vielleicht kam das auch vom Kiffen. Vielleicht auch von beidem.
Und natürlich mussten wir auch krass an unserer Beziehung arbeiten, an verschiedenen Vorstellungen und Differenzen. Haben gestritten und geweint manchmal, uns gegenseitig in manchen Momenten und Verhaltensweisen scheiße und nervig gefunden. Aber das haben wir eben ausgehandelt und uns sicher darin gefühlt. Wir haben die andere Person nicht bedingungslos (im Sinne von, tu mit mir was du willst) geliebt, aber eben geliebt mit Offenheit und Veränderung und Akzeptanz sowie guter Kritik. Magie war das wahrscheinlich nicht. Aber es hat sich schon auch ab und zu so angefühlt. Halt gemischt mit guter Auseinandersetzung und auch Anstrengung.

Der Nachteil war, dass ich damals noch jung war. Irgendwann habe ich mich abhängig gefühlt, wollte mal andere Männer kennenlernen (lol, hätte ich gewusst, was da auf mich zukommt) und wir hatten auch andere Wünsche für die Zukunft. Also habe ich mich getrennt. Das war die schwerste Zeit in meinem Leben. Ok. Vielleicht die zweitschwerste. Ich hatte sehr sehr schlimme Depressionen, so sehr wie niemals davor oder danach. Es war absolut angsteinflößend und ich wollte es nie noch mal erleben. Nicht noch mal jemanden verlieren. Nicht noch mal jemandem so nah sein. Nicht noch mal so abhängig. Also erstmal raus aus dem Beziehungsleben.

So. Dann hab ich erstmal Sex mit anderen für mich entdeckt und das war wirklich erstmal ganz cool und aufregend. Bis ich gemerkt habe, wie schlecht die Kommunikation ist. Alle sind sich nah und tauschen Körperflüssigkeiten aus, aber ich lernte schnell: Das Wichtigste beim Daten ist: Play it cool! Always. Hauptsache nicht bedürftig oder verletzt sein oder unsicher. Emotional machtvoll ist das Credo. Niemand ist sich emotional nahe. Niemand redet darüber, ob man sich jetzt wohl fühlt, ob man sich wiedersehen will oder nicht. Die Regel ist: Da ist keine Regel. Ob es ein One Night Stand, eine Affäre oder eine Beziehung wird, entscheiden nicht Gespräche, Wünsche, Ideen, Kommunikation und Wohlfühlen oder nicht, sondern..? Ja was sondern? Nichts eigentlich. Man macht halt. Chillen. Chill mal. Also alle haben Sex und Schweigen. Und alle sind wahrscheinlich unsicher. Aber das darf man ja nicht sein. Das ist unsexy. Immer wenn man in einer „lockeren Affäre“ fragen wollte, wie die andere Person sich fühlt, dachte der andere, man sei jetzt voll verknallt und mit verknallen kommen die Ansprüche und blabla. Also könnte man als Frau nicht fragen, was man da gerade macht, ohne mega verknallt zu sein und damit als dumm und anhängig dazustehen. Also besser nicht fragen. Sonst ist man die, die eine Beziehung wollte und der andere nicht. Obwohl man ja eigentlich nur generell mal ne Frage stellen wollte. Ach egal.

Ich möchte dazu sagen, dass das nicht immer überall so ist und nicht bei allen. Ich kann ja auch erstmal nur von meinen Erfahrungen berichten, die eben manche Strukturen erfüllen und nicht alle. Die sich in einem bestimmten Spektrum abspielen und ja auch mit meiner individuellen Sozialisation zu tun haben. Aber hier geht es eben ein bisschen um meine Dating Erfahrung und warum ich denke, warum ich die so gemacht habe. Und ein paar (ok, ich glaub viele) andere eben auch. Ich möchte da nämlich gerne ein bisschen raus. Na mal sehen.

