Eifersucht?! Beziehungen und so.

In letzter Zeit beschäftige ich mich viel mit dem Thema Eifersucht bzw. mit den verschiedenen Ansprüchen an Beziehungen. So steht einerseits die Kritik an der heteronormativen Zweierbeziehung und zum anderen der Anspruch an sexuelle Offenheit und die Absage an Eifersucht. So kann ich zumindest den Druck in meinem Kopf beschreiben, wenn es um das Thema geht. Einerseits möchte ich Sicherheit und bloß keine sexistische Scheiße erleben, andererseits möchte ich nicht, dass Sex immer nur mit sexistischer Scheiße besetzt- sondern offen und schön ist. Auch in Hetero-Beziehungen. Also was tun? Kann man da überhaupt etwas tun?

Ich habe mich letztens an eine Szene aus meiner Jugend erinnert. Ich komme um 17 Uhr aus der Schule, mache mir einen Cappuccino mit Milka oder Toblerone Geschmack (Pfui) und schalte Pro7 ein (noch mal Pfui) .Taff. Ich bin 16 oder 17. Auf dem Fernseher läuft ein Beitrag über Männer, die in Klappstühlen am Strand sitzen mit einem Bier in der Hand und einem albernen Strohhut auf dem Kopf, um den sie noch eine Plastikblumenkette in Deutschlandfarben gewickelt haben. Gegenüber von ihnen stehen 5 Frauen, die sich erst gegenseitig bewerten (Platz 1 bis 5) und dann von den Männern bewertet werden, die dann ihre eigene „Reihenfolge“ festlegen. Dabei fallen oft Begriffe, wie „süße Häschen“, „zu specki specki“oder „dein Hintern war einfach zu flach“. Es gibt mehrere Runden. Busen, Beine, Po und Intelligenz. Ich habe sogar ein Video bei YouTube gefunden, also teilt gerne meine Sozialisation mit mir:

(Ok, das mit den Strohhüten und dem Bier habe ich wohl dazu gedichtet oder es war in einer anderen spannenden Episode dieses wundervollen Formats)

Tja, wenn man das also sieht, frage ich mich schon, wie ich, wenn ich dieses Verhältnis zwischen Männern und Frauen gelernt habe, überhaupt eine Beziehung zu einem Mann haben kann- und dann auch noch eine offene?! Und ja, manche werden sagen, dass ist doch nur eine Fernsehsendung, aber das reflektiert eben auch wie Frauen in der Gesellschaft betrachtet werden. Das zeigt, womit junge Mädchen aufwachsen. Warum sie sich nicht und nie gut genug fühlen und warum sie meinen, in Konkurrenz miteinander zu stehen. Dieser Leidensdruck verstärkt sich natürlich enorm durch Mobbing, wenn man z.b.  in der Schule als dick gelesen wird ist oder durch Exotisierung/Rassismus, Ableiismus etc. Je weniger man in die Top 5 passt, umso größer der Scheiß, obwohl man in die scheiß Top 5 von diesen verkackten Idioten auch gar nicht rein will, ihrem Blick überhaupt nicht gefallen will, einen ihr Blick einen feuchten Kehricht interessieren würde, hätte man nicht gelernt, dass dieser Blick alles ist, was zählt. Weil jede Werbung, jede Sendung und sogar jeder Indie-Song, den man als Jugendliche gehört hat, um „schöne“ Frauen geht, Frauen als Objekt der Begierde. Gnaaa.

Naja, zurück zur Eifersucht. Leider haben sich die Erfahrungen mit Taff in meinen Jugendbeziehungen wiederholt. Mein erster Freund hatte heimlich was mit „einer anderen“ und hat sich am Ende der Beziehung überall im Zimmer Pornobilder aufgehangen, weil er, wie er mir erzählte, im Playboy gelesen hatte, dass Männer, die kein Interesse mehr an ihren Frauen haben, sich Pornos zuwenden. Danke für die subtile Ansage. Ich war damals 15. Tja, naja- so habe ich jedenfalls die Sexualität von Männern (natürlich meine ich hier Cis-Männer) kennengelernt – im vollen Klischee. In völliger Scheiße. Am meisten verunsichert hat mich damals ein Plakat von Christina Aguilera, die  in einem Pool in einem Schwimmring über seinem Bett hing. Er sagte damals, sorry, dass ich es so explizit wiederhole, sie hätte einen geilen Fickarsch. Und noch heute frage ich mich, muss ich den auch haben?

Nun das habe ich jedenfalls als junges Mädchen kennengelernt und mitgenommen. Das gelernt über hetero Beziehungen… und ja, alle sind nicht so und die Sexualität von Männern funktioniert nicht so, aber es wird uns eben so erzählt und so spielen wir es nach. Und bei diesem Nachspielen bin ich vllt auch an die größten Idioten geraten. Diese Idioten sind aber durch Sendungen, wie bei Pro7 eben kein einzelnes blödes Erlebnis, sondern werden gesellschaftlich untermauert und als feste Erzählung in unser Gehirn geschrieben. Männer bewerten Frauen. Und ihre Körper. Bist du geil genug? Sie sagen es dir.

Dazu kommt dann natürlich noch die Idee vom Märchenprinzen und man ist völlig verwirrt und verloren.

