To * or not to *

In vielen Instagram-Stories, -Posts, Blogs etc. wird momentan vermehrt die * Schreibweise erneut in Frage gestellt. So hat beispielsweise eine F_antifa Gruppe aus Berlin beschlossen auf Das Gender-* zu verzichten (vgl. http://transgenialefantifa.blogsport.de/material/). Die Begründung lautet u.a.: „Das Sternchen hinter dem Wort »Frauen« sollte zeigen, dass Transfrauen miteinbezogen werden. Dadurch wird allerdings impliziert, dass sie eigentlich keine ›richtigen‹ Frauen sind, was die Verwendung des Sternchens in diesem Kontext als transmisogyn entlarvt.
Ein weiteres Beispiel für die nur scheinbare Inklusivität war auch der Aufruf zum Frauen*kampftag. Dort sollten weiblich gelesene Personen unter der Kategorie »Frauen*« zusammengefasst werden. Hierbei wurde ignoriert, dass viele der unfreiwillig unter diesem Begriff einsortierten Personen (z.B. Transmänner, intergeschlechtliche Personen) keine Frauen sind und es cissexistische Gewalt ist, sie so zu bezeichnen.“ Zudem könne das * die Kategorien Mann*/Frau* als Symbole  nicht infrage stellen, bzw. als Konstrukt markieren, da es auch nicht hinter Begriffen wie beispielsweise Staat verwendet werde, die ja auch Konstrukten zu Grund liegen. Auch wird der Vorwurf erhoben, dass durch das Sternchen Inklusion vorgegaukelt, aber nicht wirklich betrieben werde, sondern wiederum Ausschlüsse erziele.

Nun irritieren mich verschiedene Punkte an diesem Statement. Als Erstes denke ich, dass es absolut wichtig ist, Inklusion und Teilhabe ernsthaft zu betreiben und nicht nur um sich z.B. abzusichern oder eben möglichst korrekt zu wirken. Trotzdem irritiert mich der Vorwurf, dass Menschen, Gruppen etc. die das * verwenden, nur inklusiv erscheinen wollen. Natürlich sind viele Kollektive, auch und gerade in linken Kontexten nicht so inklusiv wie sie es sein wollen und reproduzieren häufig Rassismen und Vorurteile, wo sie es eigentlich vermeiden wollen. Allerdings würde ich doch behaupten, dass das * oder überhaupt Gendern/eine inklusive Schreibweise ein Schritt sind, um zu verdeutlichen, dass geschlechtspezifische Themen bearbeitet und Offenheit gewünscht wird, Konstrukte in Frage gestellt werden. Somit wundert es mich, wie sehr z.B. das gegenseitige „Outcallen“/Denunzieren in den sozialen Medien zugenommen hat und Diskussionen immer weniger zugelassen werden, die eine ernsthafte Kritik betreiben. Begriffe wie Gewalt zu verwenden finde ich ebenfalls problematisch, ohne anzugeben, was man in diesem Kontext unter Gewalt versteht. Ein Ausschluss ist gewaltvoll, aber ob ein nicht geglückter, aber gewollter und versuchter Einschluss gewaltvoll ist, wage ich zu bezweifeln.  Scheiße ist er schon. Kritikwürdig, klar. Aber hier werden Ausschluss und gescheiterte Inklusion einander faktisch gleichgestellt.

Weiter ist es schwierig *-Verwender*innen Cis-Sexismus vorzuwerfen, da viele nicht CIS-Personen das * zur Selbstbezeichnung verwenden. Ist doch dann nach der obigen Verwendung des Begriffs irgendwie auch wieder gewaltvoll, oder? Die Argumentation bringt uns also nicht so wirklich weiter.

Zudem sind weder * noch _ etc. eindeutig definiert und werden sehr unterschiedlich verwendet. (Vgl. beispielsweise http://feministisch-sprachhandeln.org/leitfaden/kapitel4/ / https://queeramnesty.ch/gender-sternchen-und-gender-gap/ / https://geschicktgendern.de/vor-und-nachteile-gaengiger-schreibweisen/) – pretty different everywhere.  Mir ist es neu, dass Frau*, sich auf Cis-Frauen und Trans-Frauen bezieht. Für mich bedeutet das *, dass Menschen angesprochen werden, die sich als Frauen definieren, sich so definieren wollen, als solche gelesen werden, also solche Sexismus/Diskriminierung erleben. Und es soll zudem immer wieder darauf hinweisen, dass es sich eben um ein Konstrukt arbeiten. Dass es nicht heißt, das Trans-Frauen keine richtigen Frauen sind, sondern dass es keine richtigen Frauen gibt. Die Kritik, dass es bei anderen Begriffen nicht verwendet wird, bei denen es sich ebenfalls um Konstrukte handelt, finde ich in sofern irritierend, wenn man dies einfach tun/einführen kann?! So kann man auch von Liebe* oder Staat* schreiben. Spricht ja nichts dagegen. Zudem kann sich das *  so genauso auf Transmänner oder intgergeschelechtliche Personen beziehen, da es eben sagt, dass Frau ein Konstrukt ist und wir neu definieren können, wer darunter fällt, denn Begriff vielleicht irgendwann nicht mehr so sehr brauchen.

