What`s a (Crazy) Cat Lady?

Ich wäre gerne eine Cat Lady. Bzw. will ich eigentlich unter keinen Umständen eine Lady sein, denn was soll das eigentlich heißen (??), aber ich will eine Katze. Zum Kuscheln und so. Hab aber keinen Platz und auch nicht genug Zeit. Trotzdem frage ich mich, warum ich eine Cat Lady wäre, wenn ich eine Katze hätte und mein Mitbewohner einfach nur ein Typ mit Katze. Also habe ich mal versucht, mich schlau zu machen, woher das Bild der (Crazy) Cat Lady kommt und was es bedeutet.


Widmen wir uns erstmal den Katzen und Menschen im allgemeinen. Seit gut 10000 Jahren gibt es Gemeinschaften zwischen beiden Gattungen. Es wird davon ausgegangen, dass Katzen sich (ganz praktisch veranlagt) den Menschen angeschlossen haben, als diese anfingen Ackerbau zu betreiben und somit Kornspeicher anlegten, die wiederum Mäuse anzogen, die dann wiederum die Katzen leicht jagen konnten. Where there is cheese there are rats, where ever there are rats there are cats….usw. 2004 wurde auf Zypern ein rund 9.500 Jahre altes Grab gefunden, indem sich ein Mensch mit einer Katze beerdigen ließ. Es ist der älteste Fund einer Katze als Haustier. Leider weiß ich nicht, ob der Mensch Mann* oder Frau* war. Denn theoretisch könnte es sich ja um die aller erste Cat Lady der Welt handeln – aber ich spekuliere nur. (Vgl. Kelis und https://www.br.de/themen/wissen/katze-hauskatze-haustier-geschichte-100.html)

Nun wissen wir also, dass Menschen sich schon seit langer langer Zeit Katzen als Haustiere halten. Aber wann kamen dann speziell die Frauen* ins Spiel? Ganz genau konnte ich das nicht heraus finden, aber ein paar Anhaltspunkte habe ich doch ausfindig gemacht. So wurde im alten Ägypten eine Göttin verehrt, die halb als Frau*, halb als Katze dargestellt wurde. Yay, that`s a cool Cat Lady! Eine weniger schöne Verlinkung gab es zur Zeit der “Hexenverfolgung”. Die Kirche verfolgte und verbrannte “Hexen”, also Frauen* und gleichwohl Katzen – also auch Frauen* mit Katzen. Denn beide sollten im Bunde mit dem Teufel sein. Ja, klar. 

Doch der Begriff der Cat Lady meint ja weder eine starke Göttin, noch eine “satanische Hexe”, sondern bezieht sich auf eine (ältere) alleinstehende Frau*, die keinen Mann abbekommen hat und der deshalb nichts übrig bleibt, als mit ihren Katzen abzuhängen. Obwohl sich das mit den Katzen abhängen ganz nett anhört, soll der Begriff doch ursprünglich eher darauf hinweisen, dass diese Frau* bemitleidenswert und einsam ist. Im Gegensatz zu allen Frauen*, die mit schrecklichen Ehemännern dasitzen. (Aber das ist ein anderes Thema.) Zu verdanken haben wir den Begriff zu aller erst Charles Dickens, der den Charakter Miss Havisham in Great Expectations als vereinsamte reiche und irgendwie gruselige alte Jungfer porträtiert. Zudem wurden im Engald des 18. Jahrhunderts unzählige Cartoons veröffentlicht, die alte alleinstehende Ladies (Lady meint übrigens einfach eine Frau* mit einem hohen „sozialen Status“) dabei zeigten, wie sie Ihre Katzen beerdigten oder mit diesen ein Konzert jaulten. (https://www.bostonglobe.com/ideas/2017/05/20/the-crazy-history-cat-lady/5DJaZf5QW0KPv8KTYBBGPO/story.html)

In den 1960er Jahren verbreitete sich der Begriff (z.B. durch einen Artikel im New Yorker) und wurde in den darauffolgenden Jahrzehnten u.a. durch das Buch und den Film Clockwork Orange geprägt. Hier wird die Crazy Cat Lady übrigens mit einem riesigen Penis ermordet. That doesn`t sound good to me.

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(Cat Lady Death – ‚A Clockwork Orange‘ (HD)/https://www.dictionary.com/e/pop-culture/cat-lady/)

Die Simpsons und hunderte Witze und Geschichten folgten. Der Begriff scheint aber vor allem einer Zeit zu entspringen, in der der gesellschaftliche Blick auf die Ehe noch von hoher Bedeutung war. Wenn es das höchste Ziel, einer Frau* ist, einen Mann* zu bekommen, braucht es Beleidigungen für die, die dies nicht erreichen, um deutlich zu machen, dass sie in der Gesellschaft nicht mehr vorkommen. Dass sie seltsam und verrückt sind. Die Crazy Cat Lady ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass eine Frau* ohne Mann* nicht unabhängig, sondern verloren ist und keine alternativen Lebensentwürfe außerhalb der Ehe zu finden seien, die nicht darin münden, dass man (als Frau*) allein und einsam endet. Die Katze ist also ein Symbol für Einsamkeit, ausgestoßen sein, Verrücktheit, sozialen Ausschluss und somit Teil einer höchst misogynen Erzählung. Das ist nicht fair- weder für Frauen* noch für Katzen*. 

Zum Glück hat sich der Begriff mittlerweile in seiner Bedeutung gewandelt. Die Cat Ladies haben sich das Wort angeeignet und die Verwendung hat sich durch die sozialen Medien und (wahrscheinlich) Katzenvideos eindeutig ins positive gewandelt. Die Ehe ist nicht mehr so wichtig (außer für manche, ok viele, aber ich will jetzt nicht darüber reden) und Katzen kann man auch haben, wenn man nicht alleine, alt und weiblich* ist. Die Kirche interessiert sich auch nicht mehr so sehr für Katzen. Glaube ich. 

Zudem spricht man nun zumeist von der Cat Person. Ist eh viel besser, denn damit sind nämlich alle Menschen gemeint!

Oh und falls ihr eher eine Dog Person seid… ist eh alles das gleiche. Hund und Katze stammen nämlich vom selben Prototypen ab: dem Dormaalocyon latouri. Diesem wird eine Verwandtschaft mit allen heutigen Raubtieren bescheinigt, mit Bär, Robbe, Löwe, Wolf, Wiesel oder Tiger. Tja. (https://www.br.de/themen/wissen/katze-hauskatze-haustier-geschichte-100.htm)

 

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