What is Abtreibung? Part II.

Wie angekündigt, habe ich einigen Menschen Fragen zum Thema Schwangerschaftsabbruch gestellt, deren Antworten ich gerne teilen möchte, um das Thema noch weiter auszuleuchten und auch der individuellen Erfahrung mehr Öffentlichkeit zu geben. Denn auch wenn wir uns in unseren Erlebnissen häufig alleine fühlen, teilen wir sie doch mit anderen, da vieles auf strukturelle Missverhältnisse zurück geführt werden kann, wie z.B. die Gesetzeslage und die Tabuisierung von Abtreibung. Vielleicht können die Beiträge dazu anregen, sich mehr über das Thema auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und Scham oder Tabus abzubauen. Ich danke allen für ihr Vertrauen und ihre Offenheit. 

Wie ist dein Zugang zum Thema Abtreibung? (z.B. beruflich, privat etc.)

M: Privat, ich hatte zwei Schwangerschaftsabbrüche. 

S: Ich bin ein biologischer Mann, heterosexuell (also zumindest zu so viel Prozent, dass ich den Rest mal ignoriere, aber den gibt es auch) bin ’67 geboren und beschäftige und engagiere mich (also im Moment mehr so kopfmäßig) mit Themen wie Feminismus und ich war auch mal Teil einer Szene, die sich damals „queer“ nannte. Ich habe mich mit sehr vielen verschiedenen Menschen, überwiegend Frauen über das Thema unterhalten. Ich habe sowohl eine meiner Freundinnen zur „Pille danach“ begleitet, als auch eine gute Freundin als Unterstützer. Bei einer Abtreibung selber war ich nie dabei, das dichteste ist, dass zwei Ex-Freundinnen von mir nach jeweils einer langjährigen Beziehung mit mir direkt nach dem Ende der Beziehung schwanger geworden sind (allerdings beide Male nicht von mir).

A: Das Thema hat mich, bevor ich den Abbruch selbst machen musste, ehrlich gesagt nie wirklich tangiert oder beschäftigt. Es wurde lediglich ein, zwei Mal darüber gesprochen, aus der Situation heraus, innerhalb meiner Familie: Da ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern habe und wir grundsätzlich sehr ehrlich miteinander umgehen, kam das Thema mal auf als meine Mutter mir davon erzählt hatte, dass sie eine Abtreibung hatte. Das war lange vor meiner Geburt, als sie meinen Vater ganz frisch kennen gelernt hatte. Da war mein Halbbruder aus ihrer ersten Ehe schon auf der Welt und grundsätzlich wollte sie mit dem neuen Mann, meinem Papa, an ihrer Seite auch Kinder haben! Der Zeitpunkt war damals jedoch einfach sehr ungünstig, sie in Scheidung, mein Vater gerade mit dem Studium fertig, kein Geld, kein zu Hause. Es passte einfach nicht. Deswegen sind die beiden in einer Nacht und Nebel Aktion irgendwann in den 80ern nach Holland gefahren und meine Mutter musste das Ganze von einem – ich nenne es mal Metzger – über sich ergehen lassen… danach sah es so aus als könnte sie nie wieder Kinder haben und sie dachte natürlich, das sei ihre Strafe. Aber dann kam ich 🙂 Also keine bösen Karma-Punkte wegen einer Abtreibung 😉

L: Ich hatte vor ca. drei Jahren eine Abtreibung. Ich war 23. Es passierte durch ein ungeplantes und unangenehmes Erlebnis mit einem damals guten Freund. Mir war klar, dass ich keine Kinder möchte. Zumindest nicht zu dem Zeitpunkt und den Problemen, die ich mit meiner psychischen Gesundheit hatte.

F: Zugang zu dem Thema habe ich sowohl privat als auch teilweise über die Inhalte meines Studiums (Soziale Arbeit) erfahren.

Woher bekommst du/hast du Informationen zum Thema bekommen?

