Über Blasen und Toiletten

Alle Menschen haben eine Blase, einen Anus, eine Harnröhre und die verschiedensten Öffnungen- alle müssen pinkeln und kacken, aber niemand mag so richtig darüber sprechen. Ok, ist auch nicht so mega pleasant, aber geht uns halt doch alle irgendwie an. Ich leide z.B. seit Jahren- vor allem in meiner Jugend- an chronischen Blasenentzündungen, an extremen Druck in der Blase, besonders wenn ich nervös bin und habe schon die nervigsten Prozeduren über mich ergehen lassen. ÄrztInnen, die mich nicht ernst genommen haben, Blasenspiegelungen (ich bin absolut nicht gläubig, aber ich habe zu meiner feministischen Gött*in gebetet, dass es schnell aufhören möge, denn ich persönlich mag es nicht, Stäbe in der Harnröhre zu haben- kein Urteil, just personal) und trank hunderte Liter Cranberry Juice jeden Tag, die übrigens verdammt teuer sind. Manches hat geholfen, manches nicht. Jedenfalls hätte ich mich manchmal gerne mehr darüber ausgetauscht, da es ja doch ein paar Sachen gibt, die unterstützend sein können und die tägliche Qual beenden. So now: Let`s talk about our bladder.

Vor einigen Monaten bin ich auf das Buch „Below Your Belt. How to be Queen of your Pelvic Region„ aufmerksam geworden, dass zwar leider ein bisschen viel mit Prinzess*inen arbeitet, allerdings Kindern/Mädchen* (besonders queer ist es zugegebenermaßen nicht) auf ziemlich coole Art erklärt, was es so alles gibt zwischen den Beinen, wie man mit der Periode umgeht, was das ist – und auch wie man eigentlich ordentlich aufs Klo geht. Dabei geht es aber glücklicherweise nicht um Knigge oder ähnliches, sondern darum, dass es, auch wenn das Klo dreckig ist, besser ist, sich hinzusetzen, da die Harnröhre sich in der Hocke durch angespannte Muskeln schlechter entlehrt (auf deinem Iphone sind übrigens hundert mal mehr Bakterien, als auf der Klobrille) und es der Blase viel besser geht, wenn sie nicht in einer halben Stunde wieder ran muss, da sie nicht richtig entlehrt wurde. Ist das Klo zu dreckig, Klopapier drauf und gut- es macht tatsächlich einen riesen Unterschied. Zudem geht es darum, dass immer von vorne nach hinten gewischt werden sollte, da so keine Darmbakterien in die Harnröhre gelangen können. Wichtig ist zudem die Kommunikation zwischen Gehirn und Blasenregion? Hä, welche Kommunikation fragt ihr? Dazu hier ein kleines Comic aus besagtem Buch:

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Häufig trainieren wir unsere Blase so, dass sie alle 5 Minuten wieder das Signal vom Gehirn bekommt, sich zu leeren. Das beginnt meist damit, dass man vor dem Film oder vor dem Sport etc. etc. noch mal schnell auf Klo geht, um dann länger aushalten zu können. Das ist leider absolut unproduktiv und führt nur dazu, dass wie andauernd Harndrang verspüren. Ich liege z.B. jede Nacht wach und weiß einfach, dass ich nicht muss, aber mein Gehirn sagt so lange „doch doch doch“, bis ich auf Klo gehe. Dadurch muss ich dann 5 Minuten später wieder, weil meine Blase und mein Gehirn lernen, dass nicht alles geleert werden soll, wenn es voll ist, sondern eigentlich immer und immer wieder sofort. Beide haben gelernt, dass Hinlegen gleich Harndrang ist. Deshalb habe ich mich in den letzten Monaten jeden Abend dazu gezwungen, auszuhalten, meinem Gehirn zu erzählen, dass es der Blase sagen kann: „Jetzt noch nicht“. Das ist hart viel Arbeit, klappt aber ganz gut. Nach ein paar Wochen . Nicht sofort.  Also: Aushalten, aushalten, aushalten- aber natürlich nicht 7 Stunden. Das wäre auch wieder nicht gut. Alle 3 bis 4 Stunden tagsüber auf Klo zu gehen, ist „normal“.

Ansonsten KANN Folgendes helfen:

-Eine Kur mit Goldrutenkraut

-Zinnkraut (Tee etc.)

-Kokosöl auf die Harnröhrenöffnung (ist auch mal ganz spannend so wirklich zu wissen, wo die eigentlich ist), wenn sie sich etwas entzündet anfühlt- wirkt desinfizierend. Bei richtigen Entzündungen natürlich zur Ärztin.

