Eeeeliminate Gurl* Hate

…because other girls are not your competition. Ich sage es mir immer wieder und trotzdem ist es so schwer, es sich in den Kopf zu hämmern. Kein Wunder, lernen wir doch besser oder anders als andere Mädchen* oder Frauen* zu sein. Egal, ob alleine oder in romantischen Beziehungen, ständig habe ich Angst, dass irgendwann eine bessere Version von mir auftaucht. Dass eigentlich alle anderen Frauen* eine bessere Version von mir sind. Dass ich es schaffen muss, die bessere Version zu sein. Dass meine Freund*innen oder Partner* sonst merken, dass sie mit der schlechteren Version ausgehen. Auch wenn ich es nicht möchte, sind diese Ideen so tief in meinen Denkmustern verankert, dass es schwer ist, sie los zu werden. Fast jeder Film, den ich als Teenie geschaut habe, zeigt Mädchen*, die um einen Typen (andere romantische oder sexuelle Identitäen/Begierden/Wünsche wurden sowieso nicht gezeigt) oder die Aufmerksamkeit anderer konkurrieren. Eine ist dabei meist fies, die andere sweet. Oder so. 

Jedenfalls gewinnt immer eine. Meist die Nette. Aber ist auch egal, denn das Problem ist doch, dass überhaupt jemand gewinnt. Denn warum muss eine* von uns gewinnen? Was gewinnen wir? Einen Typ? Yay. Vielleicht gewinnen wir aber auch in anderen „Kategorien“. Dass wir mehr Freund*innen haben, auf die cooleren Partys gehen, politisch engagierter oder interessierter sind oder doch irgendwie besser aussehen. Sad but true- denn egal wie blöd diese Gedanken sind, ich glaube, wir haben sie alle. Ich auf jeden Fall. Meh.

Als ich in der 10. Klasse war, ging es in Ethik irgendwann um das Thema Selbstwert. Ich weiß nicht, ob es wirklich so explizit formuliert war, aber die Diskussion drehte sich irgendwann um uns und unsere Gefühle gegenüber uns selbst. Ein Junge* sagte daraufhin: „Ich finde mich geil. Also wirklich gut. Warum nicht?“. Damals ist mir die Kinnlade runter gefallen. Ich könnte nicht verstehen, dass jemand so etwas ohne Scham sagt. Ich konnte nicht verstehen, wie sich jemand so fühlen konnte. Ich wollte das auch sagen können. Einfach so. Aber das ging nicht, denn ich hatte gelernt, dass es nicht so ist. Dass ich nicht einfach „wirklich gut“ bin. Sondern dass ich irgendwie nicht gut genug bin. Zu tussig, zu stark geschminkt, zu dick, zu schlampig, zu negativ, zu launisch, zu was weiß ich. Ständig kommentiert jedenfalls. Dass man mir Arroganz unterstellen würde, wenn ich einfach sagte, dass ich mich geil fände. Dass irgendjemand es sofort in Frage stellen und mit einen dummen Spruch rein drücken würde, der mein Selbstwertgefühl sofort wieder in Frage stellt. Ich war nicht einfach gut, nein nein!