M: Mühsam! Das Internet war und ist bis heute voll von Seiten, die sich traurigerweise als Informationsseiten tarnen, allerdings keine sind – ganz im Gegenteil. Letztlich habe ich diese Seite gefunden: http://www.abtreibung-web.de, empfohlen von einer ehemals Betroffenen. Dort habe ich alle wichtigen Informationen erhalten und via Wikipedia. Mittlerweile sind allerdings Seiten von z.B. ProFamilia zum Thema ganz gut zu finden.

S: Damals haben sich die Frauen schlau gemacht und zumindest innerhalb der „feministischen Szene“ war Abbruch insofern kein Problem, weil es genug Connection gab. Aber ich lese schon weiter aktuelles zu dem Thema.

A: Als ich den Verdacht hatte, dass ich schwanger bin, habe ich erst einmal, wie man das heute so macht, Schwangerschaftssymptome gegooglt. Dann ganz fix 2 Tests gemacht, am nächsten Tag sofort zu meiner Frauenärztin und danach war es klar. Grundsätzlich hat mir meine Ärztin schon viel und vor allem völlig wertfrei (womit ich nicht gerechnet hatte) über das Thema erzählt. Welche Schritte ich vorab gehen muss mit AWO, usw. und, da sie selber keine Abbrüche durchführt, mich umgehend an einen „Spezialisten“, so nenne ich es mal, weiter empfohlen. Denn in ganz Essen gibt es nur einen einzigen Arzt der Abbrüche durchführt. Das hat mich dann wiederum sehr gewundert.

Details zu den Arten der Abbrüche, usw. habe ich dann vorab aber auch wieder erst via Google Recherche erfahren. Das heißt, als ich bei der AWO saß, um mir meinen „Wisch“ zu holen und auch beim Gespräch mit dem Arzt selbst, wusste ich eigentlich schon alles.

L: Ich habe von meiner Frauenärztin Adressen bekommen, wo ich mich beraten lassen kann. Sie war generell ganz nett bei der ganzen Sache, allerdings hat sie mich hinterher gefühlt als unvorsichtige Person abgestempelt, die zu blöd zum Verhüten ist und hat mehrfach versucht, mich zu verschiedenen Verhütungsmethoden zu drängen. Sehr unangenehm und unsensibel, ohne zu wissen, wie es dazu kam. Ich habe dann einen Termin bei profamilia gemacht und mich zu den Möglichkeiten beraten lassen (Unterstützungsmöglicheiten, und Methoden der Abtreibung und so Sachen). Die Person,  die mich damals beraten hat, war sehr nett und hat mich sachlich informiert. Es war sehr hilfreich und hat viel Druck genommen. Vorher habe ich mich nie wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich war über den ganzen Vorgang sehr überrascht und hätte es mir nicht so vorgestellt. Ich musste zur Beratung und habe erst da Adressen für Ärzte in meiner Umgebung bekommen, die Abtreibungen durchführen. Es waren nur zwei. Das hat das Gefühl es verheimlichen zu müssen und etwas unausgesprochen Verbotenes zu tut irgendwie unterstrichen.

Wenn ich nicht das Gefühl gehabt hätte, es meinen Eltern erzählen zu können und dadurch glücklicherweise (!!!) Unterstützung zu haben, hätte ich das nicht geschafft.

F: Informationen zum Thema habe ich vor allem im Austausch mit FreundInnen, über Pro Familia und unter BMFSFJ.de (Seite des Bundesministeriums) erhalten.

Was/wie sind deine persönlichen Erfahrungen?

M: Jede Frau hat einen Grund. Leider ist das Thema Schwangerschaftsabbruch immer noch ein Tabu. Damals dachte ich, dass es mittlerweile schon ein Thema ist, über das man nicht mehr diskutieren muss, aber als ich selbst Hilfe suchte, merkte ich, wie tabuisiert dieses Thema ist. So wurde beispielsweise vor der Arztpraxis, in der ich damals war, einige Zeit später von Gegnern demonstriert, um somit die Ärzte einzuschüchtern.

