What is Burlesque ?!

Vor einigen Wochen bekam ich eine Anfrage auf Instagram von Anna (https://www.instagram.com/anna_burlesque/), die mich darum bat, ein Interview mit ihr zu führen- und zwar zum Thema Burlesque. Da ich davon keine bzw. kaum Ahnung habe, fand ich es spannend und habe zugestimmt. Meine einzigen Assoziationen sind dieser Film mit Christina Aguilera und Cher, den ich irgendwann ausgemacht habe, da schlecht und langweilig (oder hab ich ihn gar nicht erst gesehen, keine Ahnung) und eine Burlesque-Show, die ich vielleicht so 2010 oder 2011 selbst besucht habe. Daran kann ich mich nicht so genau erinnern, da Gedächtnis wie Sieb und zugegeben, auch schon einige Jahre her. Was ich aber noch weiß: Ich fand es sehr angenehm, dass die überwiegende Zahl der Besucher*innen keine Cis-Männer waren. Zudem stand das Ausziehen gar nicht so sehr im Mittelpunkt, sondern vielmehr eine Erzählung und Witze zwischen Publikum und Darstellerin. Zudem gab es, meinem Eindruck nach, kein starres Script nach dem sich gekleidet wurde, wie in anderen Stripclubs. Kommt es zum Ausziehen wird oft doch eine sehr langweilige Schiene gefahren, die uns sagt, wie Sexualität zu sein hat- hohe Schuhe, große Brüste, schlanker Bauch, Tanga etc. Beim Burlesque hatte ich den Eindruck, dass die Performer*innen ihre eigene sexuelle Erzählung haben dürfen. Mit oder ohne Tanga.

 

Auch wenn ich mich selbst als Burlesque-Tänzerin wahrscheinlich nicht ernst nehmen könnte oder zu große Irritationen damit hätte, mich irgendwie sexy bewegen zu „müssen“, finde ich es eine interessante Vorstellung, wenn es um Körper und Sexualität geht- vor allem um den eigenen/die eigene. Aber dazu mehr in Annas Interview, indem es vor allem um Mobbing, die Anerkennung des eigenen Körpers und Akzeptanz gegenüber des eigenen Ichs geht.

Während ich GIFs für den Artikel suchte, fiel mir auf, dass viele der Tänzer*innen (vor allem in alten Aufnahmen) Federn trugen, die man indigenen Menschen Nordamerikas zuschreiben würde oder irgendwie „orientalisch“ angehauchte Kleidung. Da fragte ich mich, wie Burlesque heute mit seinen Anfängen umgeht, die ja in einer Zeit in den USA entstanden sind, als die sogenannte Rassentrennung [sic] und zudem Exotisierung  vieler Tanz-, Musikstile oder bestimmter Kleidung an der Tagesordnung standen. Da ich leider momentan nicht allzu viele Kapazitäten habe, habe ich euch dazu einfach ein paar Links dazu rausgesucht:

Cultural Appropriation in Burlesque: What is Harmful, and Why?

A note on ally-ship and white performers helping to fight racism in Burlesque 

https://www.independent.co.uk/arts-entertainment/theatre-dance/features/a-brief-history-of-burlesque-471288.html

Lest doch mal nach, wenn ihr am Thema Burlesque interessiert seid. Und lest natürlich noch das Interview mit Anna 🙂 –>

Was genau ist Burlesque?

Burlesque war damals, in Amerika, eine Gattung des Unterhaltungstheaters und ist jetzt einfach eine Form des Striptease. Es geht beim Burlesque nicht um das primäre Ziel, sich zu entblößen, sondern darum Schauspiel, Tanz und selten auch Gesang miteinander zu verbinden. Es wird in einem erotischen Kontext, zum Beispiel eine Geschichte erzählt, Emotionen verarbeitet und politische Statemants gesetzt. Grundsätzlich kann im Burlesque aber alles thematisiert und dargestellt werden. Mit Genuss und viel Dramatik, liebe zum Detail und aufwendigen Kostümen werden so mal mehr, mal weniger Kleidungsstücke abgestreift.

Wie kamst du zum Burlesque?

Meine ganze Schulzeit lang  hatte ich aufgrund meines Gewichts mit Mobbing zu kämpfen. Und auch danach hatte ich das Gefühl, mich andauert für meine Figur und für mein Aussehen rechtfertigen zu müssen. Es hörte nicht auf, dass ich ständig darauf aufmerksam gemacht wurde, dass irgendetwas an mir nicht stimmt. Aufgrund dessen entwickelte ich große Unsicherheiten und hatte Schwierigkeiten, mich und meinen Körper zu akzeptieren. Ich hatte es aber satt, mich ständig zu verstecken, mich einzuschränken und meine Lebensqualität dermaßen zu mindern. Ich suchte nach einem Weg, endlich Frieden mit mir schließen zu können und rauszukommen aus diesem Gefühl, nichts wert zu sein, mit einem Körper wie meinem. Ich fing an zu recherchieren und fand einen Burlesque Workshop im Internet, zu dem ich eine unglaubliche Anziehung verspürte. Ich hatte das Gefühl, dass mich diese Erfahrung und Szene einen großen Schritt weiterbringen könnte auf meinem Weg zur Selbstliebe und Akzeptanz.

Wie hat Burlesque dein Körperbild verändert?

