Non-heteronormative Befruchtung?!

Letztens habe ich mich beruflich über Befruchtung unterhalten. Ja! Und da wurde ich darauf aufmerksam gemacht, wie auch körperliche Vorgänge heteronormativ (und mega sexistisch!) erklärt werden. Heternonormativ meint eine gesetzte Normalität, in der es nur Mann und Frau (mit bestimmten Eigenschaften) sowie hetero-Begehren gibt. Da habe ich mich mal zurück erinnert, wie mir die Befruchtung durch Bücher und Filme als Kind erklärt wurde. Da fielen mir als erstes Bilder ein, die die Spermien zeigten, die ein Wettrennen machen, um in die Eizelle einzudringen. Aktive männliche Spermien also, die in die passive Weiblichkeit eindringen. Zack boom, Geschlechterklischee fängt schon im Körper an. Und klar, die Spermien könnten auch weiblich sein, aber sie kommen eben vom Mann und werden damit schon meist als männlich dargestellt. Hier ein kleines Beispiel vom Kinderkanal:

Bernd, Willie und die anderen (genau, männlichen) Samenzellen müssen ganz viel trainieren, um die anderen Samen auszustechen und gegen sie zu gewinnen. Gewinnen können sie einen Preis. Der Preis ist die Eizelle. Aha. Das Ei ist übrigens hübsch und weich. So wie die Frau Braun?! Oi.

Es geht aber noch besser. Ja wirklich! Wer ein bisschen älter ist (oder auch nicht, keine Ahnung ehrlich gesagt), erinnert sich vielleicht noch an Es war einmal das Leben. Ich habe da ganz schöne Erinnerungen dran, aber war dann von dem folgenden Video doch relativ geschockt:

Nicht nur, dass die nicht-mehr-Steinzeit-Frau! erstmal äußerlich vom männlichen Sprecher kommentiert werden muss, nein auch die Spermien müssen hier wieder den Preis gewinnen. Zudem sehen sie aus wie coole Roboter-Laser-Boys (was das eigentlich sein soll, weiß ich auch nicht), die sich den Weg zur Eizelle frei schießen. Ist klar. Dann werden noch ein paar rassistische weiß-männliche Überlegenheitsreferenzen angehängt- die Spermien sind wie Kolumbus (falls ihr nachlesen wollt, warum Kolumbus keine gute Referenz ist, lest mal hier in den Highlights: https://www.instagram.com/wirmuesstenmalreden/ oder hier: https://www.freitag.de/autoren/jakob-reimann-justicenow/der-kolumbus-tag-gehoert-endlich-abgeschafft). Die Chromosomen tragen dann Zylinder (männlich) oder klimpern mit den Wimpern (weiblich). Was lerne ich beim Gucken also? Befruchtung ist männlich, also vom vermeintlich Männlichen ausgehend – von Schnelligkeit, Stärke, Wettbewerb.

Leider sind auch die aktuellen Beispiele nicht viel besser.

Babys machen Mann und Frau, die sind Vater und Mutter und darüber hinaus gibt es keine Ideen, wer wie wann warum miteinander ein Baby bekommen könnte. Und auch hier geben die Spermien richtig Gas! Yay!

Also ich bei Instagram fragte, ob es interessant wäre, einen Artikel zu nicht heteronormativen Erzählungen in Bezug auf Befruchtung zu schreiben, fragte mich eine Person, wie das denn überhaupt gehen solle? Denn man braucht ja eben Mann und Frau für Babies, oder? Nicht? Also naja, man braucht immer noch eine Eizelle und Samen, aber es ist eben nicht so, dass alle Personen, die Eizellen haben, sich als weiblich definieren und alle Menschen, die Spermien haben, als Männer leben oder sich so identifizieren. Zudem gibt es Leihmutterschaft, Samenspende etc. Es ist also nicht immer so, dass sich ein Mann und eine Frau ganz doll lieb haben und dann ganz doll kuscheln und dann ein Baby machen. Zudem kann man ja auch selbst entscheiden, wie die Befruchtung erzählt werden soll. Man kann erzählen, dass beide aufeinander treffen oder man kann eine Idee von Wettbewerben und Preisen spinnen, in denen der Stärkste gewinnt. Zudem wird das ganze auch Wissenschaftlich mittlerweile in Frage gestellt, wie ihr gern nachlesen könnt:

https://www.quantamagazine.org/choosy-eggs-may-pick-sperm-for-their-genes-defying-mendels-law-20171115/

Hier wird davon ausgegangen, dass die Eizelle nicht nur unterwürfig rumhängt, sondern aktiv an der Reproduktion beteiligt ist. Und ehrlich gesagt, diese ganze Wettbewerbssache klingt auch sehr nach menschlicher patriarchaler Erzählung. Aber hier soll es eh nicht so sehr darum gehen, wie das biologisch so genau funktioniert, sondern wie ich diese Inhalte vermittele. Also welche Bilder erzeuge ich schon für Kinder und inwiefern reproduziert das sehr einseitige Geschlechterverhältnisse?!

Zum Glück habe ich auch ein gutes Beispiel gefunden. Und da Kritik ja doch irgendwie gelungener ist, wenn man auch positive Veränderungen am Gegenstand oder Entwicklungsmöglichkeiten vorschlagen kann, mach ich das jetzt auch. Das Buch „Wie entsteht ein Baby“ (https://www.buecher.de/shop/bilderbuecher/wie-entsteht-ein-baby/silverberg-cory-smyth-fiona/products_products/detail/prod_id/39521731/ –> Das ist quasi Werbung, aber quasi auch nicht, da unbezahlt und unbeauftragt) erzählt von Befruchtung und Geburt, ohne dabei Mann/Frau – Mutter oder Vater auch nur zu erwähnen. Trotzdem können Menschen, die sich so definieren auch angesprochen werden. Es ist nämlich für alle.

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Auch geht es hier nicht um einen patriarchalen Wettbewerb, sondern um das Aufeinandertreffen einer Eizelle und einer Samenzelle, die viele Informationen dabei haben uns sich dann zusammentun. Zudem werden verschiedene Familienmodelle gezeigt, und zwar ohne, dass sie überhaupt erläutert werden. Es wird einfach davon gesprochen, dass verschiedene Menschen auf das Baby warten- ob das nun 2 Frauen!, drei Personen, Adoptiveltern oder eine Gruppe von Freund*innen ist, kann man sich selbst ausdenken.

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Zudem sind alle Menschen bunt gehalten, haben verschiedene Frisuren und Kleidungsstile – tragen Kopftuch oder nicht. Da auch keine Anspielungen auf Kolumbus oder Eroberungen fallen, sieht man, dass das ganze auch ohne Rassismus auskommen kann. Also das Ganze mit der Befruchtung. Dass auch der Körper der gebärenden Person nicht sexualisiert werden muss, ist ein weiteres Plus.

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So geht Befruchtung also ganz ohne heteronormative Überlegenheitserzählungen. Schön! Falls ihr noch mehr Beispiele habt, schreibt mir gern 🙂

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Quellen:

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