Zudem ist es sehr wichtig bei der Wahl der Schwangerschaftsabbruchs-Beratung zu schauen, dass man z.B. nicht bei einer christlichen Stelle landet, sondern im besten Fall bei ProFamilia oder einer anderen nicht konfessionell gebundenen Stelle einen Termin macht. Im Bezug auf christiliche Stellen kann ich nur beschreiben, dass dort teilweise eine starke Beeinflussung stattfindet und man z.B. gegen das werdende Leben argumentieren soll (sprich die Beraterin sagt sie sei die Stimme des ungeborenen Lebens). Neutrale Beratung ist sicher und psychologisch wertvoll, um einen Konflikt zu besprechen, ob für oder wider Abbruch – man benötigt eine vertrauensvolle Anlaufstelle und verständnisvolle Gesprächspartner.

Ich selbst habe eine ambulante Absaugung und einen medikamentösen Abbruch erlebt. Persönlich habe ich den medikamentösen Abbruch als deutlich belastender wahrgenommen. Allerdings sind beide Eingriffe körperlich und seelisch belastend. Wichtig ist ein verständnisvolles offenes Umfeld, offene Ohren, Gespräche. Ich selbst habe einmal eine christliche Beratung erlebt. Es war grauenhaft. Man braucht Ruhe und Verstand, um klar Stellung zu beziehen. Ich würde, wie oben beschrieben, absolut von einer religiösen Beratung abraten und auf eine neutrale Stelle verweisen (auch damit habe ich Erfahrung und ich habe mich psychisch sehr liebevoll begleitet gefühlt).

A: Ich muss tatsächlich sagen: Von vorne bis hinten positiv! Weder bei den Ärzten, noch bei der Beratungsstelle hatte ich das Gefühl, dass man mich verurteilt oder bewertet. Alle waren sehr freundlich und haben mich im Grunde in meiner Entscheidung nur bestärkt. Mir war von vorneherein klar, dass ich den Abbruch will, weil ich einfach keinen Kinderwunsch habe. Das war schon immer so, ich wusste sehr früh, dass ich niemals Mutter sein möchte. Ich glaube, das habe ich damals auch sehr klar zum Ausdruck gebracht, weswegen mir da auch keiner rein geredet hat.

Meine Eltern haben es ehrlich gesagt mit Humor genommen… So im Sinne von „wie die Mutter so die Tochter“ 😉 Nein, im Ernst. Beide meiner Eltern haben mir zu verstehen gegeben, „wir unterstützen dich, egal welche Entscheidung du triffst“!

Mein damaliger Partner hat meine Entscheidung ebenfalls akzeptiert und respektiert. Wir waren zu dem Zeitpunkt auch noch nicht lange zusammen. Im Nachhinein hat er mir einen Vorwurf gemacht. Das kam dann aber erst raus, als wir uns getrennt haben. Die Trennung an sich verlief sehr unschön, ob ich das Ganze also glauben kann, sei dahin gestellt. Ggf. wollte er einfach nur nachtreten. Davon unabhängig, bereue ich die Entscheidung kein Stück!

L: Ich war ziemlich schockiert und verzweifelt, als ich es erfahren habe. Habe mich geschämt, durch die Meinungen zu dem Thema, die ich bis dahin so aufgeschnappt hatte. Ich persönlich war nie gegen Abtreibungen oder habe mir ein Urteil erlaubt, aber es war für mich trotzdem schwer, das auch so zu empfinden.

