My Gyn is a bitch!

Vor Kurzem habe ich meine erste Google-Bewertung geschrieben. Die Note 6 für meine Gynäkologin*. She is a bitch! Wirklich! Zum ersten Mal war ich vor einem Jahr dort und erzählte, dass ich meine Periode viel zu häufig und zu lange hätte. Sie sagte, wir könnten mal abwarten und so lange ich nicht schwanger werden will, ist es nicht so schlimm. Äh? Ah ja? Ich wusste gar nicht, dass Probleme mit dem eigenen Uterus nur dann von Bedeutung sind, wenn ein Baby darin herangezogen werden soll. Ich dachte immer mein Uterus wäre auch so wichtig, da er sich ja 1x im Monat (oder bei mir 3 Mal im Monat meldet) und blutet und Dinge tut, egal ob mit oder ohne Minimensch darin.

Tja, da habe ich wohl falsch gedacht, denn auch von anderen Freund*innen habe ich schon oft Geschichten gehört, dass Gynäkolog*innen Probleme nicht ganz so ernst nehmen, wenn der Uterus leer und die Eizelle unbefruchtet bleiben soll. Da das bei mir der Fall ist und Kinder nicht so wirklich in mein Leben eingeplant sind (höchstens die von anderen), dachte ich mir erstmal, na ok. Abwarten. Leider ist seitdem alles nur noch schlimmer geworden. Ich blute an mindestens  20 von 30 Tagen im Monat. Mmmh, dachte ich mir. Kann ja nicht so gut sein, nervt auch tierisch und außerdem raste ich irgendwann aus, wenn ich noch einen weiteren Tag meinen Lunacup tragen muss. Zudem beschleicht mich langsam etwas Sorge, ob da nicht was gravierend falsch läuft in der Gebärmutter. Ist ja nicht so, als gäbe es nicht genug gruselige Sachen von entzündeten Eierstöcken über Geschlechtskrankheiten bis zu Verwachsungen und was weiß denn ich. Voller Sorge und mit einem unguten Gefühl ging ich also vor ca. einem Monat zu meiner Gynäkologin*, um ihr erneut zu sagen, dass alles nur noch schlimmer geworden war und dies sehr belastend sei. Die „Behandlung“ dauerte ca. 30-60 Sekunden. Pille. Ehhm, nee. Ich sagte, dass ich mit der Pille sehr schlechte Erfahrungen hätte, außerdem seit meiner Jugend unter Depressionen gelitten und dies sich erst in den letzten Jahren langsam gebessert hatte. Dass es mir jetzt gut ginge und ich nichts nehmen wolle, was Depressionen wieder auslösen könne. Dass ich außerdem immer schlimme Migräne gehabt hatte, als ich die Pille nahm. Tja, da könne sie dann eben auch nichts machen! Sie sah genervt aus und ich könnte schwören, dass sie die Augen verdreht hat.  Und raus war ich. Mit hochrotem Kopf, einem beschämenden Gefühl und auch ein paar kleinen Tränen in den Augen- hatte ich doch ihre anscheinend sehr kostbare Zeit verschwendet und mir Aufklärung erhofft, obwohl ich doch einfach nur dumm war und noch nicht mal die Pille nehmen wollte. Vermehrt beschlich mich das Gefühl, dass ich ohne Kind oder Kinderwunsch und mit der absurden Einstellung, dass die Pille vielleicht kein Allheilmittel und auch generell befremdlich und auch unheimlich sei, man siehe sich nur mal den ellenlangen Beipackzettel voller Nebenwirkungen von Thrombose bis Haarausfall an, eben auch kein Recht auf eine Untersuchung hätte. Zudem ging mir auf, dass sie keine meiner Sorgen entkräftet hatte und ich jetzt wieder mit Google alleine war um herauszufinden, warum ich jeden Tag Blut in der Unterhose hatte. Hormonstörungen, Endometriose, Tumore, Zysten, Krebs, einfach so? Gnaaa. Als ich nach Hause ging, dämmerte mir langsam, dass ich eigentlich sehr wohl ein Recht auf eine ordentliche Untersuchung hatte. Dass ich das Recht darauf habe, ernst genommen zu werden, auch wenn ich keinen schreienden Fleischklops in meinem Bauch haben will (sorry, ich finde Babys eigentlich schon ok; manchmal auch süß) und dass ich nicht die Pille nehmen muss. Dass die Pille zur Verhütung gedacht ist, nicht um eben alles und irgendwie auch nur so halb zu behandeln. Dass es nicht heißen muss, Pille oder blute eben, Pech gehabt. Also setzte ich mich an meinen PC und schrieb (wieder mit meinem Freund Google) meiner Ärztin* eine Bewertung mit der Note 6. Ha! Ja okay, ich weiß, bringt vielleicht nicht so viel, aber immerhin habe ich irgendwas gemacht. Die gute Frau* hat mittlerweile auch geantwortet: Sie will, dass das Kommentar gelöscht wird, da es eine Verleumdung sei und sie es müde sei, dass Leute Unwahrheiten schreiben. Ja, müde bin ich auch du alte Nuss. Nun ich habe ihr Vorgeschlagen, mein Kommentar vielleicht nicht einfach als Lüge ab zu tun, sondern darüber nachzudenken, dass es doch super wäre, wenn Leute mit einem guten Gefühl und nicht voller Sorgen aus ihrer Praxis gehen könnten. Naja, macht sie wahrscheinlich nicht, aber es hat mir wenigstens ein klein bisschen das Gefühl gegeben, nicht einfach alles über mich ergehen zu lassen. Jetzt habe ich bald einen Termin bei einer neuen Gynäkologin*. Ich habe überlegt ihr zu erzählen, dass ich schwanger werden will. Damit sie mich untersucht. Was ein Scheiß. Alleine schon, dass man sich so etwas überlegen muss.

Deshalb sollten wir anfangen, mehr über unseren Körper zu wissen, über Verhütung, Blutungen, Schmerzen und den Zyklus. Nur wenn wir mehr wissen, können wir mehr einfordern. Klar sagen, dass manche Dinge nicht ok sind. Dass es unsere Körper sind und wir selbst entscheiden sollten, ob wir die Pille nehmen und wenn ja wann. Dass unsere Gefühle, Ängste und Schmerzen wichtig sind, und zwar nicht nur, wenn wir eine befruchtete Eizelle wollen. Mehr Austausch und mehr Kollektivierung, in welcher wir über Erfahrungen sprechen, kann Tabus brechen und bringt uns hoffentlich dazu Ärzt*innen zu besuchen mit denen andere schon gute Erfahrungen gemacht haben und das einzufordern, was uns zusteht. Ein guter Umgang mit dem Uterus. Jawohl!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s