Und damit zu einer weiteren Erfahrung. Ich bin u.a. mit Bridget Jones aufgewachsen, die irgendwie cool und auch super schlimm ist. Oder nicht? Sie will einen Freund. Unbedingt. Sie will aber auch unabhängig und stark sein. Und damit zeigt sich irgendwie schon das ganze Dilemma der datenden Person bzw. Frau. Alles weiblich assoziierte ist schlecht. Romantik, Wünsche, Sehnsucht- nein nein nein. Das ist unattraktiv. Man muss daten wie ein Mann. Das wollen Männer. Keine emotionale Person, die sich kümmert, die da ist, aber auch etwas braucht. Nein, heutzutage ist Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und Stärke alles.

Und ja, das hat sehr sehr gute Aspekte, zugegeben. Z.B. dass man sich als Frau nicht, wie es leider oft passiert, ausnutzen und schlagen lässt, weil man einem Mann verfallen ist oder meint das zu sein oder sein zu müssen. Dass man Beziehungen beenden kann, weil man finanziell und emotional nicht völlig abhängig ist. Aber bedarf es dazu wirklich einer Absage an Emotionalität und Verletzlichkeit, an den Glauben an etwas Besonderes zwischen Menschen? Vielleicht ist Bridget Jones gar nicht so blöd, sondern darf sich nach Liebe sehen. Vielleicht ist nur unsere Ansicht, dass eine 32 jährige Frau mit einem Job in den Medien, einer coolen Wohnung in London und witzigen Freund*innen nur deswegen plötzlich ein tragischer Fall ist, weil sie sich nach romantischer Liebe sehnt irgendwie fehlgeleitet? Und vielleicht meint man, Bridget ist ein tragischer Fall bzw. wird als solcher gesehen, weil sie keine Beziehung hat. Aber ich habe es immer so gelesen, dass sie in ihrer Sehnsucht tragisch ist. Alleine und tough wäre alles gut. Mit Dude auch. Aber sich alleine sehnen. Tragisch! Peinlich! Ohoh! Aber vielleicht ist Bridget eben beides. Eine Frau, die Liebe will UND cool und stark ist. Vielleicht ist das kein Ausschluss? Vielleicht geht nicht nur entweder oder. Vielleicht können Menschen, auch feministische Menschen cool und nett und witzig und stark sein und sich nicht darüber definieren, ob sie eine Beziehung wollen oder nicht. Vielleicht habt ihr das nicht so erfahren. Das wäre gut. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass die needy/bedürftige Frau das schlimmste auf der Welt ist. Aber ist es nicht viel schlimmer, dass man nur nach diesem einen Aspekt definiert wird? Dass wie bei Bridget alles andere uninteressant wird. Ist das Problem nicht der Wunsch nach einer schönen Beziehung, sondern die Reduktion ihres Charakters auf diesen Wunsch? Dass dieser Wunsch nicht EIN Wunsch sein darf, sondern DER alles entscheidende Wunsch ist. Für mich war es immer so, dass ich mich auch so gefühlt habe. Ich will eine schöne Beziehung, aber ich DARF nicht, weil dann bin ich nicht mehr als eine needy Frau und das soll man nicht sein, weil das wollen Männer nicht. Dann bekommen sie Angst, dass sie commiten müssten und das wollen sie nicht, deshalb muss man tricksen und unabhängig wirken. Merkt ihr den Salat?

Ich habe mir diesen Salat lange angeeignet. Ich will viele sexuelle Partner und dabei cool sein und abgebrüht. Denn das ist attraktiv und dann hab ich eine Beziehung. Hä? Warum hab ich mich so selbst verleugnet? Achso, wegen Gesellschaftlichen Vorstellungen von bloß nie schwachen Frauen. Und Emotionen sind gleich Schwach. Ganz vergessen.
Also bloß nie Bridget sein. Und in einem Sinne ist das ja auch richtig. Ich will niemand sein, die ihr Glück von einem Mann abhängig macht. Aber ich will auch nicht meine Wünsche verleugnen. Ich will einfach gat nicht, dass der Wunsch nach einer Beziehung oder nicht oder was für eine Beziehung ich führe, mich als gesamten Menschen definiert oder mein Hauptmerkmal sein soll bzw. das Parameter dafür, wie cool oder uncool ich bin.
Naja egal. Zurück zu meinem Life.

