PILLEPALLE

Ich hab schon mal über die Pille geschrieben und hatte das Thema damit für mich erstmal abgeschlossen, aber vor kurzem wurde ich von Kathrin Ahäuser kontaktiert, die mit http://www.pillepalle.info ein spannendes Projekt gestartet hat. In verschiedenen Kurzfilmen berichten Frauen*, GynäkologInnen und weitere Expert*innen über ihre Erfahrung mit der Anti-Baby-Pille. Auch auf ihrer Instagram-Seite (https://www.instagram.com//pillepalle_info/) teilt sie regelmäßige Infos zu diesem Verhütungsmittel- so wusste ich z.B. nicht, dass man sich bei profamilia zum Thema Pille beraten lassen kann. Auch gibt es eine Anwender*innenkarte, die Gyns eigentlich austeilen sollten etc. etc. etc.  Für mich persönlich ist die Pille schon lange keine Option mehr, aber bei Verhütungsmitteln handelt es sich um eine persönliche Entscheidung, die von vielen Faktoren abhängig sein kann. Um diese möglichst gut zu treffen, sollten Informationen möglichst leicht zugänglich sein, sodass eine gute Aufklärung möglich ist und auch kritische Faktoren nicht unter den Tisch fallen. Also habe ich ein kleines Interview mit Kathrin über die Pille geführt, das vielleicht einige interessieren könnte, die sich bei dem Thema unsicher sind 🙂

1. Du hast deine Masterarbeit über die Anti-Baby-Pille geschrieben. Wie kam es dazu und wie wurde es ein so großes Projekt?

Ein SPIEGEL-Artikel hat mich vor ein paar Jahren auf die Pille aufmerksam gemacht. Es ging darin um eine junge Frau, die die Pharmafirma Bayer verklagte, da sie durch die Pille eine Lungenembolie erlitt. 

Dass es elf Kurzfilme wurden ist Zufall. Mindestens zehn Filme wollte ich umsetzen, um viele verschiedene Aspekte hervorzuheben.

2. Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Fakten über die Pille? Was sollte man wissen, wenn man sie nimmt/nehmen will?

Da gibt es so vieles. Hier drei Punkte:

  • Eine gründliche Befragung durch den Arzt/die Ärztin vor der Pilleneinnahme ist wichtig, damit z.B. genetische Vorbelastungen wie Faktor-V-Leiden („Leiden“ bezieht sich auf die niederländische Stadt) ausgeschlossen werden können oder damit man weiß, was Thrombose ist und wie man es erkennt.
  • Der Blick in den Beipackzettel lohnt sich. Erst recht, wenn man für negative Nebenwirkungen keine Erklärung findet.
  • Die meisten Nebenwirkungen treten vor allem zu Beginn der Einnahme auf und bei jedem Neubeginn/Wechsel des Präparats. Man sollte dem Körper etwa drei Monate Zeit geben, um sich an die Pille zu gewöhnen. Es sei denn, natürlich, es gibt in dieser Zeit Anzeichen für schwerwiegende Nebenwirkungen.

3. Warum ist Aufklärung über die Pille für dich wichtig?

Vorneweg: Aufklärung bedeutet für mich, in Austausch über die Vor- und Nachteile der Pille zu kommen. Es bedeutet also nicht kategorisch zu sagen: Finger weg von der Pille!

Und jetzt zu Deiner Frage: Eine gute Freundin arbeitet schon lange als Physiotherapeutin im Bereich Neurologie und hatte schon mit Schlaganfall-Patientinnen im Alter von Anfang 20 zu tun. Es war laut ihrer Aussage erwiesen, dass die Pille in Kombination mit Rauchen oder der Blutgerinnungsstörung Faktor-V-Leiden der Auslöser war. Das gibt mir schon zu denken. Warum wurde die Blutgerinnungsstörung nicht erkannt? Wurde die Frau nicht über das Rauchen in Zusammenhang mit der Pille aufgeklärt oder hat sie die Warnung ignoriert? 