-Auf Koffein verzichten (I can`t, but maybe you do)

– Sich beim Pinkeln Zeit lassen und die Blase wirklich leeren

-Nach penetrativem Sex aufs Klo- der kann nämlich Bakterien in die Harnröhre einmassieren

-Nach dem Pinkeln (noch auf der Toilette) von rechts nach links wippen, damit auch alle Reste an Urin rauskommen.

– Beckenbodentraining, damit einfach mehr gehalten werden kann (aber nicht immer den ganzen Tag verkrampfen und trainieren- nur ab und zu, sonst kann es noch schlimmer werden). Das hilft auch, wenn man beim Lachen oder Nießen manchmal Probleme mit Urin in der Unterhose hat- happens to loads of people. Auch bei dm gibt es mittlerweile Kegelgewichte übrigens. Diese Trainieren den Beckenboden ohne lästige Übungen. Das kann übrigens auch für einen Orgasmus nicht schlecht sein, falls der Ansporn fehlt 😉

-Ein Blasentagebuch schreiben, so nach dem Motto: „Hallo, heute habe ich viel Wasser getrunken und musste drei mal auf Klo.“ Mir hilft das leider null und macht irgendwie alles eher schlimmer. Vielleicht durch die dauernde Konzentration aufs Pinkeln, aber andere sagen, es ist gut. Just try!

– Abklären lassen, ob man eine Reizblase oder ähnliches hat. Leider sind die meisten Ärztinnen nicht so sehr interessiert daran, aber man kann ja immer mal Glück haben.

-Warme Badewanne oder warme Fußbäder

-viel Wasser trinken, damit alles gut durchspült

Auch psychische Belastungen können zu körperlichen Symptomen, wie übermäßigem Harndrang führen. So hatte ich in extremen Depressionsphasen schon „eingebildete“ Blasenentzündungen. Das heißt, die Ärztinnen konnten keine Bakterien finden, ich hatte aber extreme Schmerzen und ständig das Gefühl, pinkeln zu müssen. Immer, immer. Dies ist natürlich ein Teufelskreis, da so die psychische Belastung und der Stress immer mehr werden. Man will noch weniger aus dem Haus, aus Angst, dass nirgendwo einen Toilette ist etc. etc. Es ist peinlich, wenn man neben jemandem schläft und nachts 8 mal raus muss, wenn man noch nicht mal eine Serienfolge von 20 Minuten aushält, geschweige denn einen Film oder ein Theaterstück. In der Uni musste ich früher während eines Seminars 3 mal auf Toilette. Unangenehm!! Wenn es auf einer längeren Busfahrt keine Toilette gibt, könnte ich heulen. Mitfahrgelegenheiten meide ich schon seit Jahren. Obwohl es in manchen Phasen gut klappt und meine Blase entspannt ist, kann es doch manchmal sein, dass sie ohne Pause quengelt und mich quält. Dass ich keine 10 Minuten auf einer Bank sitzen kann, ohne daran zu denken, wo denn die nächste Toilette ist. Häufig passiert dies in schlechten Zeiten oder wenn ich besonders nervös, traurig, panisch etc. bin.

Wenn ich also merke, dass meine Blase angespannt ist, beginne ich mittlerweile sofort, mich zu fragen, was mich momentan belastet und versuche dies, wenn eben möglich, abzuändern. Zudem trainiere ich meine Blase dann noch ein bisschen besser, akzeptiere aber auch wenn es mal für eine Woche wieder schlimm wird und ich eben andauernd auf Klo muss. Das gestehe ich ihr und mir ab und zu zu. Manchmal frage ich sie, was los ist. Manchmal verstehe ich es, manchmal nicht.

Nunja, meine Blase war für mich ein Lebenlang eine Qual,  ein ständiger stressiger Begleiter. Mittlerweile haben wir uns aber ein bisschen besser kennengelernt, beschäftigen uns miteinander und versuchen gegenseitig Rücksicht aufeinander zu nehmen.

 

Quellen:

https://giphy.com/gifs/toilet-thoka-maer-pretty-girls-poop-too-3o8doLg4SU3sMS8716/links

Below your belt. How to be Queen of your Pelvis Region. / Missy Lavender, Jeni Donatellin Ihm / Women`s Health Foundation –> Illustrationen von Jan Dolby

https://giphy.com/gifs/kochstrasse-cute-illustration-nice-ulKtCCgf98ETG4p92b/links

https://giphy.com/gifs/art-design-illustration-l3vRcp1YmStoP54Yw/links

Ein Gedanke zu “Über Blasen und Toiletten”

  1. Noch zwei Tipps von einer HWI geplagten Person: zur Prävention abends einen Esslöffel (bio)Apfelessig trinken, ruhig mit Wasser verdünnt. Nicht aber bei einer akuten Infektion.
    Und es gibt eine Schluckimpfung auf e.coli Basis (uro vaxom), die hat bei mir sehr gut geholfen 🙂

    Liken

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