Wie ihr vielleicht gemerkt habt, wollte ich dann doch eine Beziehung irgendwann wieder. Aber irgendwie auch anders und nicht so eng. Denn ich hatte mir ganz schön hart angeeignet, dass das nichts gutes ist, wenn ich eine enge Bindung will. Das kam von außen. Außerdem wollte ich mich vielleicht auch selbst schützen, weitere enge Menschen in meinem Leben und damit eine gewisse Kontrolle zu verlieren. Was ich damit zeigen will, unser Liebesleben ist eben ein bisschen außen und innen. Ein bisschen, was wir erfahren und dass was wir meinen sein zu müssen und hoffentlich natürlich auch das, was wir wollen, wenn wir darüber nachdenken. Vielleicht ist das auch alles nur außen, aber was weiß ich. So schlau bin ich dann vielleicht auch nicht, um das jetzt so zu beantworten. Es gibt halt individuelle Komponenten. Und ne ganze Mensche Sozialisation. Aber ich schweife schon wieder ab.

Für den Master bin ich in eine neue Stadt und habe es mal mit einer offenen Beziehung probiert. Bin nämlich so ganz in eine kleine linke Szene gekommen, was schön war im Bezug auf Politisierung, Körperbilder, Umdenken, Gesellschaftskritik etc., aber für mein Liebesleben dann doch eben so…naja. Denn wenn es irgendwo alle „cool playen“ wollen (sorry not sorry für die beschissenen Anglizismen), dann in der linken Szene. Wenn man irgendwo nicht bedürftig sein darf, dann dort.
Und irgendwie fing es dann an mit einer Reihe Männer, die vor allem folgende Dinge sagten:

Apollon: „Also wenn du eine feste Bindung willst, hast du wahrscheinlich zu viel Disney geschaut.

Hermes: „Also wenn wir eine Beziehung eingehen, dann nur offen.

Zeus: „Schau mal, die dahinten, die sieht richtig gut aus.

Dyonysos: „Also am Anfang fand ich dich total cool, als du dich nie zurück gemeldet hast, weil du gar kein Interesse hattest. Aber jetzt, wo du dich für mich interessiert, wirkst du irgendwie so bedürftig.“

Okay, das hat Dyonisos nicht gesagt. Aber gedacht und in seinem Verhalten ausgedrückt. Mit Dyonisos hatte ich die offene Beziehung. Und ich habe wirklich nichts gegen offene Beziehungskonzepte, aber ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass man damit oft (und das tun viele nicht, aber viele eben doch) Verantwortung abgeben will und Bindung eben nur so halb zulässt. Dass man nicht daran arbeiten will und immer offen für etwas Aufregenderes bleibt. Das versteckt man aber unter Phrasen wie: „Ich kann ja keinen Anspruch auf einen Körper erheben. Ich finde das politisch richtig.“ Ich z.B. finde es ja politisch richtig, gut miteinander umzugehen, egal in welcher Beziehungsform und Verantwortung zu übernehmen und Dinge gemeinsam auszuhandeln, aber ok.

Dyonisos also so: „eh cool, offene Beziehung und so.“ Irgendwann mochte ich ihn aber ganz gerne und habe gesagt: „Hey du Dy. Ich fühle mich gerade etwas unsicher. Können wir erstmal nicht mit anderen schlafen.“ „Klar.„, sagt Dyonisos und schläft ZWEI Tage später mit einer anderen. Das war ziemlich scheiße. Trotzdem dachte ich, ich müsste damit umgehen, da ich in den letzten Jahren gelernt hatte, dass alle offene Beziehungen führen und man keine Anspruch auf jemanden erheben darf und ich ja, wie gesagt, nicht Bridget sein darf. Ich wollte ja keine schwache Frau sein. Sondern eine starke. Und genau das hat mich dann „schwach“ gemacht. Dass ich dachte stärke heißt, emotionale Unabhängigkeit und nicht auf sich aufpassen und seine Wünsche anerkennen. Ich wurde „schwach“, in dem Sinne, dass ich in Beziehungen blieb, die mir nicht gut taten, weil ich dachte, ich müsste alles ertragen, denn das sei stark bzw. unabhängig. Mit jemandem zusammen sein und der kann alles machen und ich bin voll krass unabhängig. Haha, sicher.

