Soft Ass Bitch

Starke Frauen, Power Frauen, Boss Ass Bitches, Girlbosses. All diese Begriffe werden uns von verschiedener Seite um die Ohren gehauen. Magazine, Songs, Blogs etc. erklären uns, wie wir stark, schön, cool, besonders, politisch, heiß, unabhängig und sonst was sein können. Und auch wir selbst glauben häufig an diese Bilder. So saß ich letztens mit einer Freund*in in der Küche und sie erzählte mir von ihrem aktuellen Projekt bei der Arbeit. Plötzlich fing sie an zu weinen und erklärte, dass sie sich ständig als Versagerin fühle, die nicht so clever sei, wie ihre Mitstreiter*innen, nicht so belesen, nicht so leistungsfähig und einfach keine Powerfrau. „Hey“, sagte ich. „Das ist doch ein absolut furchtbares Bild. Powerfrau, was soll das sein? Das ist ein scheiß Bild. Wir haben alle unserem Stärken aber auch Grenzen und zum stark sein, gehört es auch, Schwäche einzugestehen und ok zu finden, oder? Wir müssen nicht alle das gleiche leisten.“ Ha, da klopfte ich mir auf die Schulter. So smart. 24 Stunden später heulte ich in meinem Bett, weil ich genau unter dem gleichen Problem litt. Ich musste mir eingestehen, dass ich es nicht so oft zum Training schaffte wie andere, bei der Arbeit nicht so fit war, meine Freundschaften vernachlässigte, mich nicht gut und schön und ok und clever und leistungsfähig fühlte, sondern schlapp und dumm und langweilig. Dabei müsste ich doch wissen, dass das alles nicht so wichtig ist und auch ich Grenzen habe. Mein Wert von sowas nicht abhängt.  Aber ich wollte mithalten. So stark und leistungsfähig wie alle anderen sein. Dabei fit aussehen. Nicht müde und zerknautscht. Ich war auch keine Powerfrau. Damn!

Wie kommt es, dass wir uns nicht von Bildern lösen können, die wir eigentlich scheiße finden? Und an was wollen wir uns da eigentlich anpassen?

Gofeminin beschreibt die Powerfrau wie folgt:    (https://www.gofeminin.de/mein-leben/weltfrauentag-s1747995.html)

  1. Du hast deine eigene Meinung.
  2. Du rennst nicht jedem Trend hinterher.
  3. Du packst zu Hause mit an.
  4. Du bist eine starke Partnerin.
  5. Du machst dir nichts aus unrealistischen Schönheitsidealen.
  6. Du bist Nobody’s darling!
  7. Your home is your castle
  8. Du bewunderst andere Powerfrauen
  9. Du bleibst ruhig, auch wenn es mal stressig wird.
  10. Du bist unabhängig.

Eh nee, wenn es stressig wird, dann werde ich wütend und nörgelig, außerdem krank. Zudem finde ich, dass mein Partner* eigentlich mal stark sein sollte und mehr emotionale so wie Care Arbeit übernehmen sollte, weil es scheiße ist, dass Frauen* dass immer machen sollen. Außerdem bin ich abhängig von meinen Freund*innenschaften und Menschen, die mich supporten. Schönheitsideale finde ich blöd, aber klar beeinflussen sie mich und ich will sie nicht ignorieren, sondern abschaffen, trotzdem heule ich manchmal, weil sie mich so scheiß viel beeinflussen. Zu Hause habe ich keinen Bock Regale aufzubauen, Wasser anzuschließen oder die Spüle zu reparieren, weil mir das keinen Spaß macht und ich das nicht machen will, nur weil ich eine Vagina habe. Meine männlichen* Mitbewohner haben da nämlich auch keinen Spaß dran. Holen wir uns eben eine Handwerker*in. Ah ja und ich habe eine Meinung und die vertrete ich, aber manchmal ist sie falsch oder ich bin mir unsicher, ob ich das Richtige sage. Und ich will vielleicht nicht everybody`s darling sein, aber ich will schon, dass Leute mich mögen irgendwie. I care, I`ve got feelings, I am not always tough.

Ok, eh klar, dass das ziemlich differenzfeministischer Content ist, der von Frauen* erzählt, die in Führungspositionen sollen und absolut im kapitalistischen Denkmuster bleibt. Bla Bli Blu. Lese ich dann weiter durch queerfeministische Kontexte ändert sich das Vokabular. Da ist man eher ein Girl*boss oder eine Boss Ass Bitch. Boss Ass Bitch kling schon eher empowernd, aber was ist gemeint? So genau steht das da meist nicht.

Das Urban Dictionary sagt Folgendes:

An independent queen whos working for everything shes got and is too hot to trot. Excels in everything she does and does it better than everyone else. Not someone to be messed with; might be little but is pretty ripped.
Keine Ahnung, wer das da rein schreibt? irgendwer? Naja. Ansonsten finde ich auch nicht allzu viel, außer das:
  1. Guys are legitimately intimidated by you. 

  2. You have a killer career. 

  3. People look up to you.

  4. Heck, you can’t help but notice that people tend to copy your actions. 

  5. You have absolutely no problem going after what you want.

  6. Your sense of style is on point, every day.

  7. You refuse to waste time with losers. 

  8. You never were a follower.

  9. Your inbox is always filled with event and party invites.

  10. People tend to hate on you for the most idiotic reasons. 

  11. You don’t obsess over leading a Pinterest-perfect life.

  12. People know better than to mess with you

  13. You don’t rely on anyone but yourself.

  14. In relationships, you call the shots more often than not.

  15. You don’t ask for respect – you command it.

 

Not! My inbox is never filled with party invites and I rely on loads of people. I also like losers, who dont`t have a killer career.

Auch hier scheint es, dass alle empowernden Begriffe mit Ansprüchen gefüllt sind, die kein Mensch erfüllen kann. Überall lauern Ideen von Beliebtheit, Coolness und absoluter Toughheit…ist das ein Wort? Egal. Und ja klar, brauchen wir Empowerment, Bilder von starken, diversen Frauen*/Menschen, die sich wehren, politisch aktiv sind und sich nicht abhängig von patriarchalen Bildern machen. Und dafür brauchen wir Begriffe. Aber irgendwie scheinen diese sich selbst nicht allzu divers zu gestalten. Vielmehr erzählen wir uns weiter, dass wir ein Verhalten oder Bild von uns annehmen sollen, dass wir eigentlich als gesellschaftlich männlich* geprägt lesen würden und von dem wir uns ja ganz klar abgrenzen wollen. Stark, aggressiv, mackrig, unemotional, unabhängig, selbstbewusst, kämpferisch…. usw. Und auch wenn wir Mut, Kraft und Stärke brauchen oder dass ein Weg ist sich zu wehren und beschissene Verhältnisse zu ändern, sollten wie aufpassen, dass wir nicht genauso neoliberal werden, wie die Gesellschaft. Dass wir nicht alles alleine tragen können. Dass wir nicht alles immer richtig machen können. Dass wir nicht immer alles gut machen werden. Dass wir nicht immer unabhängig sein können. Dass wir Communities und Unterstützung brauchen. Dass wir Kollektive für Veränderung benötigen. Dass die Einzelperson von der Gruppe lernen muss und nicht schon alles weiß. Das Fehler okay sind. Dass Schwäche zulassen, Stärke bedeuten kann. dass wir uns von diesen Bildern lösen, anstatt uns von ihnen zerfressen zu lassen.

I am more like a soft ass bitch, maybe ❤

 

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