Die Männlichkeit, die neue deutsche Recht(sextrem)e und der Feminismus.

 

Ich sitze im Ausschuss für Frauen* und Wirtschaft der Stadt Frankfurt. Genau wie letztes Jahr hat die AFD unzählige Anträge für die Streichung von Geldern für Mädchen*-, Frauen*- und LGBTIQ*-Projeke gestellt (http://www.fr.de/frankfurt/afd-im-frankfurter-roemer-mit-rassistischer-hetze-gegen-frauenfoerderung-a-1488914). In mehreren Wortbeiträgen wird auf die ohnehin prekäre Lage in diesen Arbeitsbereichen aufmerksam gemacht und auf die Verunsicherung und Wut von Mädchen*, Frauen und LGBTIQ* gegenüber der AFD. Die AFD reagiert mit einem Wortbeitrag,  der den immer gleichen Mustern rechter Hetzte und rassistischer Ressentiments folgt. Erst wird darauf hingewiesen, dass man Frauen*rechte unterstütze und auch Homosexuelle in der Partei seien, dann wird Artikel zitiert: Ein Mann wurde verprügelt und als „schwul“ bezeichnet. Von wem? Klar, von südländisch aussehenden Männern! Eh klar! Genau diesem Prinzip folgt auch die Identitäre Bewegung. Sie postet Fotos unter dem Hashtag Feminismus oder metoo (https://www.instagram.com/p/BbuLEBaDsIw/?hl=de&taken-by=ib_deutschland). Doch was als Feminismus verkauft wird, gilt nur einem Zweck: Der Präsentation eines ausländischen, männlichen, am besten noch muslimischen Feindbildes. Die Diskriminierung von Mädchen*, Frauen* und LGBTIQ* wird zu einem Spezifikum des Fremden, nicht-Europäischen und Muslimischen gemacht. Die Erzählung des brutalen, patriarchalen und triebgesteuerten fremden Mannes gilt als Legitimation für eigenes rassistisches Gedankengut und fördert die eigene Darstellung als europäisch zivilisierte Gesellschaft. Eine Auseinandersetzung mit (sexualisierter) Gewalt, sexistischer Werbung, struktureller Diskriminierung, verschiedenen Lebensformen- und Welten, Empowerment, Intersektionalität und weiblichen* Lebenswelten in Deutschland findet nicht statt. Es sei denn „deutsche“ Frauen* können als Opfer stilisiert und der Feminismus als Instrument für eine „gute deutsche Leitkultur“ benutzt werden. Es wird zum „Frauenmarsch“ aufgerufen. Warum? Um „importierte“ Gewalt zu thematisieren. Schon klar! (http://blog.identitaere-bewegung.de/aufruf-der-120db-kampagne-zum-frauenmarsch-am-kommenden-samstag-den-17-02-2018-in-berlin/) Sexismus und strukturelle Gewalt innerhalb der „deutschen Leitkultur“? – eeeehm, taucht diese Frage auf, wird meist gebrüllt: „Wo wart ihr Silvester, wo wart ihr Silvester?“ In Frankfurt, halt die Klappe.

Schaut man sich das Männer*- und Frauen*bild der Identitären Bewegung einmal an, wird schnell klar, dass ihr ach so aufgeklärtes Bild nicht weit über dasjenige ihrer (selbst gezeichneten) patriarchalen Feinde hinausgeht. Auf ihrer Homepage sind u.a. Blogs verlinkt die Sachen schreiben, wie: „…Es ist der Grund warum Übergriffe auf Frauen in Kriegen systematisch zur Demoralisierung eines schon geschlagenen Gegners eingesetzt werden.  Es bedeutet Demütigung und Verunsicherung. Und im kleinen Rahmen: Wer als Gast die Frau des Hausherrn betatscht, stellt die häusliche Hierarchie klar in Frage. Er empfiehlt sich der Frau des Hauses als der bessere Mann, er bietet ihr Schutz und stellt sich durch seine Tat in Konkurrenz zu dem, der die älteren Rechte – ich muß es so schreiben – an ihrem Unterleib hat.“ (https://sezession.de/52734/koeln-und-die-deutschen-maenner/2). Es ist interessant, wie eine Bewegung sich den Feminismus zu eigen macht und gleichzeitig dem (Ehe-)mann das Recht am Unterleib seiner Frau* zuspricht. Auch wenn immer wieder davon gesprochen wird, dass der sogenannte „nordafrikanische Mann“ die Rechte der emanzipierten Frauen* nicht akzeptiert, ist doch klar, in welche Richtung die neue deutsche Recht(sextrem)e steuert. Genau wie Bernd Hecke vermissen sie den werhaften deutschen Mann, denn…“der verhausschweinte Deutsche, dieser Jammerlappen und Moral-Krüppel, schlägt in den seltensten Fällen zurück. Er weiß doch gar nicht mehr, wie es geht, und im übrigen fehlt es ihm an dem Willen, sich selbst zu behaupten: Er läßt gerne vor, steckt zurück, sieht nach, bäckt gern die kleineren Brötchen.“ (vgl. Ebd.) Männer sollen also vor allem eins sein, stark und dominant. Also deutsche Männer. Bei den anderen ist das rückständig. Ach so.

Es gilt im Feminismus also, diese Taktiken immer wieder zu entlarven und sich zu wehren. Wir sollten es nicht zulassen, dass rechtsextreme Gruppierungen den Feminismus instrumentalisieren, um den eigenen Kulutrchauvinismus sowie Rassismus zu etablieren und von eigenen Sexismen abzulenken. Feminismus heißt nicht sich immer mal hier und da für Frauen* einzusetzen, wenn es gerade passt. Es heißt nicht, sich nur für „deutsche“ (Cis-)Frauen* einzusetzen. Feminismus heißt nicht, dass wir männliche* Beschützer brauchen. Feminismus heißt nicht, dass uns Gewalt nur interessiert, wenn sie von Geflüchteten ausgeübt wird. Feminismus heißt nicht, patriarchale Strukturen weiterzuführen. Feminismus heißt nicht, dass der (Ehe-)Mann* irgendwelche Rechte an seiner Frau* hat. Feminismus heißt nicht, Frauen* als Opfer zu instrumentalisieren. Feminismus heißt, nicht rassistisch zu sein. Feminismus heißt, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Freiheiten haben sollten, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Sexualität und ihrem Körper, dann ist diese Haltung unvereinbar mit rechtem Denken (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/feminismus-warum-rechte-nicht-gegen-sexuelle-gewalt-aufrufen-koennen-a-1191986.html).  So FYI: Wir scheißen auf eure Männlichkeit!

 

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