F: Meine persönliche Erfahrung zu dem Thema war die Unsicherheit darüber, ob eine ungewollte Schwangerschaft vorliegt und wie demzufolge, schnellstmöglich einen Abbruch dessen in die Wege geleitet werden kann. Da ich anhand der symptothermalen Methode meine fruchtbaren sowie unfruchtbaren Tage ermittle, sind Stressfaktoren und akribisches dokumentieren verschiedener Merkmale (Temperatur, Zervixsekret, Zervixlage) mögliche Faktoren, die die Ovulation beeinflussen. Jedenfalls kam es zum Ausbleiben meiner Periode, was ich mir nur durch den Prüfungsstress der letzten Wochen und nachlässiger Dokumentation der Merkmale erklären konnte. Ich war dennoch verunsichert und wollte mich mit einem Schwangerschaftstest absichern. Dieser war dann nicht eindeutig auswertbar und so machte ich mich auf die Suche nach einem/einer FrauernärztIn. Ich saß auf diesem Stuhl im Wartezimmer und bin alle Möglichen Szenarien durchgegangen. Was wäre wenn, wirst du es wirklich machen? Als ich von der ArtzhelferIn gebeten wurde, ihr zu folgen, wurde es mir unwohl. Eine Blutdruckmessung und Urinprobe später gab die ÄrztIn, den für mich erleichternden Satz: „Sie sind nicht schwanger“ wieder. Nach der Routineuntersuchung und einem Ultraschall war klar, dass keine Schwangerschaft vorliegt. Trotzdem blieben für mich einige Fragen offen.

Wie reagiert/e dein Umfeld auf das Thema Abtreibung?

M: Die die davon wussten, haben mit Verständnis, aber auch anfänglicher Distanz (die sich durch Gespräche und sogar selbst gelebte Erfahrung verändert hat) reagiert.

Die meisten haben die Entscheidung nie in Frage gestellt, sondern zugehört und liebevoll reagiert. Allerdings habe ich mich nicht vielen geöffnet und spreche erst im Nachhinein offener über das Thema, denn es ist wichtig. Schwangerschaftsabbrüche lassen Frauen verstummen, auch gegenüber nahen Menschen (Familie & Freunde).

S: Tja, in meinem Alter haben alle/die meisten Kinder und meine Freundin hat schon seit ein paar Jahren ihre Tage nicht mehr. Aber ich glaube, dass sich praktisch alle, die ich kenne mit der Frage schon mal sehr intensiv beschäftigt haben. Und obwohl es, wie gesagt keine Frage mehr ist, die einen direkt selber betrifft, so ist es jetzt dann doch wieder aktuell, weil es die Kinder betreffen könnte. Äh, nein, die Frage betrifft sie sehr wahrscheinlich schon, zumindest dann, wenn sie heterosexuelle Kontakte haben.

A: Grundsätzlich stehe ich dazu, dass ich eine Abtreibung hatte. Ich hänge es nicht an die große Glocke, das heißt, ich laufe nicht durch die Welt und sage „HEY! Ich hatte eine Abtreibung!“ Wenn das Thema aber irgendwo aufkommt, sei es bei Freunden, auch Kollegen oder sonstwo, berichte ich von meiner Erfahrung. Und auch hier hat mir noch nicht einer ein böses Wort an den Kopf geschmissen!

L: Zwischendurch wurde das Thema bei uns zu Hause sehr unsensibel, scherzhaft angesprochen. „Ja pass bloß auf, Abtreibung muss nicht sein, haha.“ So in der Art. Meine Eltern haben aber nie deutlich gemacht, dass sie dagegen sind und so hab ich sie auch nie eingeschätzt. Meine Mum ist immer relativ offen und zieht meinen Papa da zum Glück mit. Da ich keinen besonders festen Freundeskreis habe, hatte ich keine Ansprechpartner, was das Thema angeht. Ich trau mich auch nicht direkt darüber zu sprechen. Ich äußere meine Meinung, wenn das Thema aufkommt, aber ich habe niemandem davon erzählt, dass ich das selber hinter mir habe. Da ich nach dem Termin bei der Frauenärztin heulend zu Hause ankam und absolut überfordert war, hab ich es direkt meinen Eltern erzählt und die waren nicht begeistert, aber haben mich zum Glück nicht verurteilt. Sie sind bis heute die einzigen, die davon wissen.

