Being a Mother*

(In diesem Text soll das * darauf aufmerksam machen, dass Mutter*, Vater* oder Eltern* sein divers sein kann und einem gesellschaftlichen Bild zu Grunde liegt, dass auch anders gedacht werden kann.)

Ich weiß nicht, was es bedeutet, Mutter* zu sein. Nur in der Theorie. Und dabei denke ich vor allem an Verantwortung, Ansprüche und Care Arbeit. Zudem habe ich Angst vor der Schwangerschaft und wäre viel lieber ein Vater* – vor allem gesellschaftlich. Denn immer noch wird dem Vater weniger Verantwortung zugeschrieben und viele Verhaltensweisen eher toleriert. Kümmert sich ein Vater* weniger, backt keinen Geburtstagskuchen, spricht nicht mit den anderen Eltern etc., ist das ggf. nicht so toll, aber so richtig erwartet wird es auch nicht. Von der Mutter* in jedem Fall. Wenn der Vater* es dann doch tut, z.B. den Kuchen backen, wird das hoch gelobt. Bei der Mutter* ist es normal. Also versteht mich nicht falsch, ich würde schon Kuchen backen, aber der gleich bleibende gesellschaftliche Blick löst in mir so viel Druck aus, dass ich denke, dass ich keine Mutterschaft will. Auch wenn ich selbst bei meinem alleinerziehenden Vater* aufgewachsen bin, der all meine Kuchen gebacken hat und somit weiß, dass Rollenmuster anders funktionieren können, weiß ich doch auch, wie schwierig es ist, dies umzusetzen. Will man Modelle anders Leben stößt man auf viele Widerstände. Männer* verdienen immer noch mehr, was eine nicht-klassische Rollenverteilung schwer machen kann. Als Eltern* werden meist die leiblichen Eltern* gedacht, andere Vorstellungen scheinen immer noch fremd. Nicht-heteronormative Eltern*schaften werden nicht mitgedacht oder anerkannt, häufig sogar feindlich beäugt, auch politisch. Will man nicht in die klassische Kleinfamilie, gibt es doch wenig Optionen anders zu wohnen. Will man aber gern als klassischere Familie leben, wird dies  auch wieder als langweilig /negativ empfunden usw. usw. 

Zudem ist es schwierig über Mutter*schaft zu schreiben und sprechen, da der Begriff weiterhin der Mutter* die Hauptrolle in Sachen Kindererziehung zuschreibt. Spricht man aber nur über Eltern*schaft, wird vielleicht nicht mehr darüber diskutiert, dass es eben nach wie vor unfaire Verteilung und unterschiedliche Ansprüche an Mütter* und Väter* gibt. Da dieser Blog feministische Blickwinkel beleuchten will, habe ich ich beschlossen erstmal über die Rolle der Mutter* zu schreiben und daran eine neue Idee der Eltern*schaft zu knüpfen oder hier einen Möglichkeitsraum zu eröffnen.

Aaaaaber da ich ja, wie gesagt, keine Ahnung habe, selber keine Mutter* bin, es viele Blickwinkel gibt, ich bisher nicht von schönen Aspekten und Liebe und alldem gesprochen habe, ist es sinnvoller, Expert*innen zu diesem Thema zu befragen. Das habe ich in den letzten Wochen gemacht und mir einige Fragen von Müttern* beantworten lassen, sodass vor allem diese zu Wort kommen. Ich möchte mich bei allen Beteiligten herzlich bedanken und hoffe, dass wir in Zukunft alle mehr ins Gespräch kommen: 

(Die Namen der Befragten habe ich anonymisiert)

Was ist deine Vorstellung vom Mutter*sein? Was bedeutet für dich Mutter*schaft?

A: “Mutter zu sein bedeutet für mich, in jeder denkbaren Hinsicht die Verantwortung für zwei (kleine) Menschen zu übernehmen und auch die Verantwortung dafür, all ihre grundliegenden Bedürfnisse zu befriedigen. An sieben Tagen pro Woche, 365 Tage im Jahr.”

