Love ya Body, Gurl!

Leider wird es uns nicht leicht gemacht, unseren eigenen Körper zu mögen. Ich erinnere mich, dass ich meinen Körper zum ersten Mal in Frage gestellt habe, als ich ungefähr 6 oder 7 Jahre alt war. Meine Mutter (ich weiß nicht, ob sie es so meinte oder ob sie einfach den Streit nach der Scheidung mit meinem Vater weiter befeuern wollte) sagte plötzlich, ich sei zu dick. Obwohl ich bis dato noch nicht viel über meinen Körper nachgedacht hatte, war mir sofort klar, dass dies etwas Schlechtes zu bedeuten hatte. Als Kind sollte man nicht dick sein, vor allem nicht als Mädchen*. Ich kam also von meinem Wochenendbesuch nach Hause (ich lebte damals bei meinem Vater) und fühlte mich traurig, niedergeschlagen und vor allem; völlig falsch in meiner Haut. Nachdem ich einige Tage Trübsal geblasen hatte, musste ich wohl oder übel erzählen, warum es mir nicht gut ging. Da ich nicht mehr davon zu überzeugen war, dass mein Körper völlig in Ordnung sei, setzte mich mein Vater ins Auto und fuhr mit mir zu einem befreundeten Kinderarzt, der mich wog, meine Körpergröße maß und mir dann versicherte, dass ich absolut nicht zu dick sei. Zwar beruhigte mich dies, jedoch blieb ein keiner Zweifel in meinem Kopf.

Dieser Zweifel regte sich erneut, als ich in die 5. Klasse kam. Eine meine Mitschülerinnen wurde gehänselt, weil die anderen sie zu dick fanden. Ich erinnere mich, wie ich sie heimlich in der Sportumkleide beobachtete und mich fragte, ob ich nicht genauso aussähe. Zu meiner damaligen Erleichterung stellte ich fest, dass ihre Rolle am Bauch, wenn sie sich setzte, größer war als meine bzw. dass mein Bauch gar keine Rolle bildete, sondern sich nur groß nach vorne plusterte. Puh, dachte ich da. So lange ich keine Rolle habe, mache ich auch keine Diät. Diäten waren also schon mit 10 Jahren ein Thema, auch wenn ich mich zum Glück (wenn auch aus zweifelhaften Gründen) dagegen entschied.

Doch die Unsicherheiten machten sich an anderen Stellen schnell wieder bemerkbar. Da mein Körper schnell in die Höhe schoss, bildeten sich an meinen Oberschenkeln mit 12 Jahren Dehnungsstreifen, die mich mit Schrecken erfüllten. Meine Brüste wuchsen bereits seit der dritten Klasse und Beinhaare hatte ich schon seit ich denken konnte. Alles schien irgendwie schief. Meine Freundinnen waren kleiner, dünner, weniger behaart und bei den Jungs beleibter. Niemand rief ihnen im Schwimmbad hinterher, ob sie schon mal ein Kind bekommen hätten.. eine Anspielung auf meine Dehnungsstreifen. Haha, ja zwei. Witzig. Danke. Nein, meine Freundinnen wurden von allen Müttern als `Strich in der Landschaft` bezeichnet, während ich mich vielleicht nicht wie ein riesen Kreis, doch zumindest wie ein Oval oder ein unförmiger Bobbel fühlte. Irgendetwas ungraziles jedenfalls, das nicht das lobende Wort `Strich` verdient hatte. Denn das dies etwas Gutes sein musste, war irgendwie klar. Ein Strich ist nämlich sehr dünn.

Das Gefühl einen falschen, schlechten oder ungenügenden Körper zu haben zog sich weiter durch meine Jugend und auch in mein Erwachsenenalter. Ständige Kommentare über große Brüste, kleine Brüste, Apfelhintern oder Pflaumenpos (ich weiß nicht warum, aber die Jungen* in meiner Klasse haben diese Ausdrücke als irgendwie passend empfunden) ließen einen ständig die Frage stellen: Habe ich auch einen Apfelpo? Oder ist er doch eher wie zwei Orangen oder etwas noch schlimmeres? Denn das wäre unattraktiv. Nur Äpfel schienen gut zu sein. Alles andere inakzeptabel. Auch meinem ersten Freund konnte ich jahrelang nicht glauben, dass er meinen Körper schön finden könnte. Einmal fragte ich ihn drei Stunden lang, ob er generell große oder kleine Brüste schöner fände. Er wollte nicht antworten, gab aber irgendwann meinen unaufhörlichen Fragen nach und sagte, dass er kleinere vielleicht etwas schöner fände. Also nicht im Einzelnen, aber so im Gesamten. Ich weinte drei weitere Stunden. Meine Brüste waren schon immer groß gewesen. Bis dahin hatte ich gedacht wenigstens dass sei etwas Gutes.