Bei dem Rest meiner Familie oder Freunden kann ich nicht einschätzen, wie sie darüber denken. Das Thema kam auch nur bei zwei Freunden bisher zur Sprache und die waren geteilter Meinung. Ich glaube, ihre Meinung über mich hatte danach ein paar Kratzer. Aber das sind hauptsächlich Vermutungen, die sich durch die gesellschaftliche Scham in meinem Kopf breitgemacht haben.

F: Mein Umfeld, dem ich mich zu dem Thema und meiner Situation anvertraut habe, hat sehr unterschiedlich darauf reagiert. Zum einen waren es FreundInnen, die einfühlsam und bestärkend auf mich eingewirkt haben, aber gleichzeitig über die Praxen verärgert waren, bei denen ich kein Erfolg hatte. Ich habe mich verstanden und, so gut es von deren Seite aus ging, unterstützt gefühlt. Andererseits gibt es noch meinen Freund, der mir zwar mindestens genauso viel Rückhalt geboten hat, aber indirekt die Botschaft an mich vermittelt hat, dass die Rahmenbedingungen es auch gar nicht anders zugelassen hätten und somit eine Abtreibung die einzig „richtige“ Entscheidungen gewesen wäre.

Was/wen nimmst du als unterstützend und auch als überhaupt nicht unterstützend war? Z.B für Betroffene etc.

M: Unterstützend: Jeden, der neutral und bedingungslos berät und zuhört, Hilfe anbietet und bereit ist, Gespräche zu führen. Feministische Aktionen – Vorträge, Berichte, Demonstrationen.

Nicht unterstützend: Jeden, der einer Frau das Recht auf eine Entscheidung abspricht, wie oben bereits erwähnt, religiöse Beratungsstellen (nicht dass man sich nicht Unterstützung im eigenen Glauben holen sollte, aber man sollte aufpassen, dass es nicht um religiöse Dogmen, sondern um die eigenen Rechte geht). Die gesamtgesellschaftliche, leider viel zu unsachliche Diskussion und das Verfahren gegen Frau Hänel. Vorschnelle Verurteilung, die Presse etc….

S: Unterstützend: z.B. diesen Blog, aber auch Broschüren und sonst jedwelches Infomaterial, das hilft, sich gut zu informieren und darauf aufbauend, eine gute Entscheidung zu treffen. Bücher natürlich (Cyder House Rules ist sehr wahrscheinlich mein Lieblingsbuch zu dem Thema. Hammer ergreifend, wobei man natürlich schon gerne Irving lesen können muss).

Nicht unterstützend: Großteile der Kirche, explizit die katholische und sonstige Menschen und Einrichtungen, die Frauen in Rollen pressen wollen, wie zum Beispiel die der Gebärmaschine. Grundsätzlich sehe ich patriarchale Denkmuster immer als hinderlich an.

A: Wie gesagt, mich haben alle unterstützt – nicht nur Familie und Freunde, auch meine Ärztin und die Dame damals in der Beratungsstelle. Mit der eigenen Familie und auch mit der eigenen Ärztin kann man Pech haben – Betroffenen rate ich daher an, sich mit dem Thema an eine intensive Bezugsperson zu wenden und den Gang zur Beratungsstelle nicht zu scheuen!

L: Unterstützend empfand ich die Beratung bei pro familia und abgesehen davon (Erfahrungs) Berichte, die aufklären und positiven Zuspruch geben.

F: Unterstützung habe ich in meinem persönlichen Fall vor allem durch meinen engeren Freundeskreis erfahren. Da ich eine relative gefestigte Meinung zu dem Thema habe, (bevorzugt Schwangerschaftsabbruch) und die Position meiner Eltern zu dem Thema kannte (bevorzugt keine Abtreibung), war mir bewusst, dass darüber eher wenig hilfreiche Tipps zu erwarten waren. 