B: “In erster Linie Verantwortung. Verantwortung für einen kleinen Menschen und Begleitung dabei, eine Persönlichkeit zu entwickeln. Es bedeutet viel Freude und viel Anstrengung. Die Aufgabe des bisherigen Lebens und der eigenen Unabhängigkeit. Veränderung der Partnerschaft – es sind nun immer drei Menschen (wenn auch nicht immer physisch, so aber doch im Kopf).”

C: “Mutterschaft bedeutet für mich ein neues Leben zu begleiten und den kleinen Menschen zu unterstützen, zu fördern, aber auch fordern, zu lehren und erfahren zu lassen. Alles unter der Prämisse der “Liebe&Respekt” für alle. Das klingt jetzt sehr holistisch und ideal, ist aber die oberste und abstrakte Vorstellung meiner Aufgabe als Mutter. Auf einen kleinen Teil runter gebrochen würde ich sagen, dass ich eine genauso gute Mutter sein möchte, wie meine Mutter es mir war. Egal, wo man im Leben steht einen festen Anker zu haben, zu welchem man jederzeit zurückkehren kann. Natürlich möchte ich auch manches besser machen und meine eigenen Fehler gering halten, um ein lebensfrohes Kind seinen eigenen Weg finden zu lassen. Bedingungslose Liebe umreißt es wohl ganz gut.”

D: “Für das Wohlergehen meiner Kinder verantwortlich zu sein. So krass verantwortlich habe ich mich vorher noch nicht gefühlt. Für mich ist das ein gutes Gefühl. Mutter sein ist für mich auch: Ganz automatisch so viel Liebe zu empfinden…vorbehaltlos und bedingungslos.”

Welche Ansprüche werden dir von welcher Seite entgegen gebracht?

D: “Von den Kindern (ich habe zwei Töchter, sie sind 8 und 10 Jahre alt): Meine Kinder wollen geliebt und versorgt werden. Sie können zwar selbst zum Bäcker gehen und sich dann ein Brot schmieren, wissen aber natürlich, dass ihre Eltern sowohl für Nahrung als auch die anderen Bedürfnisse zuständig sind. Eben auch für Sicherheit und Anerkennung. Wenn der Mückenstich zu sehr juckt, erwarten sie, dass ich mir etwas einfallen lasse; wenn sie kreativ sind, wollen sie, dass ich ihre Werke bewundere etc. Das sind kleine Alltagsbeispiele, aber genau mit diesen habe ich tagtäglich zu tun. 

Von meinem Partner (das ist auch der Vater meiner Kinder): Dass ich schulische Dinge, die Betreuung der Kinder sowie deren Freizeitaktivitäten (Sportvereine, Musikschule, Freundschaften) organisiere und den Überblick behalte.

Von der Familie (Eltern meines Partners, meine Mutter) wird hauptsächlich Kommunikation erwartet: regelmäßige Berichterstattung und Dokumentation in Form von Fotos, sie wollen auf dem Laufenden sein über Schulisches, Freizeitgestaltung und die körperliche und geistige Entwicklung meiner Kinder. Dazu wird erwartet, dass regelmäßig Kontakt hergestellt wird zwischen den Kindern.

Von Freund_innen: Innerhalb meines engen Kreises von Freund_innen hat sich hinsichtlich der Ansprüche an mich nichts geändert seit ich Mutter bin.

C: “Oft wird mir das Gefühl vermittelt bzw. kommt es bei mir so an, als wäre ich ein wenig unwissend bezüglich der ganzen Schwangerschafts-/Kinder-Themen. Gerade bei den verschiedenen Ärzten wird viel Wissen vorausgesetzt. Ich habe keine negativen Erfahrungen damit gemacht, mir ist es nur aufgefallen, dass ich vieles erfragen musste und das obwohl ich die Lektüren, mit denen man an diesen Stellen überschüttet wird, auch gelesen habe. Man muss sich wirklich viel Wissen selbst erarbeiten und, viel wichtiger, die eigene Meinung daraus formen.