Naja jedenfalls ging das dann nicht mehr lange mit der offenen Beziehung und ich traf andere und die sagten Sachen wie:

Pan: „Ich will nicht dein Freund sein, aber ich komme jeden Tag vorbei und hänge bei dir ab und wir kuscheln ja?

Achilles: „Boah, die Kellner*in ist richtig scharf.

Menelaos: „Also was stimmt denn bei dir nicht, dass du eine Beziehung willst? Das ist doch pathologisch.

Menelaos wurde dann, nach Pan, mit dem ich ein Jahr kuschelte, ohne dass er mein Freund wurde und ich dachte, das muss ich aushalten, mein nächster wirklicher  Freund. Also nach langer Diskussion durfte ich ihn so nenen, denn er fand den Terminus natürlich total peinlich und dumm. Denn wie alle anderen wollte Menelaos eigentlich keine Beziehung. Oder nur manchmal. Irgendwie ja doch. Aber so unabhängig eben. Nach ewigen Diskussionen musste die Beziehung dann auch nicht offen sein. Das wollte er eigentlich eh nicht. Aber irgendwie doch. Aber eigentlich nicht. Aber viel über andere Frauen reden und ihnen nachsehen und sich fragen, was er geil findet. Wie Achilles, Pan, Zeus und die anderen wollte er in emotionaler Unabhängigkeit bleiben. Denn meiner Meinung nach, und ich denke ich habe recht, sind all die oberen Sätze Platzhalter für: „Ich möchte keine enge Bindung zu dir. Ich will dich weg stoßen, damit du mir nicht zu nahe kommst. Ich will dich etwas abwerten, damit meine Autonomie nicht in durch dich in Frage gestellt wird. Deshalb sage ich dir ganz laut, dass die Kellner*in sehr gut aussieht. Damit du nicht denkst, wir hätten jetzt eine Bindung. Eigentlich ist mir die Kellner*in aber egal.

Dazu muss man sagen, dass Menelaos auch sehr nett sein konnte und schlau und liebevoll. Und wir tolle Gespräche und schöne Tage hatten. Ganz blöd bin ich ja auch nicht. Das ist schon alles immer gemischt mit schönen Sachen. Sehr schönen auch. Aber eben auch schlimmen, die ich dann ertrage, weil ich denke, Menelaos hat schon recht. Abhängige Frauen, die es noch nicht mal aushalten, dass der andere andere schön findet und sich binden wollen, whaaaa. Dabei finde ich es gar nicht schlimm, wenn jemand andere schön findet- nur wenn er das sagt, um Abstand zu mir herzustellen und mir aufzuzeigen, wie emotional ich bin und wie viel Abstand gut ist. Um mir wehzutun, oder obwohl es mir weh tut, es immer wieder zu machen. Ja blöd. Und Bindung finde ich eigentlich auch gut. Aber Menelaos hat gesagt, das ist pathologisch. Das hab ich ein bisschen geglaubt, weil ich ja gelernt hatte, dass man keine Bridget sein darf und das meine Tendenz dazu etwas schlechtes ist. Also habe ich mich zwei Jahre lang pathologisiert und mich gefragt, warum es mir nicht gut damit geht, dass Menelaos sich einfach ohne Absprache Tinder runter lädt und mir sagt, ich soll mich nicht so anstellen, wenn mich das wütend oder traurig macht, warum ich es nicht gut aushalte, dass er ständig nach Jobs in anderen Städten sucht und sich weigert darüber zu reden, was wir dann machen würden oder wie wir das machen würden, habe aufgezählt, was für schlimme Erfahrungen ich gemacht habe und meinen Bindugswunsch zu rechtfertigen, habe mir angehört, dass Liebe random ist und ich auch.
Denn das hat Menelaos oft gesagt: „Ob ich mit dir zusammen bin oder jemand anderem ist random, also zufällig. Es gibt sicher jemand besseres.“