Wie/was sind deine Emotionen zum Thema?

M: Schwangerschaftsabbrüche sind real. Es gibt die Welt in der wir leben nicht ohne Schwangerschaftsabbrüche.

Auch wenn die Probleme einer andern Frau nicht die eigenen sind, sollten wir füreinander einstehen, denn wir werden erst frei sein, wenn alle anderen Frauen auch frei sind. Never be a quit woman. 

S: Ich bin bei dem Thema schon auch nicht so klar. Ich möchte nicht einem „etwas“ jedes Recht absprechen, nur weil es noch im Körper eines anderen Menschen ist. Aber Frauen sollten auch das Recht haben zu entscheiden, ob sie ein Kind wollen. Verhütung ist insofern für mich fast schon mehr das eigentliche Thema.

A: Grundsätzlich habe ich da keine Emotion. Ich denke z. B. nicht ein Stück daran, „was wäre wenn“. Ich lebe mein Leben wie vorher auch, mit den üblichen Höhen und Tiefen, die dazu gehören. Und das sage ich nicht einfach so, weil ich „da was verdrängt habe“ oder so. Nein, ich wusste einfach von Anfang an, was ich will und was ich nicht will. Deswegen stehe ich da auch zu und absolut hinter meiner Entscheidung.

Das einzige, was ich ab und zu empfinde, wenn ich zu dem Thema etwas in den Medien sehe oder die Kommentare so mancher, in der Regel männlicher, Trolls im Internet, bei FB, usw., ist Wut. Wut darüber, wie man einen Menschen für diese ganz persönlichen Entscheidungen verurteilen kann. Vor allem, wenn es um eine Situation geht, in der die meisten (weil eben männlich) niemals sein werden. Viele der Frauen und Mädchen fühlen sich schon schlecht genug und im Zwiespalt und wenn sie so etwas dann lesen müssen, macht es das ganze sicherlich nicht leichter.

L: Ich fühle mich selber als Betroffene irgendwie mitverantwortlich, dass das Thema weiterhin so verschwiegen wird, weil ich mich nicht traue offen darüber zu reden und dazu zu stehen. Ich habe große Angst davor verurteilt zu werden. Vor dem Thema hängt in mir ein unsichtbares Schloss. Das empfinde ich als sehr problematisch und belastend. Außerdem habe ich jedes mal, wenn das Thema grob aufkommt Schwierigkeiten und verfalle innerlich in einen Abwehrzustand, weil ich immer damit rechne, mich indirekt verteidigen zu müssen, ohne versehentlich zu äußern, dass ich selber eine Abtreibung hinter mir habe.

F: Während der Zeit, die sich ca. innerhalb 2 – 3 Wochen bewegte, kam oftmals ein Ohnmachtsgefühl auf, gerade als ich von Praxis zu Praxis weiter verwiesen wurde. Ich konnte zum einen überhaupt nicht nachvollziehen, wie unempfänglich manche Menschen bezüglich wichtiger Anliegen sein können, aber auch, dass wirklich keine der Praxen, in denen ich persönlich meine Situation geschildert habe, über die Institutionellen Vorgaben hinwegsehen konnte. Inwiefern schmücken wir uns also eigentlich mit dem Begriff „Sozialstaat“ und ist dieses System nicht schon total überholt und Bedarf radikaler Änderungen? Nach § 76 SGBV herrscht in Deutschland die freie Arztwahl, die ich während meiner Suche als nicht existent wahrgenommen habe. Wie soll man sich denn auch für einen/eine geeignete/n ÄrtzIn  entscheiden, wenn man in der Freiheit dermaßen eingeschränkt wird, gar keine andere Wahl zu haben, als sich mit der letzten Instanz zufrieden geben zu müssen? 

8. Was möchtest du noch sagen erzählen? Was sollen Frauen*/Menschen zu dem Thema wissen? 

S: Auf jeden Fall wäre es schon gut, wenn Mann/Mensch/Frau sicher verhütet und sich dann auch mit der Frage beschäftigt hat, was ist, wenn Frau ungewollt schwanger wird.