Eine Möglichkeit, dem zu entgehen, ist es wohl keine Beziehungen mehr zu Männern zu führen- sich anderen Lieben und anderer Sexualität zu öffnen. Ist dies aber nicht möglich aus Gründen, mangelnden Erfahrungen, Gelegenheiten, klappt vllt romantisch oder sexuell nicht und das Begehren bezieht sich weiterhin auf den Cis-Mann, ja was macht man dann? Klar, hier ist es irgendwie mit ganz ganz viel Glück möglich, jemanden zu finden, der sich kritisch mit seiner Männlichkeit, seiner Sozialisation und seinem erlernten Blick auf Frauen auseinandersetzt. Aber dann ist immer noch die Frage, kann ich ein aufrichtiges, vielleicht sogar schönes Interesse an seiner Sexualität entwickeln, die sich natürlich auch auf andere bezieht? Kann man die Vorstellung von „nur wir zwei für immer“, die ich nicht will, vor allem wegen dem „nur“ – und das bezieht sich gar nicht auf Sexualität, mir ist sie momentan nicht soo wichtig, aber kann wir 2 nicht andere wichtige Menschen miteinschließen? Das wäre schon schön und würde einen enormen Druck aus Beziehungen herausnehmen. Den, dass man alles erfüllen muss für die andere Person z.B. Aber kann man tatsächlich die ganzen Taff Bilder aus seinem Kopf bekommen, die Konkurrenz in die man gesetzt wird, die Werbeplakate, die Pornos (ich mag Pornos, aber nicht diese Klischee-Kacke, die halt der Standard-Porno ist), die scheiß Erfahrungen mit Männern (ich könnte noch von hunderten berichten)?  Und wie schafft man es, dies zu gestalten ohne dass man als Frau die Verantwortliche ist, die sich selbst verbessern soll, indem sie ihre Eifersucht ablegt? Scheitern wir vllt auch an den scheinbar unendlichen sexisitischen Hürden, die uns allen in den Weg gelegt werden, um gleichberechtigt aufeinander zu schauen?

Ich denke, meine Eifersucht bezieht sich häufig auf die Konkurrenz zu anderen Frauen. Da ich eh in allem denke (zum Glück hat sich das etwas verbessert mit den Jahren), dass ich für nichts gut genug bin, kommt der Markt auf den unsere Körper geworfen werden noch hinzu. Oft habe ich Angst, dass eine andere besser ist, schöner, kluger, toller- und ja ich gebe es zu, da wir ja gerade darüber sprechen – geiler. Obwohl ich noch nicht mal weiß, was das heißen soll. Obwohl das nur eine komische Jugenderinnerung ist, in der die Mädchen aus der Klasse von 1 bis 10 bewertet werden. Ich habe nur eine 5. Scheiße. Ist es doch mein Daseinszweck eine 10 zu haben. Und ich bin bereit diesen Blick auf Frauen aufzugeben. Ich will diesen Blick auf Frauen aufgeben. Doch wenn ich das mit einem Partner gemeinsam machen will, muss er ihn auch aufgeben. Zack, ende.

Auch wir untereinander sollte aufhören, nach den Mängeln anderer Frauen zu suchen, wenn wir uns mal eingeschüchtert fühlen. Sollten aufhören uns unfreundlich zu behandeln, in diesem Spiel nicht mitspielen. Sollten aufhören uns zu vergleichen. Aber das darf auch nicht nur unsere Aufgabe sein. Die Gesellschaft muss ihren Blick ändern. Wir müssen gegen den Blick auf uns kämpfen. Männer müssen ihre Männlichkeit überdenken- eine Alternative anbieten.

Wir brauchen Beziehungen zwischen Menschen, die sich auch in Sexualität daran orientieren, dass man aufeinander aufpasst. Dass man gut zueinander ist und reflektiert, in welchen Räumen man agiert. Wir brauchen einen neuen Zugang zu Sexualität und deren Bedeutung in unserem Leben. Neue Beziehungen zwischen Frauen. Zwischen Männern und Frauen. Auch wenn man keine queere Beziehung lebt, kann man seine Beziehung ja vllt insofern queer denken, als das man versucht, seine Sexualität der Marktlogik zu entziehen, als auch der konservativen Kernfamilien-Idee/Vorgabe. Dann ist es vllt auch möglich, seine Eifersucht abzulegen, in dem der Blick auf einen selbst, von außen wie von innen, nicht mehr an pro7 gebunden ist. Aber das geht eben nur mit Zeit, mit Verantwortung, mit Vertrauen und mit Gegenseitigkeit. Es ist nicht ok, dass die Frau das alles übernehmen soll. Und wenn es nicht geht, dann ist das vielleicht auch erstmal so.

Quellen:

https://giphy.com/gifs/cute-loop-angry-xUOxeUPphgWe5moLUQ/links

https://giphy.com/gifs/love-happy-fun-p3hMwfKmalGHPkTRt4/links

https://giphy.com/gifs/cbc-schittscreek-schitts-creek-lYibSgO3AVLD9JozHk/links

https://giphy.com/gifs/now-this-news-GYR6P83QiRDI4/links

3 Gedanken zu „Eifersucht?! Beziehungen und so.“

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