Im öffentlichen Raum habe ich das Gefühl funktionieren zu müssen – und das Kind ebenfalls. Schreiende Kinder bedeuten anscheinend, die Mutter hat das Kind nicht im Griff (eigentlich an der Stelle auch ein echt doofer Ausdruck). Ich bin mit einem sehr entspannten Kind gesegnet und trotzdem werde ich nervös, wenn sie in der Öffentlichkeit schreit und ich sie nicht beruhigen kann. Ich möchte nicht hilflos oder überfordert erscheinen.

Zu einem großen Teil mache ich mir sicherlich selbst den schlimmsten Druck, aber man registriert die Blicke und die leisen Kommentare, die seitens (meistens älterer weiblicher) Personen kommen. Das Bild der Perfektion herrscht noch immer vor. Natürlich auch beim Aussehen. Deine Stories über die einschlägigen Magazine machen es vor.

Auch wenn ich es für mich besser weiß und Leute um mich herum habe, die die gleichen Ansichten haben, wird mir von den Medien suggeriert, dass ich nach der Geburt das Ziel haben sollte, möglichst schnell wieder fit zu sein und dem gesellschaftlichen Idealbild möglichst nahe zu kommen. Da dies sowieso ein Problem unserer Zeit ist, hat sich dies auch in mir manifestiert und ich merke, dass ich mich vergleiche und die Akzeptanz gegenüber meines veränderten Körpers an manchen Tagen ziemlich schwer fällt. Dabei hatte ich noch nie so ein intensives Verhältnis zu meinem Körper (auch wenn ich vorher durchaus schon ein gutes Bewusstsein für mich selbst hatte).

Ebenfalls denken Freunde (leider immer noch öfter männliche), dass ich nun Zeit für alles und jeden habe. Mutter sein ist nun mal eher Aufgabe als Job in ihren Köpfen. Auch wenn es oft Verständnis gibt („Ich weiß ja, dass ein Kind mehr Arbeit macht, als man denkt“), so ist man doch oft die Mutter, die das Kind zuhaus beschäftigt und rumhängt. Die physischen Aufgaben (Wickeln, Stillen, auch der Haushalt) werden schon wahrgenommen, aber die emotionalen Komponenten (Erschöpfung, weil man das Kind nicht ablegen kann, sonst schreit es; Reizbarkeit durch Schlafmangel, Unausgeglichenheit/Wut, weil man auch mal ganz allein sein will) fallen oft hintenüber oder werden dem Wochenbett zugeteilt. Ich glaube auch, dass diese durchaus normalen Gefühle oftmals dem weiblichen Geschlecht stereotypisch zugesprochen werden (Vgl. Hysterie). Dabei sind es Gefühle von denen mein Partner genauso berichtet. 

A: “Von mir als Mutter und uns als Eltern wird von der Gesellschaft und unserem Umfeld sehr viel erwartet. Da treffen fiktive, gesellschaftliche „Normen“ auf unsere bedürfnisorientierte Erziehung. Menschen haben ja, zumindest in der Theorie, eine Vorstellung davon, wie Kinder „sein sollten“ (ohne Anführungszeichen kann mensch das echt nicht ausschreiben).”

Welche Ansprüche bereiten dir Probleme und warum?