Und ein bisschen hat er damit natürlich recht. Ich glaube nicht ans Schicksal und wenn wir uns nicht getroffen hätten, hätten wir sicher beide jemand anderes getroffen. Worin er aber Unrecht hat ist, dass man sich mit einer Entscheidung für jemanden, mit Gefühlen für jemanden und einem gemeinsamen Beziehungsraum Erfahrungen doch zu eigen und damit besonders machen kann. Dass es nicht mehr zufällig ist, wenn man mit jemandem zusammen bleibt, wenn man sich immer mehr kennenlernt, Beziehungsarbeit macht und sich wohl miteinander fühlt und vielleicht ein bisschen glücklich ist. Vielleicht gäbe es auch jemand „besseres“. Was auch immer das heißen mag. Vielleicht gäbe es auch einfach nur andere. Na und? Deshalb ist es doch nicht unbesonders. Zufälliges kennenlernen, ja. Zufälliges Beziehungsführen…eh nein. Menelaos hatte, glaube ich, sehr große Angst vor seinen Gefühlen, vor Machtlosigkeit oder Aufgabe der eigenen Autonomie und vor Verantwortung und Bindung. Kann ich auch verstehen, haben wir alle.
Was ich nicht verstehen kann ist, dass man als Mann in vielen Fällen (nicht in allen, ich sage ja, ich spreche von meinen eigenen Erfahrungen) nicht versucht, daran zu arbeiten und irgendwie zu sehen, dass es nicht cool ist, immer die emotionale Macht haben zu wollen. Immer überlegen zu sein. Dass das nichts mit Gleichberechtigung zu tun hat. Wenn man keine Bindung haben will. Ok. Kein Problem. Aber andere dafür abwerten, dass sie es wollen. Nein. Also klar, bringt einem das Vorteile, die Macht zu haben, aber ich spreche ja jetzt nicht von irgendwelchen Männern, sondern von welchen mit sozialen und politischen Ansprüchen, die sich auch als „Feministen“ und machtkritisch bezeichnen. Unsere Beziehung ist random, heißt eben auch: Ich lasse nicht zu, dass du besonders bist. Aber ist es nicht Liebe, jemanden als besonderes Individuum zu empfinden? Und kann man nicht jemanden als besonders empfinden, auch wenn die Begegnung zufällig ist? Ich meine das will doch niemand von irgendwem hören:

Oder?

Naja naja, keine Ahnung. Ich habe jedenfalls dann doch irgendwann ein bisschen verstanden, dass ich mir Liebe wünschen darf und dass es einen Unterschied zwischen einer völlig abhängigen Person ohne eigenen Willen und dem Wunsch nach Liebe gibt. Dass ich deshalb nicht pathologisch und komisch bin, sondern dass es total ok ist, sich Nähe und Verbindlichkeit zu wünschen. Dass ich nicht schwach bin, wenn ich nicht ewig mit Menelaos in einer so halb Beziehung rumeiern, sondern mehr will. Also hab ich mich mal getrennt und das war traurig, weil n bisschen schön wars ja auch mit Menelaos, aber trotzdem dachte ich: Puh, ich steh mehr zu meinen Wünschen. Jetzt wird es besser.
Das hat sich bisher noch nicht so ganz bewahrheitet leider, aber ich hoffe das Beste 🙂

Seitdem habe ich zumindest die Erkenntnis gemacht, dass mir mein „ich muss eine starke emotional unabhängige Frau sein“ ziemlich im Weg steht. Dass ich dadurch nicht kommuniziere was ich will. Weil ich es mir ja selbst nicht eingestehe. Wenn ich den ganzen Dudes sage, jaja, nee ich bin cool, ich will keine Beziehung, ist es ja klar, dass ich keinen bekomme, der eine will. Gleichzeitig ist es auch logisch, dass ich das gemacht habe, in dem Sinne, das ich gelernt habe, dass Typen weg sind, wenn man ehrlich ist.

