Listen to this!

Vor einigen Wochen hat mich Yasmin Sidibe angeschrieben, da sie ihre erste EP rausgebracht hat. Gerne wollte ich sie unterstützen und ein Interview machen. Nun haben wir es endlich geschafft, miteinader zu sprechen und ihr könnt in ihre Musik reinhören sowie ihre schönen Worte lesen.

❤ 🙂

(Werbung / unbeauftragt / unbezahlt / just support!)

1. Du hast deine erste EP rausgebracht. Herzlichen Glückwunsch :)! Wie kamst du zur Musik?
Vielen Dank. Meine Geschichte ist tatsächlich recht unspektakulär. Ich entdeckte mit 4 Jahren die wundervolle Beyoncé im Fernsehen mit ihrer Gruppe Destiny’s Child und tanzte unentwegt sobald ich ihre Stimme hörte. Dadurch entschied ich mich felsenfest Sängerin und Tänzerin werden zu wollen. Bis jetzt habe ich diesen Wunsch nicht einmal hinterfragt. 
(Das Tanzen bleibt aber einfach nur Hobby im Wohnzimmer haha)
2. Wie würdest du deine Musik beschreiben?
Wenn ich sie im bildlichen Sinne beschreiben würde, dann würde ich von einem wolkigen, dumpfen, weiß-blauen Sound sprechen, der sich undefiniert durch verschiedene Genre bewegt. Damit kann wahrscheinlich keiner etwas anfangen. 😀
3. Worum geht es in deinen Texten? Hast du eine „Message“?
Die Message lautet Liebe, Dankbarkeit und Hoffnung. Meiner Meinung nach die Kernelemente unseres unverblümten Seins.
4. Als ich dich gegoogelt habe, habe ich gesehen, dass du mal bei „The Voice“ mitgemacht hast. Ich kenne das Format gar nicht so sehr- magst du von deiner Erfahrung erzählen?
Die Erfahrung bei The Voice war sehr intensiv. Es war 2016 und ich gerade zwischen 18 und 19 Jahren. Auf der Suche nach meinem Platz in der Musikwelt. The Voice war ein intensives mit sich selbst auseinander setzen und was man will und was nicht. So sehe ich es jedenfalls in der Retrospektive. Ich habe viele wundervolle Menschen kennengelernt, ich konnte einen kurzen Einblick in die Popwelt erhaschen und was es heißt in einer Show “mitzuspielen“. Und ich lernte nach dem Halbfinale, bei dem ich ausschied, was auch Konkurrenzverhalten mit dir machen kann und in meinem Musikstudium mich von dem zu entfernen. Im Großen und Ganzen also ziemlich intensive Höhen und Tiefen. 
5. Wen möchtest du mit deiner Musik besonders gern erreichen ?
Alle. Alle die sich in der Musik und dem was ich sage wiederfinden können. Alle die sich trauen auch negative Gefühle in ihren Körper zuzulassen, um sie zu verarbeiten. Alle die glauben, dass Gleichberechtigung nicht verhandelbar ist. Alle die keine Lust haben ständig gegen Andere zu konkurrieren, weil sie denken nur so können sie ihren Wohlstand behalten. Alle die einfach nur Frieden wünschen.
6. Mit dieser Frage- da bin ich mir ein bisschen unsicher, aber da ich ja immer versuche feministisch und auch rassismuskritisch zu arbeiten, wollte ich noch fragen, wie es für dich als junge Frau und auch als BIPOC* in der Musikindustrie ist? Also ob du da spezifische Erfahrungen machst etc. Wenn die Frage aber irgendwie blöd oder unangemessen ist, sag sehr gern Bescheid. 
Da ich ja nicht wirklich Teil der Musik-“Industrie“ bin – sprich in keinem großen oder kleinen Label unter Vertrag stehe -, kann ich hier sehr schwer von mir unter diesem Aspekt reden. Und ich denke wenn ich nur von mir und Alltagsrassismen rede, trage ich zu dem großen Thema nicht viel bei. 
Da ich im wunderschönen multikulturellen Frankfurt aufgewachsen bin, habe ich so gut wie keine öffentlichen Beleidigungen oder Ausgrenzungen erlebt. Dennoch bin ich mir bewusst, dass das nicht die Mehrheit in Deutschland betrifft und ich meide auch gewählt einige Städte und Orte an denen ich weiß, dass ich wegen meinem dunkleren Hautton nicht sofort akzeptiert werde. 
Um zurück zur Musik zu kommen, habe ich mich mit einigen Musikfiguren und Businessmenschen unterhalten über das Thema “Image“. Und was in mir starke Ablehnung erzeugt, ist dass ich meistens Kommentare bekomme wie: “Als Frau MUSST du eben ein bisschen mehr zeigen und mit deinen Reizen spielen.“ , “Deine Afro-haare müssen bei jeder Show ordentlich sein.“, “Wir Schwarzen haben es in der deutschen Musikindustrie eben nicht einfach. Vor allem wenn du keine Popmusik machst.“., “Wenn du wirklich erfolgreich sein willst, dann musst du halt erst mal machen was dir dein Label sagt und auch mitmachen wenn sie fordern, dass du ein enges Höschen trägst und vor der Kamera tanzt. Glaubst du die großen Stars haben am Anfang immer gemacht was sie wollten?“.
 Und In allem hört man heraus: Pass dich an.
Und ich glaube genau da ist der Haken. Jeder sollte frei entscheiden wie er sich als Künstler/-in bzw. Mensch kleiden und äußern möchte. Wenn ich ein enganliegendes Kleid tragen möchte aus mir selbst heraus, dann ist das für mich genauso legitim, wie wenn ich mit Jogginghose und größeren Shirt aus dem Haus gehe und meine Afrohaare von Natur aus eben nicht in Dauerdefinition bleiben. 
Genau das hält uns Frauen immer klein uns selbst in unserer reinen Form auszudrücken, als Frau mit dunkleren Hautton, sich als Deutsche zu fühlen, wenn man immer darauf aufmerksam gemacht wird, irgendwie doch anders zu sein und von Menschen mit meinem Hautton oder dunkleren gesagt bekommt, wie schwer man es auf seinem Weg haben wird. Es stellt einen in eine Opferrolle, die dafür sorgt, dass Menschen nicht mehr Vorbilder sein können für etwas Neues, weil sie zu viel Angst haben herauszustechen.
Ich würde mir wünschen, dass man gleichzeitig bei sich selbst die Selbstliebe entwickelt, um sich nicht bei jedem Kommentar ausgegrenzt und zurückgestoßen zu fühlen, und gleichzeitig, dass die Menschen die diese Kommentare von sich geben, nochmal in sich gehen und schauen wer sie eigentlich wirklich sind, was sie sich wünschen und worum es ihnen wirklich geht.
7. Und am allerwichtigsten- wo kann man dich hören? Wie kann man dich unterstützen?
Man kann mich überall finden unter ‚Yasmin Sidibe‘. Sehr gerne könnt ihr mich auf Spotify, Deezer, iTunes, Youtube usw.. unterstützen und um mehr von mir als Person zu sehen, findet ihr mich auch auf Instagram und Facebook. 🙂
8. Möchtest du noch etwas sagen?
Liebe. Und mit Liebe kommt Verständnis
Danke für das Interview, liebe Yasmin. Viel Erfolg :)<3

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s