D: “Von anderen Eltern: Interessanterweise empfinde ich die Ansprüche anderer Eltern anstrengend. Im Gegensatz zu den oben genannten Ansprüchen, die mich zwar manchmal stressen, die ich aber legitim finde. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass “andere Eltern” oft Menschen sind, zu denen man keine engere Beziehung pflegt. Bei mir fing das Generve an als ich sichtbar schwanger war. “Andere Eltern” begegnen mir beim Einkaufen, im Bus, auf dem Spielplatz und  in den zahlreichen Kursen (Geburtsvorbereitung, PeKiP, Krabbelgruppe, etc.), bei allem, was mit Schule zu tun hat und natürlich im Internet. Auch die Eltern der Freund_innen seiner Kinder kann ich mir nicht aussuchen. Die Ansprüche sind, dass ich für alle Themen rund um Familie, Kinderkrankheiten, Erziehung, Haushaltsführung, etc. jederzeit brennend interessiere. Vor allem als meine Töchter noch im Säuglingsalter waren, konnte ich die Gespräche rund um Wickeln, Stillen, Tragetücher, Schlafrhythmus etc. teilweise kaum ertragen. Mittlerweile fällt es mir leichter, mich abzugrenzen. Teilweise bin ich krasse Außenseiterin in der Elternschaft der Schule, weil ich nie einen Waffelteig spende, nicht in der WhatsApp-Gruppe der Klasse bin und noch nie beim Elternstammtisch war. Daraus spricht eben der Anspruch der Eltern, dass ich Zeit in diese Aktivitäten investiere. Wohlgemerkt ich, nicht mein Partner. Berufstätig sind wir beide.

Dem Anspruch eine Super-Mum zu sein, der einem via Social Media vermittelt wird, werde ich kaum gerecht: Meine Kinder sind weder sportlich, musisch noch intellektuell hochbegabt. Ganz normale Kinder. Ich habe mich bei Facebook abgemeldet als meine Kinder noch klein waren, weil ich das Gefühl hatte, selbst Bekannte legen Wert auf die perfekte Außenwirkung als Happy Family. Ich bin nicht perfekt organisiert… Beruf, Familie, Beziehung, Haushalt… es gab keinen Tag, an dem ich das alles so hinbekommen hätte, dass es so ausgesehen hätte wie der “Alltag” der Super-Familien. Ich habe auch keinen Bock auf Weltreise zu gehen mit meiner Familie. Ich finde meine Kinder auch mal scheiße, ganz ehrlich! Ich bin auch mal depri und hänge unmotiviert auf der Couch herum, statt Quality-Time mit den Kindern zu verbringen.”

A: “Leise, höflich und zuvorkommend, ordentlich und hübsch angezogen, oder wild, mutig und stark, in den gendergerechten Farben Rosa und Blau wenn es geht. Das macht mich noch ziemlich oft ziemlich wütend. Stereotype Gendernormen bringen wir unseren Töchtern nicht bei.”

Wie reagieren Menschen auf dich als Mutter*? Wie reagieren sie ggf. auf den Vater*/andere erziehungsberechtigte Personen?

D: “Unterschiedliche Reaktionen gibt es auf unsere Arbeitseinteilung, er leistet mehr Care Arbeit als vielleicht andere Väter. Mein Partner kümmert sich z.B. um alles, was mit dem Essen zu tun hat. Er geht einkaufen, kocht, spült, schmiert die Pausenbrote usw. Das finden Menschen oft Bemerkenswert und es wird bei jedem Familientreffen hervorgehoben. Auch, dass er “so viel unternimmt” mit den Kindern, wird oft von Nachbar_innen bemerkt, obwohl ich nicht weniger als er unternehme. Fremde Menschen halten mich oft für die Nanny, da eines meiner Kinder weiß und blond ist (ich Schwarz). Der Vater ist weiß, obwohl seine Hautfarbe sich von der der anderen Tochter unterscheidet, dachte noch niemand, dass er Nanny ist.”

B:Freundlicher, hilfsbereiter, man wird sehr oft angelächelt (von Fremden). Im Freundeskreis: bei manchen ist man nicht mehr so „auf dem Schirm“, vielleicht aus Rücksicht oder aus der (manchmal falschen) Annahme, man habe jetzt anderes zu tun.

Interessierter an einem und wie es einem so geht (auch schon in der Schwangerschaft). Dem Vater wurden diese Fragen aber kaum gestellt.”

C: ”Man wird tatsächlich mit positivem Zuspruch überhäuft. Aber natürlich wird einem auch niemand ins Gesicht sagen „Du hast ja ein Kind. Das finde ich ja richtig doof.“ Zumindest hoffe ich das doch sehr. Den schönen, interessierten und meist respektvollen Worten folgt manchmal jedoch ungefragt eine Rechtfertigung warum der/diejenige noch oder keine Kinder hat. Als ob, sie sich entschuldigen müssten, dieses „Lebensziel“ (kann, muss aber nicht!) nicht erreicht zu haben. 