A: Grundsätzlich möchte ich Betroffenen sagen, dass sie zu ihrer Entscheidung stehen sollen und sich nicht rein reden oder „überzeugen“ lassen sollen, etwas zu machen oder eben nicht zu machen, nur weil jemand anderes es für besser erachtet. Ich möchte aus meiner eigenen Erfahrung heraus sagen, dass es immer Menschen geben wird, die einen unterstützen und einem helfen. Klingt doof, aber irgendwie gibt es immer eine Lösung (man merkt ggf., das ich Optimist bin^^). Am Ende des Tages muss nämlich diese Person mit der Entscheidung leben und klar kommen. Das gilt sowohl für- als auch gegen die Entscheidung, das Kind auszutragen.

Nicht Betroffenen möchte ich sagen, dass sie kein recht dazu haben, sich ein Urteil zu bilden. Das gilt im Übrigen für fast jegliche Lebenslage! Man kann immer eine Meinung zu etwas haben, das will ich niemandem abstreiten. Aber ich habe für mich gelernt, solange ich nicht selbst in einer bestimmten Situation stecke, kann ich auch nur ganz schlecht beurteilen „was ich in dieser Situation tun würde“.

L: Ich finde es schrecklich, dass es einem so schwer gemacht wird und so viele Hürden gestellt werden. Nicht jede/r hat ein unterstützendes Umfeld und ich kann mir nicht vorstellen wie viel Kraft es kostet, da alleine durch zu müssen.

F: Da in Deutschland rund 41 Millionen Frauen leben, was ca. die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmacht, sollte das Thema Abtreibung mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jene irgendwann mal in eine solche Situation kommen oder bereits gekommen sind, ist demnach sehr hoch. Nutzt eure Stimme und redet über eure Erfahrungen, tauscht euch aus und solidarisiert euch für die Bedürfnisse der Frau. 

Was wünschst du dir von feministischer Seite? 

M: Für das Recht auf eine Entscheidung weiterhin einzustehen und zu kämpfen! Ein Umfeld zu schaffen, in dem Frauen sich mit ihren Sorgen und Nöten ernst genommen fühlen. Schulter an Schulter zu stehen und füreinander einzustehen. Ob für oder gegen einen Abbruch, wir sollten für das Recht der Frau auf ihren einen Körper einstehen und bedingungslose Solidarität anbieten. Vielleicht denen, die keine Stimme haben, die Möglichkeit bieten für sie zu sprechen und ihnen Kraft und Mut vermitteln, nicht schweigen zu müssen. 

S: Als Typ? Na, das Thema weiter hochhalten und die Männer ordentlich auf den Pott setzen, wenn sie sich darum drücken. Typen sollen sich untereinander damit beschäftigen und natürlich mit ihren Freundinnen im Austausch bleiben

A: Was mich damals tatsächlich schockiert und wütend gemacht hat, ist wie der Gesetzgeber das Thema behandelt. Im Grunde ist es ja so, dass eine Abtreibung nach wie vor strafbar ist und lediglich nicht geahndet wird. Das macht Frauen, die das Ganze durchmachen müssen im Grunde zu Kriminellen (krass ausgedrückt). Das muss sich ändern! Dieser Paragraf muss ein für alle mal gestrichen werden.

Auch habe ich den Fall der Ärztin verfolgt, die  „Werbung“ für Abtreibungen auf Ihrer Website gemacht haben soll und dafür verurteilt worden ist. Da krieg ich Puls! Dass ein Richter den Unterschied zwischen Werbung und Information nicht erkennt, oder besser erkennen will, macht mich unsagbar wütend.

F: Seitens der FeministInnen habe ich keine konkreten Wünsche, erhoffe mir aber dass der Slogan „my body my choice“ durch gemeinsames Handeln an Wirkung gewinnt.

 

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