Vulva Party

Vor einigen Wochen war ich in Wien zu Besuch. Das war sehr schön, weil Wien sehr schön ist, aber auch, weil ich einen Workshop bei Gloria Dimmel machen konnte, die in ihrem Wohnzimmer Genital- bzw. Vulvaabdrücke mit FLTI* macht – klingt vielleicht merkwürdig, ist aber so. Und ist auch ziemlich cool!

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Zu den Abdrücken die Gloria macht, soll es bald auch ein Spiel geben, das so genannte Mumury– jep, wie bei Memory kann man Paare suchen- hier sind es eben Pussy Pairs. Finde ich ziemlich cool für die Aneignung des eigenen Körpers und die Enttabuisierung. Auch in der pädagogischen Arbeit maybe. Das ganze ist leider noch nicht draußen, aber ich werde dann noch mal informieren. Der Transparenz halber: Ich habe den Workshop geschenkt bekommen und  bekomme ein paar Spiele, die vom Achse Verlag herausgegeben werden. Dieser hat mich auch eingeladen – danke noch mal 🙂

Also ist das ganze Werbung, die ich ja nicht so gern, aber bei manchen Sachen doch mache. Und hier tatsächlich wirklich ganz gerne, weil es mega Spaß gemacht hat, den eigenen Abdruck zu kreieren und sich mit seinem Körper auseinander setzen zu müssen. So viele von uns wissen nicht, wie die eigenen Vulva/das Genital aussieht und die Scham ist leider noch sooo enorm groß. In meiner Umgebung gibt es nur einen hetero Cis-Mann (und ja ich finde es hier wichtig, das zu erwähnen), der Abdrücke ausschließlich für Cis-Frauen anbietet und auch in Interviews ziemlich seltsame Sachen erzählt. Deshalb habe ich mich enorm gefreut, dass es bei Gloria einen sicheren Ort gibt, an dem man sich selbst und andere besser kennenlernt 🙂 Besonders spannend war es, sich mit seinen eigenen Unsicherheiten auseinanderzusetzen. Sind meine Vulvalippen „zu groß“ oder „zu klein“ etc. und dann zu merken wie ähnlich aber auch unterschiedlich wir alle sind und dass das ganz nice und ok ist 😉

Um euch einen kurzen Einblick in den Ablauf zu geben: Der Workshop findet bei Gloria zu Hause statt. Es gibt Wein und Popcorn- beides sehr fein! Dann kann man sich mit den anderen Teilnehmer*innen unterhalten und eine Person kann nebenbei den Abdruck bei sich selbst machen. Gloria erklärt wie es geht, man kann aber ganz alleine agieren. Das ganze wird mit einer Paste aus Algen oder so gemacht und kann sehr leicht abgezogen werden. Tut überhaupt nicht weh. Falls man alleine sein will, kann man übrigens auch darum bitten, dass die anderen raus gehen. Gut ist es, wenn man sich rasiert hat, da Haare das Material beeinflussen und der Abdruck ohne wohl schöner wird. Mit Haaren und Vaseline geht es aber auch 😉 Wenn die Abdrücke fertig sind, geht man nach Hause und bekommt einige Wochen später den Abguss. Der erste Blick darauf, ist auf jeden Fall ultra spannend.

Nach dem Workshop habe ich noch ein kleines Interview mit Gloria gemacht und sie ein bisschen nach ihrer Arbeit gefragt. Hier alle Antworten und weitere wichtige Infos, falls ihr auch mal zum Workshop wollt 🙂

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https://shop.achseverlag.com/produkt/pussy-pairs/

av_logo Kopie

http://www.gloriadimmel.com

https://www.instagram.com/g.sus.christ/

Wie bist du darauf gekommen, Vulvaabdrücke zu machen und diese dann anzubieten? 