Viele Freundinnen sind gespannt auf die Erfahrungen und fragen viel. Ich war überrascht, dass 2-3 Personen im männlichen Umfeld sehr an dem Thema interessiert sind und mit mir tiefer ins Gespräch gehen. Es ist schön zu erfahren, dass es eben nicht nur ein Frauenthema ist. 

In Bezug auf Männer merke ich schon, dass ich auf weniger Interesse stoße. Mit meiner Tochter unterwegs werde ich als Mutter wahrgenommen. Bei meinem Partner hingegen fällt mir auf, dass dieser selbst mit Baby vor dem Bauch geschnallt auf großes Interesse bei den Frauen stößt. Eine richtige Erklärung habe ich dafür nicht. Aber selbst eine Kommilitonin von mir folgt auf Instagram dem Account dilfs_of_disneyland. da frage ich mich: werden hübsche Männer durch Kinder noch sexier? Bei Frauen scheint es eher ein “sie ist trotz Kindern sexy“ zu sein.”

A: “Als meine große Tochter noch ein kleines Einzelkind war, hatten wir mal eine Kinderärztin, die mich ganz offen nicht für voll genommen hat, weil ich damals 21 war. Abgesehen davon haben weder ich noch der Vater meiner Kinder negative Erfahrungen gemacht, was die Reaktionen der Menschen auf unsere Elternschaft angeht.”

Was hat sich am meisten verändert seit du Mutter* bist?

D:Ich bin fast nie alleine. Ich hatte vorher nie das Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit und habe immer freiberuflich gearbeitet. Das änderte sich als ich meine erste Tochter bekam und ich begann ein Lehramts-Studium als sie ein paar Monate alt war.”

C: “Am meisten mein Körper, die Beziehung zu meinem Körper, meine Wahrnehmung (schneller reizüberflutet) und mein Denken über mich selbst. Ich bin viel entspannter geworden und viele scheinbar wichtige Dinge haben an Bedeutung verloren. Das ist eine tolle Sache! Ich bin sehr geerdet.”

B: “Die Paarbeziehung: man ist nicht mehr zu zweit, sondern immer (wenn auch nicht immer physisch, aber doch gedanklich) zu dritt.”

A: “Mein Leben. Klingt abgedroschen, entspricht aber völlig der Wahrheit. Unsere Prioritäten wurden komplett neu gewürfelt, als ein Baby bei uns einzog. Unser Tagesablauf, jeglicher Rhythmus und Flow, alles hat sich neu sortiert. Die größte Veränderung, in meinen Augen, war die Ermangelung von Zeit zu zweit. Unsere Familien können uns da nicht so entlasten, wie wir es als Familie mit zwei Kindern häufig dringend nötig hätten.”

Was bedeutet Elternschaft für dich?

B: “Ganz viel lernen. Viel lernen über sich und über das Leben…es bedeutet für mich einen Menschen zu sehen, der aus ein paar Zellen zu einer Persönlichkeit wird. Es bedeutet Verantwortung zu übernehmen, für den kleinen Menschen, aber auch für sich und die Beziehung.

Es bedeutet für mich auch Gebundenheit, eine gewisse „Freiheit“ ist erstmal weg.”

C: “Das magische Dreieck Kind – Vater – Mutter harmonisch zu leben. Die drei Beziehungen untereinander zu halten und zu pflegen. Sich als Paar nicht verlieren und die Aufgaben als Mutter und Vater zu meistern. Gemeinsam und jeder für sich. Wie von den Hebammen gepredigt ist Kommunikation das Wichtigste. In meinem Fall kann ich mich jederzeit meinem Partner öffnen und er sich mir ebenfalls. Einfach ist es definitiv nicht immer. Wir beide müssen Abstriche machen und es liegt an uns den besten Weg zu finden.”