Nicht jede Frau, die raucht oder eine sonstige Vorbelastung hat, bekommt zwangsweise unter Einnahme der Pille eine Thrombose oder einen Schlaganfall. Aber es gibt Risiken und warum sollte man diese nicht minimieren, auch wenn das bedeutet, die Pille gar nicht einzunehmen? 

4. Du hast Interviews mit verschiedenen Menschen gemacht. Dabei erzählt ein Gynäkologe, dass Mädchen*, die die Pille nicht nehmen und schlechte Haut haben, selbst Schuld sind. Das hat mich persönlich ziemlich wütend gemacht. Wie hast du die Gespräche mit den GynäkologInnen empfunden? 

Die Gespräche verliefen alle sehr gut, auch wenn ich die Meinungen des Gynäkologen zu Akne und schlechter Haut nicht ganz teile.

5. Du schreibst, dass die Pille häufig als Lifestyleprodukt vermarktet wird. Was meinst du damit?

Sucht mal zum Spaß nach Bildern der Pille „Pink Luna“ oder „Velafee“ im Internet. Allein die äußere Gestaltung der Pille verrät schon einiges. Der Hersteller will sicherlich durch das Design an Make-Up- und Beautyprodukte erinnern. Katrin Wegner verdeutlicht das besonders gut in ihrem Buch „Die Pille und ich- Vom Symbol der sexuellen Befreiung zur Lifestyle-Droge“. Es gibt Jugendliche, die nehmen die Pille unter anderem, weil sie von außen so schön aussieht. 

Das Design der Verpackungen zeigt neben gestylten Gesichtern, Sternchen und Herzen auch schlanke und springende Frauenkörper, aber die Wirklichkeit sieht nicht immer danach aus. 

5. Was sind die Vorteile oder guten Erfahrungen mit der Pille?

Wer sich auf die Verhütung verlassen kann, fühlt sich sicher, nicht schwanger werden zu können. Dieses Gefühl von Sicherheit, kann man, wenn man so will, als positive Nebenwirkung konstatieren. 

Je nach Pillenpräparat verbessert sich die Haut, man hat weniger Pickel. Aufgrund von Wassereinlagerungen können außerdem die Brüste wachsen, was die ein oder andere Frau freut. Bei Endometriose wird die Pille zu Therapiezwecken eingesetzt, ebenso bei Haarausfall und (Erwachsenen-)Akne. 

6. Was wünschst du dir für die Zukunft der Pille? (also z.B. von ÄrztInnen-Seite, feministischer Seite, oder oder)

Ich wünsche mir allgemein mehr pharmaunabhängige Informationen über die Pille in Form von online-Beiträgen, Druckerzeugnissen, Vorträgen usw. und dass vielfältig über alle Aspekte der Pille gesprochen wird. Abgesehen von Nebenwirkungen hat die Pille noch eine gesellschaftliche, politische und ökologische Bedeutung. Wie man sieht, hat das Verhütungsmittel in so viele Bereiche Einfluss, der Diskussionsstoff wird also niemals ausgehen.

7. Möchtest du noch etwas sagen?

Herzlichen Dank für dieses Interview, littlefeminist!

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass sich meine Recherche als Fotografin ausschließlich auf Deutschland bezieht und der Fokus nicht auf Verhütung liegt. Es ist klar, dass die Pille weltweit betrachtet erfolgreich Schwangerschaften verhindert und das ist toll – schaut man alleine auf  zuverlässige Verhütung.

Was die Informationspolitik im medizinischen Bereich angeht, steht es übrigens um Themen neben der Pille ähnlich „bedenkenswert“: Ich sag‘ nur #wegmit219a

Vielen Dank für die Kooperation ❤

Quellen:

Titelbild: Kathrin Ahäuser

https://giphy.com/gifs/cat-dance-girl-l0HlTmc50CRmHjgty/links

https://giphy.com/gifs/studiosoriginals-solange-26ufbwA5X79NhTefK/links

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