In Auschreibungen, Flyern, Posts etc. besteht zudem die Möglichkeit die verschiedenen Schreibweisen in der eigenen Benutzung zu erklären. Das wichtige ist, was eine Gruppe/Person unter den Schreibweisen versteht und nicht welche sie benutzt. Dies ist nicht immer relativ, aber trotzdem denke ich, dass die Inhalte wichtiger sind. So kann der _ genauso ausschließend verstanden werden, wie das *, wenn nicht darauf eingegangen wird, was gemeint ist. Das ist vor allem wichtig, wenn wir überall verschiedene Definitionen finden.

In der Bildsprache gefällt mir das * zudem am besten, das es nicht unter den Wörtern verschwindet, wie der _. Zudem sieht er auch nice aus. Ok nicht soo wichtig. I admit.

Ich denke, dass es nicht mehr darum gehen sollte uns gegenseitig outzucallen (wie man das auch immer schreibt) oder sich gegenseitig zu entlarven. Hier zeigt sich vielleicht gar nicht so sehr der Wunsch nach Teilhabe und Offenheit, sondern den ständigen versuch es besser zu machen, politisch besser zu sein oder sich eher noch versichern, dass andere es schlecht machen, damit man bloß irgendwie bestehen kann. Eine Diskussion über inklusive Sprache und vielmehr noch eine praktische Umsetzung dieser ist wichtig und elementar für eine freie Gesellschaft, aber der ständige Wunsch andere bei etwas Falschem zu erwischen, ist irritierend. Was nicht heißt, dass wir nicht auch hitzig diskutieren und uns widersprechen dürfen. Dass wir uns streiten und sauer sind. Uns Vorwürfe bei problematischen Inhalten machen. Es gibt Widersprüche und keine eindeutig richtige Antwort in einer in sich untereinander ausschließenden Gesellschaft. Doch auf diese Auschlüsse immer wieder mit neuen Auschlüssen zu Antworten, anstatt sich auf das zu konzentrieren, was erreicht werden soll, erscheint mir wenig förderlich. Es ist wichtig abzugrenzen, wo ein Kampf gegen Ungerechtigkeit und wo Überheblichkeit gegenüber anderen stattfindet. Das ist ein sehr schmaler Grad und nie eindeutig abzugrenzen. Es steht häufig im Widerspruch zueinander und kann doch nur in Kommunikation anstatt in Abschottung aufgelöst werden.

Es mag kitschig sein, aber ich halte es mit Erich Fried:

Wer Kindern sagt
was er selbst denkt
und ihnen auch sagt
dass daran etwas falsch sein könnte
der ist vielleicht
ein Linker

Also sollten wir dafür einstehen, was wir für richtig halten und dafür kämpfen, aber uns nicht vorgaukeln, wir hätten die  eine richtige Lösung auf alle Fragen. Eine gemeinsame Diskussion und Vorschläge sowie Ideen bringen uns weiter, als die Abgrenzung der einen linken Gruppe zur anderen, denn dabei bleibt es oft stehen und erreicht eh niemanden darüber hinaus. Was nicht heißt, dass wir uns nicht voneinander abgrenzen dürfen, aber wir sollten weiter darüber sprechen und bessere Wege finden, um das Geschlecht zu einer freien unwichtigen Kategorie werden zu lassen. Um dies Gegenüber Parteien wie der AFD zu verteidigen. Um uns gegen Differnezfeminismus zu stellen, der endlich wieder nur über die Cis-Frau reden will und sich freut, wenn es kein * gibt.(https://www.emma.de/artikel/feministisch-streiten-335893). Der Tabus über den Queerfeminismus bricht? Hä? Klingt auch nach AFD, die Argumentation. Well. Gegenseitiger, simpler, immer und immer weiter geführter Ausschluss bringt es irgendwie nicht. Denke ich. So lange benutze ich mal das *. Und schaue, ob es da noch bessere/andere Möglichkeiten gibt.

 

Ein Gedanke zu “To * or not to *”

  1. Danke für den Artikel, finde ich spannend selbst mal drüber nach zu denken. Deinen Punkt mit dem „entlarven/outcallen“ der so häufig in linken Kontexten Phase ist finde ich voll wichtig und gut! Danke dafür 🙂
    Kann aber auch die Kritik am * verstehen, also vor allem den Punkt, dass Transfrauen nicht einfach nur unter Frauen gefasst werden können sondern dass dann anscheinend die Schreibweise Frauen* nötig ist. Dennoch kenne ich auch Stimmen von Trans*Frauen, die zwar das zweigeschlechtliche Geschlechterkonzept für sich ablehnen und sich gerne auch als Trans* identifizieren, die im „Mainstream“ aber lieber als Frau gelesen werden wollen. Eine Identifizierung mit Frau ist dann genauso schwierig wie eine alleinige Identifikation mit Trans. Frau* kann dann eine Möglichkeit sein, die gesellschaftliche Anerkennung als Frau einzufordern und gleichzeitig eine Distanz von der starren Zweigeschlechtlichkeit einnehmen zu können.

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