Wie sieht es mit Care Arbeit aus? Wer kümmert sich wie/wann/warum?

D: “Relativ klassisches Modell: Ich kümmere mich morgens (ca. 6:30 bis 8:00 Uhr) und nachmittags (ca. 15:00 bis 18:00 Uhr) um die Kinder. Danach übernimmt mein Partner. Er arbeitet vollzeit, ich arbeite teilzeit (70% Stelle). Er ist für alles, was mit Kochen/Küche zu tun hat verantwortlich und meistens für die Wäsche. Ich räume auf und putze. Die Wochenenden kümmern wir uns gemeinsam oder je nachdem, was so ansteht (Kulturprogramm, Partys, Freund_innen treffen etc.) abwechselnd um die Kinder. Da ich Lehrerin bin und die gleichen Ferienzeiten habe wie meine Kinder, leiste ich während der meisten Zeit in den Ferien die Care-Arbeit.”

A: “Wir haben uns 2011 für ein „klassisches“ Rollenmodell entschieden, weil mein Mann einfach ein höheres Einkommen hatte als ich. Ich bin also „stay at home mom“ und mein Mann Alleinverdiener. Tagsüber schmeiße ich also den Laden, aber weil da definitiv öfter mal was liegen bleibt, packt mein Mann mit an wenn er Feierabend hat. Wir teilen uns dann Haus- und Carearbeit ganz selbstverständlich.”

B:Wir (mein Freund und Vater des Kindes) haben uns vorgenommen die Arbeit möglichst gleich aufzuteilen. Wer Elternzeit hat muss erstmal alles tun was auch Care Arbeit ist (Kind, Haushalt…). Der andere versucht soweit es geht zu unterstützen. Ich habe dabei 4 Monate Elternzeit und der Vater 10 Monate. Zu Beginn hat den Haushalt vor allem der Vater gemacht. Mit der Flasche (das Kind wurde 5 Wochen gestillt) lässt sich die Arbeit gut aufteilen. Der zuständige Elternteil hat dabei 2 freie Tage in der Woche.”

C: “Da unsere Eltern nicht in unserer Nähe leben, sind wir sehr auf uns gestellt. Bei uns ist die Verteilung der Aufgaben sehr klassisch. Das liegt daran, dass ich nach dem Master schwanger geworden bin und mich deshalb auf keinen neuen Job bewerben wollte. Außerdem ist mein Mann selbstständig und jeden Tag, welchen er nicht arbeitet, verdient er nicht nur kein Geld, sondern verliert es auch. Das Elterngeld reichte leider für uns nicht aus, weshalb er nun weiter arbeitet. Er wäre sehr gerne in Elternzeit gegangen und hätte damit auch kein Problem gehabt. 

Im Alltag ist es schon so, dass ich viel versuche im Haushalt zu erledigen während ich mich um unser Kind kümmere. Einfach weil die Dinge direkt vor meiner Nase liegen, wenn ich zuhause bin. Wenn mein Mann nach Hause kommt, möchte er Zeit mit unserer Tochter verbringen. Ich kann ihn jederzeit bitten mir dann noch im Haushalt zu helfen. klar, nervt es manchmal schon, dass er manchmal auch an Aufgaben im Haushalt vorbeiläuft bzw. das wir diese Rollenverteilung fahren. Das Gefühl ein klassisches Muttchen zu sein, kommt dann schnell auf. Man muss sich aber ebenso klarmachen, dass man mit Kind schon mehr machen kann, als man denkt. Das ist gerade meine Herausforderung. Ich versuche mich nebenbei selbstständig zu machen und auch wenn es nicht immer leicht ist, so kann es doch funktionieren.”

Was ist schön am Mutter*sein?

C: “Dass ich meine Intuition ganz neu entdeckt habe. Ich entscheide aus dem Bauch heraus, nehme Stimmungen noch feinfühliger wahr und kann so die richtigen Entscheidungen für mich als auch für meine Tochter treffen. Das gibt Selbstvertrauen und -Sicherheit. Auch als Frau. Ich weiß am besten, was gut für mich und sie ist (jetzt noch). 