Zum Glück habe ich mittlerweile gelernt, dass es eben nicht nur starke Frau ohne Beziehungswunsch oder schwache Frau, die sich aufopfert gibt, sondern, dass ich cool und nicht irgendwie peinlich bin, wenn ich eine, und zwar keine offene Beziehung will. Dass ich auch wieder lernen will, jemandem nahe zu sein. So richtig. Nicht so halb. Dass mich das nicht definiert. Dass mich das nicht total abhängig macht und ein Typ, der das blöd findet, vielleicht nicht der ist, den ich möchte. Ich habe also gelernt, meine Wünsche zu kommunizieren. Und gemerkt, wie kontraproduktiv es war, „falsche Signale“ zu senden, die sagen, ey ich brauch gar nichts. Dann bekommt man Leute, die auch nichts geben wollen. Verdammt.

Ich habe dann letztens noch Orpheus kennengelernt und dachte, ich sei jetzt voll geil aus meinem Muster ausgebrochen. Aber Orpheus sagte dann doch auch so Sachen wie:
Ich finde dich so schön und cool, aber ich brauch Zeit. Lass einfach mal chillen und gucken, was passiert. Ich würde dich gerne kennenlernen, aber eigentlich habe ich nie Zeit.

War dann doch nicht so ein Fortschritt wie ich dachte, aber immerhin habe ich von Anfang an kommuniziert, was ich eigentlich will und mich dadurch nicht abhängig gefühlt. Oder peinlich. Hab ja gelernt, das meine Wünsche auch ok und nicht dumm weiblich sind, ha! Deshalb konnte ich das dann schnell lassen und bin nicht wieder zwei Jahre mit Orpheus rumgeeiert.

Aber kommen wir langsam zum Schluss. Warum schreibe ich das alles ins Internet? Narzismus? Bestimmt! Aber auch, weil ich denke, dass es auch im Feminismus ein bisschen an Liebe fehlt…egal in welcher Beziehungsform. Also es fehlt an der Möglichkeit, nicht badass zu sein und alle Männer (ggf.) nur zu konsumieren, sondern Bindung zuzulassen, ohne dass man unbedingt Ehe will (auch ok ggf.) oder als schwach und peinlich gilt. Dass das Bild, das wir im Feminismus zeichnen auch oft sehr neoliberal ist. Dass es an Romantik fehlt. An Hingabe. Dass Typen, die sich als Feministen bezeichnen, ihre emotionale Macht etwas aufgeben und auch da für Gleichberechtigung kämpfen müssten. Und wenn wir uns nicht lieben wollen, dann sollten wir vielleicht wenigstens liebevoll kommunizeren lernen.

Darüber habe ich mich mit meiner schönen klugen Freundin Hestia unterhalten, die das Wort Hingabe und vielleicht auch Romantik da kritischer sieht. Denn auch das bringt uns in schwierige Strukturen. Strukturen von „weiblicher“ Abhängigkeit und Ergebenheit. Deshalb hat es sich ja auch gelohnt das Bild der Badass Bitch zu entwerfen, die das alle nicht braucht. Hingabe sieht sie als Gefahr, dass man in schlimmen Beziehungen bleibt, weil man dem Gefühl, dass man Zusammengehört zu viel Raum gibt, auch wenn alles scheiße ist. Dem stimme ich total zu. Verknalltheit oder Gefühle zueinander sind kein Parameter für gute Beziehungen oder kein Grund, zusammenzubleiben. Der Raum der Beziehungsgestaltung bringt vielleicht erst Liebe hervor. Nicht die Verknalltheit. Weniger romantische Vorstellungen von Liebe sind sinnvoller, weil sie sicherer sind, wenn es um Abuse (Missbrauch ist kein gutes Wort, deshalb wieder Anglizimsus) geht, weil sie vielleicht zu den besseren Beziehungen führen. Manchmal aber auch zu den schlechteren. In denen Emotionalität als falsch gilt und man sich weigert, sich einzulassen und damit auch machtvoll und vielleicht abusive wird. Weil man ständig abwertend der anderen Person über wird und jedes Gefühl negiert.