Ursprünglich habe ich einen Abdruck meiner Vulva für mich gemacht. Das Ergebnis hat mich allerdings so begeistert, dass ich dieses Gefühl der Faszination vom eigenen Körper mit anderen teilen wollte. Die erste Session wurde dann im Freundeskreis abgehalten. Durch meine Vulva-Sticker und ein bisschen Instagram, um die Vulva im öffentlichen Raum zu normalisieren, hat sich das Thema dann verbreitet und ist tatsächlich auf Nachfrage gestoßen. Erst kamen vereinzelt mir bekannte oder unbekannte Menschen aus dem Internet vorbei, später hab ich aus pragmatischen Gründen Sessions abgehalten und gleich mehrere Leute auf einmal empfangen. Mittlerweile ist dieser Austausch eigentlich zu dem für mich spannendsten Teil geworden. Ich finde, dass ein totales Gemeinschafts- und Solidaritätsgefühl entsteht, wenn wir über all diese Gedanken über Schönheitsideale und Selbstoptimierungszwang, etwaige Selbstzweifel, aber auch positive Erfahrungen sprechen und auf diese Weise gleichzeitig Gesellschaftskritik üben.

Was möchtest du damit erreichen? Möchtest du damit etwas erreichen?

Ich möchte den Umgang mit der Vulva und Genitalien allgemein normalisieren, zumal es diesbezüglich eine unendliche Reihe an Mythen gibt und das Thema sehr schambesetzt und tabuisiert ist. Bevor die Vulva vom Patriarchat unterdrückt wurde und als etwas Negatives, Schmutziges, Stinkendes oder gar nicht erst Existierendes usw. abgestempelt wurde, war sie durchaus positiv besetzt. Diese positive Konnotation wünsche ich mir zurück, oder zumindest eine neutrale, wertfreie.

Wer kann bei dir Abdrücke machen lassen? Wie gehst du mit Queerness um?Benutzt du andere Wörter, als Vulva – für Menschen, die diese anders definieren oder keine haben oder oder? 

Bei mir können alle Menschen, die nicht Cis-Männer sind, vorbeikommen, denn ich versuche, prinzipiell einen safe space zu kreieren. Leider ist dieser derzeit hauptsächlich von Cis-Frauen dominiert, was zwar gut ist, zumal es ihnen eine gewisse Selbstermächtigung ermöglicht. Warum sollte sie aber nur Cis-Frauen vorbehalten sein? Letztendlich sind die Genitalien von Transpersonen bspw. noch viel tabuisierter. Oft sage ich nur Genital, meistens spreche ich von Menschen mit Vulven, weiß aber auch nicht so recht, wie ich Menschen, die sich davon nicht angesprochen fühlen, auf sensible Weise integrieren kann.

Was ist das Mumury und wofür wurde es konzipiert?

Mumury oder Pussy Pairs ist ein Gedächtnisspiel, das wir alle aus unserer Kindheit kennen (nur ohne Genitalien). Es soll den Umgang mit der Vulva spielerisch normalisieren und die Vielfalt der Formen demonstrieren. Es gibt kein richtig und falsch, wenn es darum geht, wie eine Vulva aussieht. Deshalb ist es wichtig, viele Bilder davon zu sehen, um eventuelle Selbstzweifel ablegen zu können. Letztendlich geht es hier um ein ganz normales Körperteil (mit einigen großartigen Funktionen). Mit Teilen der Einnahmen von Pussy Pairs aka Mumury sollen zudem frauenfördernde Maßnahmen unterstützt werden.

Wie vielfältig sind Vulven nach deiner Erfahrung? 

Extrem vielfältig. Auch nach 250 Abdrücken bin ich immer wieder aufs Neue über so manche Form überrascht. Keine ist wie die andere. Natürlich haben alle Vulven dieselben Bestandteile, aber die Kombinationsmöglichkeiten aus Größenproportionen, Falten, Farbtönen und Haaren scheinen schier unendlich.

Was sind deine zukünftigen Pläne für die Vulva Abdrücke?

Ich möchte vermehrt an Ausstellungen teilnehmen, um die Originalabdrücke für alle Menschen zugänglich zu machen und auch weiterhin an Aufklärungsmaterialien, wie etwa Pussy Pairs, zusammen mit Sexualpädagoginnen arbeiten. Sexualerziehung ist einfach so verdammt wichtig! Und solange es die Nachfrage nach Genitalabdrücken gibt, möchte ich den Teilnehmerinnen* denselben Wow-Moment ermöglichen, den ich am Anfang dieser Story hatte. Im utopischen Idealfall ist dieser aktuelle Vulva- Hype dann irgendwann nicht mehr notwendig, weil wir alle schambefreit über unsere Genitalien sprechen können und die respektvolle, sexuell erfüllende oder auch medizinische Behandlung bekommen, die uns zusteht.

ldH-N-Zw

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(Alle Fotos von Gloria Dimmel)

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