Die ständige Bewertung weiblicher* Körper zu hinterfragen und irgendwann meine Zweifel bestmöglich abzulegen, kostete mich viele viele Jahre. Erst Ende zwanzig habe ich meinen Körper im Spiegel ansehen und ihn wirklich aus vollem Herzen schön finden können. Wenn mir heute jemand sagt, dass er*/sie* meinen Körper schön findet, glaube ich es. Denn das finde ich auch. Es ärgert mich, dass ich so viel Zeit und Lebensenergie damit verschwendet habe, mich zu fragen, was falsch an mir ist. Und dabei habe ich noch nicht einmal Diäten gemacht oder mich so zwanghaft mit Essen beschäftigt, wie es manch andere Person tut bzw. tun muss, da sie vielleicht noch viel mehr kritisiert und hinterfragt wird. Und auch heute noch gibt es Tage an denen meine neue Körperliebe zusammenfällt. Z.B. wenn es bei Urban Outfitters nur XS Größen gibt oder selbst die XL Unterhosen ausfallen, als wären sie für Kinder.  Dann regen sich schnell wieder alte Zweifel. Sollte ich nicht doch S oder XS tragen? Ist M oder L nicht okay und ziemlich in der Mitte, sondern schrecklich und riesig und furchtbar häßlich? NEIN. Muss ich mir dann immer wieder sagen. Körper können schön in XS, S, M, L, XL, XXL usw. sein. Körper sind vielfältig und unterschiedlich und das ist okay. Dünn heißt nicht gleich schön und dick heißt nicht gleich häßlich. Sich das immer wieder vor Augen zu rufen, kostet Kraft und es stinkt, dass man es tun muss, um nicht irgendwie unterzugehen-unterzugehen in den eigenen Selbstzweifeln. Wir hätten so viel mehr Kraft für politischen Aktivismus, Spaß, Freunde, Freude, Liebe und Quatsch, wenn wir nicht so viel Mühe aufwenden müssten, um unsere Selbstzweifel in Schach zu halten. Da dies nicht immer leicht ist, hier ein paar Tipps (die mir geholfen haben), um sich mit seinem Körper (wieder) anzufreunden:

  1. Geh in die Sauna! Falls du nichts gegen Schwitzen hast, kann es sehr erleichternd sein, in die Sauna zu gehen. Sehgewohnheiten werden verändert und der ewig schlanke Körper aus den Medien weicht weichen und realen Körpern, die nicht perfekt und sehr unterschiedlich sind.
  2. Schau dir verschiedene Frauen*körper an, die nicht der Mediennorm entsprechen. Finde verschiedene Formen, Größen und Gestalten, die dir gefallen.
  3. Zeichne deinen Körper oder einzelne Körperteile. Auch wenn du es nicht gut kannst, kann er schön sein, den eigenen Körper Überhaupt erstmal wahrzunehmen und in eine andere abstrakte Form zu bringen.
  4. Followe Seiten, die über Bodypositivity schreiben und unterschiedliche Körper repräsentieren. Vermeide Accounts, die nur schlanke Bäuche und große Brüste zeigen.
  5. Schaue nicht GNTM. Auch wenn es Spaß machen kann, fühlen sich selbst die schlankesten Leute danach häufig unförmig und unzureichend. Außerdem ist Heidi blöd, kacke und gemein.
  6. Spreche mit anderen über Körper und Körperbilder.
  7.  Selbstliebe und Übungen dazu sind nicht peinlich oder sentimental und irrelevant, sondern wichtig für Empowerment und fördern den eigenen Selbstwert. Wenn man diesen erkannt hat, ist man viel eher bereit, Dinge einzufordern und hat mehr Energie sich zu engagieren oder tolles Zeug zu machen.

Ja, das wars. Vielleicht bringts euch ja was 🙂 Sending some Bodylove!

2 Gedanken zu „Love ya Body, Gurl!“

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