Einig waren wir uns darin, dass es nicht den Entwurf der extremen Abhängigkeit, noch den der extremen Unabhängigkeit braucht. Dass Liebe vielleicht random anfängt, aber mit der Entscheidung bzw. der Arbeit an der Beziehung entsteht. Der Auseinandersetzung mit der anderen Person und sich. Wie man wo in Zusammenhang stehen will und wie nicht. Uneinig waren wir uns darüber, was verknallt sein und Hingabe bedeuten. 
Hingabe klingt nach Aufgabe des Selbst und einer romantischen Idee, die zu Problemen führt. Aber in meinen Augen kann es auch heißen, dass man keine emotionale Macht oder Überlegenheit behalten will, indem man die andere Person ständig abwehrt. Dass man ein bisschen Irrationalität und mega schöne Gefühle zulässt. Dass man nicht tough sein will und cool und abgeklärt. Dass man sich seiner Verletzlichkeit der anderen Person gegenüber hingeben kann. Und zwar nicht so, dass das alles bedeutet. Dass die Liebe alles bedeutet. Aber das sie eben irgendwie noch irgendwas bedeutet.

Und verknallt sein heißt bestimmt nicht, dass man mit dieser Person schicksalshaft zusammengehört. Ehrlich. Manchmal verknallt man sich in die größten Idioten. Da verstehe ich die Kritik an der Romantik und dem „sich verknallen“.

@studiosoriginals

Naja, aber wo ist jetzt der Punkt zu dem ich kommen will? Meine Erfahrung war in den letzten Jahren, dass ich mir durch die Haltung, dass es keine Romantik geben darf und man sehr sehr sehr sehr unabhängig sein muss, viel verbaut und mich auf blöde Dinge eingelassen, in denen ich mich sehr abhängig gefühlt habe, nicht so generell, gar nicht, aber von der Bestätigung, die eben nur so manchmal ein bisschen kam. Und dass viele, die ewig cool und unabhängig sein wollen und jedem sich verknallen mit: „hä? wir haben doch nur so n bisschen Spaß, lass mich“ begegnen, sich halt vielleicht auch manchmal die Chance auf eine schöne Beziehung kaputt machen. Und manche wollen gar keine voll ok- aber dann habt vielleicht was mit Leuten die auch keine wollen? Aber manche wollen ebene doch eine, wollen dem schönen Gefühl gegenüber der anderen Person aber nicht nachgeben, weil Machtverlust und so. Und da wünsche ich mir dann manchmal, dass jemand in so einer Situation dem Gefühl mal wieder nachgeben kann und z.B. einer wieder vor einem steht, nennen wir ihn Hades, der sagt:

Ich glaub, meine Männlichkeit ist gar nicht gefährdet, wenn ich dich jetzt für ein paar Jahre oder immer mega gut finde und momentan nicht allzuoft an die schöne Kellner*in denke oder mal irgendwann liebevoll in Zukunft darüber mit dir rede, wie das mit anderen ist. Denn mir ist eingefallen, da gab es ja noch was neben meiner überlegenen Coolness. Von wegen Liebe und so.“

Also Vernunft, ja. Trennen, ja. Verschiedene Beziehungsformen, ja. Hingabe nur als Aspekt in einer Beziehung, die gelingt, in dem sich die Beteiligten miteinander auseinandersetzen und nicht als Aufgabe des selbst für eine andere Person, ok. Sicherheit, ja. Keine Beziehung haben, auch gut. Nur Sex mit guter Kommunikation, prima.

Aber ein bisschen wollte ich diesen Artikel schreiben, weil ich das uncool sein und das sich verlieben vermisse.

Ja. Das wars ❤ Fertig.

@foxadhd

Quellen/Inspiration:

Liv Strömquist, Ich fühls nicht. Avant Verlag, 2020 (unbedingt lesen!!!)

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10 Gedanken zu „Da ist doch noch was. Von wegen Liebe und so.“

  1. Danke!!!! Diesen Artikel habe ich gebraucht!! Ich erkenne langsam auch, dass alles aushalten nicht die beste Superkraft ist und nicht gleichzusetzen mit Stärke ist. Sondern Stärke auch sein kann, seine Grenzen aufzuzeigen, sich zu öffnen, verletzlich zu sein, die eignen Bedürfnisse anzuerkennen und manchmal tut das dann auch einfach weh. Aber da ist man dann nicht schwach und wenn die andere Person einen für übertrieben hält, weil man sagt: sorry, ich habe Gefühle für dich und ertrage den platonischen Kontakt gerade nicht mehr. Dann ist das so. Meine Gefühle und Bedürfnisse sind nicht schwach oder uncool.
    Also nochmal DANKE!!!