Denn hinter seiner Meinung zu stehen, während sich alle vergleichen und absolut jeder zu dem Thema eine Meinung hat, ist nicht immer leicht. Ich stehe mehr zu mir. Das macht mich glücklich.

Außerdem finde ich es wunderschön im positiven Sinne zu funktionieren. Besser gesagt: die Natürlichkeit des Körpers zu spüren. Die Geburt hat mir Angst gemacht und auch der Umgang mit einem so kleinen, zarten Lebewesen, bei welchem man so viel falsch machen kann. Aber es ist gleichzeitig so, dass man einfach mitmacht und selbst die Geburt hat sich trotz Schmerzen richtig angefühlt. Ich war dafür gemacht. Ich sage bewusst ich. Denn da möchte ich nicht für jeden sprechen. Sich gegen Kinder zu entscheiden, kann ich nun auch durchaus nachvollziehen. Es ist einfach nicht mehr das Leben, dass man vorher geführt hat. Und die Abstriche gemacht zu haben, ist auf jeden Fall nicht immer leicht. Aber ich genieße diese ganz andere Zeit. Mein Mann spricht davon, dass er sein großes Lebensziel erreicht hat. Leben zu schaffen und weiterzugeben. 

Für mich kann ich dies noch nicht so felsenfest definieren. Aber ich bin glücklich in meiner jetzigen Situation und es ist auf jeden Fall ein kleines Wunder wahr geworden, dass ich im Leben nicht missen wollte.“

D: “Die viele Liebe! Der Stolz, der Verantwortung gerecht zu werden.”

A: “Die bedingungslose Liebe ist manchmal gleichermaßen überwältigend wie auch beängstigend. Bereits die Kindsbewegungen im Mutterleib empfand ich als unglaublich schön.”

B: “Ersteinmal bedingungslose Liebe von dem kleinen Menschen mir gegenüber. Mit anzusehen und beteiligt zu sein, wie ein kleiner Mensch wächst, lernt, lacht und sich entwickelt., – das entlohnt für sehr viele Mühen. Viel Glück. Wenn der Kleine Mensch einen anlächelt , es ihm gut geht, sich freut…das kann einen sehr sehr glücklich machen. Aber es ist auch anstrengend und manchmal fließen viele Tränen. Oftmals wird einem (gerade von anderen Familien) aber nur das „Schöne“ offenbart. Die Tränen und Konflikte (mit einander aber auch für einen selbst) bleiben oft unerwähnt. Ich wünsche mir mehr Offenheit über die guten, aber auch die Schlechten Dinge.”

Was wünschst du dir von feministischer Seite?

C: “Weiterhin in der Öffentlichkeit laut zu sein: Beispiele von gleichberechtigten und gleichüberforderten Elternteilen zu zeigen. Den Körper der Frau zeigen und zu dessen Bild normalisieren (Stichwort Breastfeeding, Dehnungsstreifen, Figur). Geschichten aller Arten von Familien zu erzählen. Ebenso die Seiten zeigen, in denen Kinder nicht das Ziel des Lebens sind und das dies völlig in Ordnung ist. Spread Love :)”

D: “Ich fühle mich vor allem in Bezug auf die Gleichstellung, insbesondere im Beruf von feministischer Seite unterstützt. Der Feminismus gibt mir viele wichtige Impulse bei der Erziehung meiner Töchter.”

 A: “Ich würde mir wünschen, dass unseren Kindern weniger Gendernormen und -stereotypen im Alltag entgegen gebracht werden.”

B: “Es wird sich sehr viel mit der Rolle der Mutter beschäftigt und wie ich finde auch von feministischer Seite. Ich wünsche mir noch mehr Thematisierung der Rolle des/der Partner*in. Ich würde mir wünschen, dass Mütter weiter empowert werden in ihren Vorstellungen (stillen oder nicht stillen/ problematisieren des „Natur-Roll-backs).

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