Mit Gender habe ich das ganze damals noch nicht explizit in Verbindung gebracht. Ich kann mich jedoch erinnern, dass es im weiteren Verlauf um Frauen* und kurze Röcke ging. MMMH, wirklich schwer zu sagen, was jetzt das eigentliche Unterrichtsthema war 😉 Egal. Jedenfalls habe ich mich in der Klasse tierisch aufgeregt und allen (Typen) an den Kopf geworfen, dass sie sich halbnackte Frauen* aufhängen und die ganze Zeit erzählen, was sie an weiblichen* Körpern geil finden und was nicht, aber wenn jemand sich anzieht, wie Frauen* in Musikvideos oder auf Plakaten, die in ekligen Jungszimmern hängen, wird einem an den Kopf geworfen, dass man billig aussehe und das nicht cool ist. Dass man doch auch nur gesehen und lieb gehabt werden will und sich ja vielleicht deshalb auch so anzieht. Es war ein Moment der Selbsterkenntnis. Ich hatte mich geschminkt und die kürzesten Röcke getragen, um lieb gehabt und gesehen zu werden. Um einem bestimmten Bild zu entsprechen, um schöner zu sein als andere Mädchen*. Um einen netten Freund zu haben. Aber ich war dann nur die Klasenschlampe. Ohne Sex. Aufregend. Wie schön wäre es damals gewesen, Strukturen noch besser zu erkennen und jemanden zu haben, die* einen feministisch unterstützt. Mehr Worte und Begriffe zu haben. Sexismus war damals kein Thema. Feminismus ein Schimpfwort. Denn als ich irgendwann begann (wenn auch unbewusst) Indie zu hören, Christina Aguilera zu verbannen und nur noch sehr weite Klamotten trug auf die ich Knöpfe nähte und Buttons steckte, sagte der Freund meiner Mutter mir, dass ich aussehe wie eine feministische Lesbe aus den 70ern, die ihren Körper verstecken will. Achso.

Wir erfahren also, dass wir ständig kommentiert werden. Dass wir nicht so richtig sein können, wie wir sind. Dass wir zu lesbisch, zu schlampig, zu dick, zu dünn, zu tussig, zu wenig weiblich, zu langweilig, zu zu zu irgendwas aussehen. Hier kommen für viele Frauen* noch rassistische, ableistische, trasnfeindliche und viele weitere diskriminierende Muster hinzu.

Auch innerhalb heutiger feministischer Strukturen ist es schwierig sich von Konkurrenzdruck und dem Gefühl der Unterlegenheit zu verabschieden. Gibt es doch einerseits das altbackene Bild, Feminismus hieße erfolgreich zu sein und ein „Alpha-Mädchen“ zu werden. What`s that? Wird sich weiter mackriges Verhalten angeeignet, um nicht in einer männlich* dominierten Welt unterzugehen, dass dann aber auch leider oft andere Frauen* trifft und klein macht. Gibt es so viel (berechtigte!) Wut untereinander. Gibt es Ignoranz gegenüber der Situation und Diskriminierungen anderer, gibt es Frauen*, die anderen Frauen* Kopftücher verbieten wollen, Frauen die nur Cis-Frauen* im Feminismus sehen wollen etc. etc. Und dazu dann noch die ganz profane Unsicherheit. Das ganz oberflächliche und trotzdem penetrante Gefühl, dass man irgendwie besser sein muss. Gewinnen muss. Hallo, Girl* Hate.

Das patriarchal-kapitalistische Konkurrenzsystem schlägt sich in allen Lebensbereichen wieder. Auch in der Beziehung unter Frauen*. Also sollten wir weiter dafür kämpfen, dieses System im Großen wie im Kleinen abzuschaffen. Uns gegenseitig immer und immer wieder bewusst zu machen, dass wir gerade nicht in Konkurrenz stehen. Dass wir dagegen angehen, wenn z.B. ein Typ uns in Konkurrenz zueinander stellt. Nicht darauf eingehen und es als Kompliment oder Anerkennung sehen, wenn uns gesagt wird, dass wir spannender oder schöner sind als andere Frauen*. Das unsere Anerkennung nicht über die Abwertung anderer geschieht. Dagegen gehen, wenn andere Frauen* kommentiert werden. Uns Alltags-Sexismus immer wieder entgegen stellen. Unsere Freund*innenschaften stärken. Am Bild des befreiten Menschen/der befreiten Frau* arbeiten, der*/die* nicht mehr eingeteilt wird in bestimmte Geschlechter, Hautfarben, Körpergrößen etc. Uns gegenseitig zuhören und ein wenig mehr zusammen stehen. Das macht auch mehr Spaß.

 

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