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  2. Oh das ist ein schöner Text! So viel nettes sich Eingestehen und Erkennen von Idealen, die sich gegen die eigenen Bedürfnisse stellen ist ganz ganz schlau. Mich nervt sowieso auch dass ich so lange dachte Stärke ist unberührt von Personen und Gefühlen zu bleiben, aber so ganz habe ich auch noch nicht herausgefunden wie ich das ablegen kann. Also wie lasse ich es wieder zu Kontrolle abzugeben, ich weiß es nicht.
    Sei gegrüßt und ich hoffe du verstehst es als Kompliment, dieser Text hat auch uncool credits verdient!!!!

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    1. Sehr sehr schöner Text! Ich dachte immer ich wäre die einzige mit diesen Erfahrungen…Als ich mit dem Daten anfing wollte ich so gerne eine schöne romantische Beziehung. Aber die Männer wollten das leider nicht.
      Also dachte ich, ok, dann tue ich jetzt so als ob ich das eigentlich auch nicht mehr will. Ist ja auch echt uncool und unnötig. So eine Beziehung.

      Aber – es machte mich natürlich nicht glücklich.
      Ich bin jetzt seit 9 Jahren in einer Beziehung, die seit einem halben Jahr offen ist ( ich wollte das so). Aber davor brauchte ich die Exklusivität.
      Just my little story 🙂

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  3. Ich habe sehr ähnliche, wenn nicht sogar ziemlich exakt dieselben Erfahrungen gemacht (auch mit linken cis-Männern) und bin auch ungefähr in deinem Alter. Und mich beschäftigen diese Gedanken genauso. Ich kann mir mittlerweile gar nicht mehr vorstellen, dass es irgendwann in absehbarer Zeit mal wieder eine feste Beziehung für mich gibt. Muss mir das Vertrauen da mühevoll wieder aufbauen.
    Alles, was du schreibst, hat sehr viel von dem neuen Buch vom Liv Strömqist, das du vielleicht sowieso schon kennst. Wenn nicht: kann ich nur empfehlen! Kritischer und auch liebevoller Umgang mit „badass-Feminismus“, der zur emotionalen Distanzierung (als Nachahmung des „männlichen Prinzips“) aufruft und der (neuen) männlichen Macht in Beziehungen über den Weg des emotionalen Distanziert-Seins. Oder auch Illouz‘ „Warum Liebe endet“.

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    1. Witzig, hab beim Lesen auch an das Buch von Liv Strömqist gedacht (liegt hier auch gerade rum) und konnte beim Lesen auch ganz gut über einige Erfahrungen von mir nachdenken.
      “ politisch richtig, gut miteinander umzugehen, egal in welcher Beziehungsform und Verantwortung zu übernehmen und Dinge gemeinsam auszuhandeln“ ist auf jeden Fall wichtig! Ich hab für mich festgestellt, dass ich wieder in den härteren Modus zurückgerutscht bin und nicht so richtig auf Menschen eingehen kann, jedenfalls nicht in Richtung Verliebtsein im Moment..
      Jedenfalls kommentiere ich hier zum ersten Mal und wollte auch mal Grüße dalassen. Ich les deine Texte echt gerne 🙂 *A

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      1. Man muss sich ja auch gar nicht verlieben. Aber dann kann man vllt cool kommunizieren und so?! 🙂 Ja ich verlinke das Buch mal noch. Hab es nach dem Lesen geschrieben, weil es so so gut war.

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  4. Vielen Dank für diesen Text. Ich habe sooo ähnliche Erfahrungen mit cis-Männern gesammelt. Ständig bekam ich zu hören, ich sei zu anhänglich, so dass ich mich immer zu Distanz gezwungen habe und meine Gefühle ausschalten wollte. Bloß keine feste Beziehung, schön unkompliziert und ohne Ansprüche.. diese Denkmuster abzulegen kostet viel Kraft.

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