Ich hab innerhalb dieses Prozesses, meine Show zu planen und die anderen Frauen in ihrer Entwicklung zu sehen, angefangen Körper (im allgemeinen) ganz anders zu betrachten und habe dadurch auch an neuen Zugängen zu meinem Körper gewonnen. Mir wurde klar, was ich mir damit antue, meinen Geist mit negativen Informationen zu meinem Aussehen bzw. Körper zu füttern und zu denken, dass nur ich „Schuld“ daran bin, wenn ich mich schlecht fühle, weil ich es nicht schaffe, mich nicht mehr mit anderen zu vergleichen und damit aufzuhören, mich selbst niederzumachen. Mir ist bewusst geworden, dass ich genau jetzt anfangen möchte, mit meiner Vergangenheit abzuschließen und meinen Körper zu schätzen für das, was er alles für mich leistet. Außerdem würde mir klar, beim Beobachten der anderen Frauen, dass Schönheit und Erotik tatsächlich nichts mit einem „perfekten“ Äußeren zutun haben. Diese Frauen hatten alle ihre Unsicherheiten und jede war teilweise unzufrieden mit ihrem Körper, aber sie waren sich ihrer selbst bewusst und diese Tiefe Verbindung zu sich selbst und der Spaß, der damit verbunden ist, sich zu zeigen, hat so eine unglaublich schöne Energie und Kraft für den Betrachter, dass es plötzlich völlig absurd scheint, sich Sorgen über eine Speckfalte oder unreine Haut zu machen. Ab dem Moment, an dem ich anfing mich selbst anders zu sehen, ließen auch negative Kommentare bezüglich meines Aussehens von außen nach. Das war eine sehr prägende Erfahrung.

Musst du gegen Sexismen kämpfen (innerhalb und außerhalb der Burlesque-Szene?)

Immer wieder fällt mir auf, dass außerhalb der bulesquen Szene, überwiegend Männer, davon ausgehen, dass ich, weil ich mich ausziehe und in einem erotischen Kontext tanze, auch kein Problem damit haben sollte, ungefragt angefasst zu werden, Nacktbilder zu bekommen und zur freien Verfügung für Sex zu stehen. Oft kommt es dazu, dass davon ausgegangen wird, dass meine Offenheit gegenüber Sex und Nacktheit erlaubt, mich gar nicht als Mensch mit einem Willen, sondern als ein rein sexuelles Objekt ohne Recht auf Grenzen zu sehen. Zudem besteht tatsächlich die Ansicht, dass ich mich bezüglich „Übergriffen“ nicht beschweren darf, da ich in meiner Tätigkeit damit rechnen muss. Zudem wird mir häufig unterstellt, dass ich keine Feministin sein kann, wenn ich mich hübsch mache und tanze, um Männer zu unterhalten. Ich würde mich dadurch selbst objektivieren.

Findest du Feminismen im Burlesque?

Ich für meinen Teil nehme die Burlesque-Szene als unglaublich feministisch, tolerant und offen war. Es wurde immer wert darauf gelegt, sich politisch korrekt zu äußern und zu handeln und jeden Menschen, so wie er ist, zu integrieren und aufzunehmen. Ich treffe ausschließlich auf Frauen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie ich und mit dem Tanz, nach eigenem Ermessen politische und feministische Aufklärungsarbeit leisten.

Was wünschst du dir von feministischer Seite?

Von feministischer Seite, außerhalb der Szene, wünsche ich mir mehr Toleranz und Respekt gegenüber meiner Tätigkeit. Vordergründig geht es mir und vielen anderen Frauen darum, uns selbst zu verwirklichen und unsere Sexualität und unsere Körper in einem kreativen Rahmen ausleben zu können. Das ist selbstbestimmt und mutig und dient zur Verwirklichung meiner selbst und nicht zur Erregung des männlichen Geschlechts. Darum geht es mir vordergründig überhaupt gar nicht. Dennoch freue ich mich natürlich, wenn sich Menschen (egal welchen Geschlechts) unterhalten und erregt fühlen und einen tollen Abend haben. Ich empfinde dies nicht als abwertend, sondern (auch) als Bestätigung bezüglich meiner Kunst. Letztendlich geht es darum, sexuelle Fantasien auszuleben, anzuregen und so lange das freiwillig und aus Freunde heraus geschieht, ist es unglaublich feministisch, sich dazu zu entscheiden Burlesque Tänzerin zu sein.

Möchtest du noch etwas sagen?

Ich möchte jedem, der das hier ließt, Mut machen, Wege zu suchen um sich selbst näher zu kommen und Strategien zu entwickeln, sich selbst akzeptieren zu können. Ich möchte, dass ihr wisst, dass nicht mein Weg der Richtige und der Einzige ist, um zu sich zu „finden“, aber es ist einer von tausenden. Und es ist okay „Rückschritte“ zu machen und es ist okay, sich schlecht zu fühlen, zu zweifeln und alles hinzuschmeißen. Aber es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass man es Wert ist, geliebt zu werden, und dass der eigene Körper es verdient hat, geliebt und für das, was er gibt, geschätzt zu werden. Wichtig ist es, sich immer wieder zu fordern und immer wieder an Grenzen zu gehen. Das hat mir so viel Lebensqualität und Freiheit zurückgegeben und geschenkt und ich bin dankbar, dass ich das jetzt erkennen kann.

Quellen:

Titelbild von Anna

https://giphy.com/gifs/fashion-retro-nostalgia-12owMWbtedIQnK/links

https://giphy.com/gifs/vintage-burlesque-delores-del-raye-JmiSdEhNcudMY/links

https://giphy.com/gifs/vintage-20s-the-black-bottom-1y9uHqyXO3XJ6/links

https://giphy.com/gifs/beyonce-knowles-gif-13eTiPbCHqaxva/links

https://giphy.com/gifs/weed-vintage-gif-reefer-madness-nW9d4XyKz4dLq/links

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